Im März 2022, drei Wochen nach Beginn des russischen Großangriffs, habe ich hier Putins Essay „Über die historische Einheit von Russen und Ukrainern“ vollständig auf Deutsch veröffentlicht. Der Text war am 12. Juli 2021 auf der Website des Kreml erschienen. Meine eigene Einordnung bestand damals aus genau einem Wort im Titel: Manifest. Jetzt, im November 2026, will ich wissen, ob dieses Wort stimmte.
Die kurze Antwort: Es stimmte, und zwar genauer, als mir damals lieb gewesen wäre. Putin hat die These vom „einen Volk“ seit 2022 immer wieder wiederholt, zuletzt mit dem Satz, in diesem Sinne sei die ganze Ukraine „unser“. Gleichzeitig ist die Annahme, auf der der Essay ruht, an der Wirklichkeit gescheitert. Die Ukrainer haben dem Text so deutlich widersprochen, wie es eine Bevölkerung nur kann.
Dieser Artikel ist das Update zu meinem Beitrag von 2022. Er prüft die Kernthesen des Essays gegen die Geschichtswissenschaft, zeichnet nach, wie aus dem Text eine Kriegsbegründung wurde, fasst die belegten Zahlen des Krieges bis heute zusammen und wagt einen Ausblick auf die nächsten zwei bis fünf und zehn Jahre. Wo ich bewerte oder prognostiziere, sage ich das dazu.
Was ich 2022 veröffentlicht habe und was dem Beitrag fehlte
Der Beitrag von 2022 ist eine Übersetzung der englischen Kreml-Fassung, ohne Kommentar, ohne Anmerkungen, ohne Gegenstimme. Das hatte einen Grund: Ich wollte, dass deutschsprachige Leser den Text selbst lesen können, statt nur Zusammenfassungen davon. Aus heutiger Sicht fehlte trotzdem etwas. Ein Propagandatext, der unkommentiert dasteht, wird von manchen Lesern als Quelle gelesen und nicht als Dokument.
Deshalb werde ich dem alten Beitrag einen kurzen Hinweis voranstellen, der auf dieses Update verweist. Die Übersetzung selbst bleibt, wie sie ist. Sie ist heute als Dokument wertvoller als 2022, weil man an ihr nachlesen kann, was der Kreml sieben Monate vor dem Einmarsch angekündigt hat.
Die Kernthesen von Putins Essay zur Einheit von Russen und Ukrainern
Wer den Essay nicht im Kopf hat: Er ist lang und folgt einer klaren Linie. Ich habe die zentralen Aussagen noch einmal am Kreml-Original geprüft.
Gleich im ersten Absatz steht die Grundthese, Russen und Ukrainer seien „ein Volk – ein einheitliches Ganzes“. Belarussen zählt Putin ausdrücklich dazu: Alle drei stammten von der Alten Rus ab, und die sowjetische Nationalitätenpolitik habe einen Fehler gemacht, als sie drei Völker anerkannte statt eines „dreieinigen“ russischen Volkes.
Darauf baut der Essay auf. Die ukrainische Nation erscheint als Projekt von außen, ersonnen von polnischen und österreichischen Ideologen. Die moderne Ukraine sei vollständig ein Produkt der Sowjetzeit, ihre Grenzen von den Bolschewiki willkürlich gezogen, und Russland sei dabei beraubt worden. Die Übergabe der Krim 1954 nennt Putin einen groben Rechtsbruch. Seit 2014 hätten westliche Staaten die Ukraine zu einem „Anti-Russland“ umgebaut. Und am Ende steht der Satz, auf den alles hinausläuft: Echte Souveränität sei für die Ukraine nur in Partnerschaft mit Russland möglich.
Der allerletzte Satz des Essays sagt, über die Zukunft der Ukraine entschieden ihre Bürger. Das klingt versöhnlich, steht aber in direktem Widerspruch zum Rest. Wenn Souveränität nur mit Russland möglich ist, dann ist eine Entscheidung gegen Russland keine souveräne Entscheidung. Genau diese Logik hat der Kreml ab Februar 2022 angewendet.
Was Historiker zur „historischen Einheit“ sagen
Die Geschichtswissenschaft hat dem Essay früh und deutlich widersprochen. Der Osteuropahistoriker Andreas Kappeler, einer der besten Kenner der ukrainischen Geschichte im deutschsprachigen Raum, ordnete den Text noch 2021 in der Zeitschrift Osteuropa als Mischung aus Sowjetpatriotismus, imperialem Nationalismus und Geschichtsrevisionismus ein. Er warnte schon damals, die enthaltenen Drohungen seien ernst zu nehmen.
Kiewer Rus: gemeinsamer Ursprung ist kein gemeinsames Volk
Dass Russland, die Ukraine und Belarus sich auf die Kiewer Rus beziehen, bestreitet niemand. Strittig ist, was daraus folgt. Kappeler erklärte im SRF-Faktencheck vom März 2022, dass sich die Wege nach dem Mongolensturm im 13. Jahrhundert trennten. Die heutige Ukraine gehörte danach jahrhundertelang zu Polen-Litauen, der größte Teil kam erst zwischen 1650 und 1800 zu Russland. Eine eigene ukrainische Identität entwickelte sich ab dem 17. Jahrhundert. Der Historiker Serhii Plokhy wird in einer Analyse des CEPA mit dem Satz zitiert, die dynastische Verbindung habe wenig Bedeutung.
Die Münsteraner Historikerin Ricarda Vulpius zeigte in der FAZ vom 26. September 2022, woher Putins Erzählung stammt: Erst das Geschichtslehrbuch von Ustrjalow aus dem Jahr 1836 verschmolz die „allrussische Nation“ mit der Kiewer Rus und übersprang dabei rund 400 Jahre getrennter Entwicklung. Putin wiederholt also eine Lehre des Zarenreichs aus dem 19. Jahrhundert und gibt sie als historische Tatsache aus.
„Künstliche“ Nation? Das Zarenreich hat sie bekämpft, nicht erfunden
Die These, die ukrainische Identität sei von außen konstruiert, hat ein Problem: Das Russische Reich hat sie mit erheblichem Aufwand unterdrückt. Vulpius verweist auf das Walujew-Zirkular von 1863 und die Verbote von 1876, mit denen ukrainischsprachige Veröffentlichungen weitgehend untersagt wurden. Das Harvard Ukrainian Research Institute betont, dass das Verbot von 1863 vom Innenminister kam. Die Sprache wurde also als Sicherheitsfrage behandelt. Etwas, das künstlich ist und niemanden interessiert, muss man nicht per Erlass verbieten.
Hat Lenin die Ukraine geschaffen?
Im Essay noch angedeutet, in der Rede vom 21. Februar 2022 dann ausgesprochen: Lenin sei der Schöpfer der Ukraine. Vulpius nennt das absurd, weil die bolschewistische Nationalitätenpolitik auf eine bereits erstarkte Nationalbewegung reagierte. Plokhy formulierte es im Kyiv Independent im April 2026 zugespitzt: Lenin habe die Ukraine höchstens insofern „geschaffen“, als sein Angriff die ukrainische Unabhängigkeitserklärung auslöste. Und am 1. Dezember 1991 stimmten 90,32 Prozent der Wähler in der Ukraine für die Unabhängigkeit, wie CEPA festhält.
Die Krim 1954: kein Rechtsbruch nach damaligem Recht
Hier wird es konkret prüfbar. Der Harvard-Historiker Mark Kramer hat die Übergabe der Krim im Cold War International History Project des Wilson Center anhand der Archivdokumente rekonstruiert. Sein Ergebnis: Die Übergabe folgte Artikel 18 der Sowjetverfassung von 1936, beide Republiken stimmten zu, der Ablauf ging vom Parteipräsidium (25. Januar 1954) über die Präsidien der Obersten Sowjets der RSFSR (5. Februar) und der Ukrainischen SSR (13. Februar) bis zum Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR (19. Februar 1954). Kramer schreibt, die Übergabe sei nach den damals geltenden Regeln erfolgt. Fairerweise: Eine zweite, unabhängige Archivauswertung habe ich nicht gefunden. Putins Behauptung eines „groben Verstoßes“ belegt der Essay aber gar nicht.
Georgien 2008 und Krim 2014: Die Tests vor dem Essay
Der Essay kam nicht aus dem Nichts. Bevor Putin 2021 aufschrieb, was er von der Ukraine hält, hatte er zweimal ausprobiert, was sich der Westen gefallen lässt. Beide Tests sind für Moskau gut ausgegangen.
Im August 2008 führte Russland Krieg gegen Georgien. Es stimmte dem Sechs-Punkte-Plan zu, den Frankreichs Präsident Sarkozy vermittelt hatte, zog sich aber nicht auf die Vorkriegspositionen zurück und erkannte nach weniger als zwei Wochen Abchasien und Südossetien als unabhängige Staaten an (Atlantic Council). Einen spürbaren Preis zahlte Moskau dafür nicht.
Nach der Annexion der Krim 2014 wurde Russland aus der G8 ausgeschlossen (Lowy Institute), und der Westen verhängte Sanktionen. Was sie gebracht haben, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung 2024 nachgerechnet: Der reale Konsum in Russland sank um 1,4 Prozent, das Potenzial der Sanktionen sei bei Weitem nicht ausgeschöpft worden (DIW). Wirkungslos waren sie also nicht, aber sie waren zu schwach, um abzuschrecken. Gleichzeitig ging das Geschäft weiter: 2015, nur Monate nach der Annexion, fiel die Entscheidung für den Bau von Nord Stream 2 (Tagesspiegel Background). Deutschland machte sich abhängiger von russischem Gas, nicht unabhängiger.
Moskau hat daraus seine Schlüsse gezogen und vorgesorgt. Am 18. Februar 2022, sechs Tage vor dem Einmarsch, erreichten die Währungs- und Goldreserven der russischen Zentralbank mit 643,2 Milliarden US-Dollar einen Rekord (Business Insider). Gold machte damals 21 Prozent davon aus. Nach dem Angriff fror der Westen rund 300 Milliarden Dollar ein (UNN), das Gold aber blieb verfügbar und hat seinen Wert seitdem mehr als verdoppelt: Ende 2025 lagen die Reserven bei 755 Milliarden Dollar, davon 326,5 Milliarden in Gold (Bloomberg via Mining.com).
Ich lese das heute so: Der Angriff von 2022 war kein Ausrutscher, sondern der dritte Schritt nach zwei bestandenen Tests. Der Essay lieferte die Begründung, die Reserven die finanzielle Vorbereitung.
Vom Text zum Krieg: Wie der Essay zur Kriegsbegründung wurde
Ein Manifest ist ein Text, der ankündigt, was der Verfasser vorhat. Ob Putins Essay das war, lässt sich an seinen eigenen Reden messen.
Wenige Tage nach der Veröffentlichung meldete das russische Wirtschaftsmedium RBC, Verteidigungsminister Schoigu habe den Essay zum Pflichtstoff der militärpolitischen Ausbildung gemacht. Berichtet haben das Meduza und die Moscow Times. Beide stützen sich aber auf dieselbe anonyme Quelle, eine offizielle Bestätigung gibt es nicht. Ich führe das deshalb als unbestätigt.
Belegt ist dagegen, was folgte. In seiner Rede vom 21. Februar 2022, mit der er die „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk anerkannte, sprach Putin von „Lenins Ukraine“ und drohte der Ukraine mit „Dekommunisierung“. Drei Tage später, am 24. Februar, verkündete er in der Kriegsansprache die „militärische Spezialoperation“ mit dem Ziel, die Ukraine zu „entmilitarisieren und zu entnazifizieren“. Das Wort „Anti-Russland“ aus dem Essay tauchte wieder auf. Am 30. September 2022 folgte die Annexion von Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson, die Russland damals nicht einmal vollständig kontrollierte. Putin sprach laut Al Jazeera vom Kampf für das „große historische Russland“.
Danach wurde die Ideologie institutionell abgesichert. Im September 2022 unterzeichnete Putin ein Konzept zur „humanitären Politik“ im Ausland, das auf der Idee der „Russischen Welt“ aufbaut (CSIS). Das außenpolitische Konzept vom 31. März 2023 beschreibt Russland laut TASS als „Staat-Zivilisation“ und Kern der Russischen Welt. Seit dem 1. September 2023 lernen russische Schüler der Klassen 10 und 11 mit dem neuen Geschichtsbuch von Medinski und Torkunow, das ein eigenes Kapitel zur „Spezialoperation“ enthält (Meduza). Im März 2024 erklärte das Weltkonzil des Russischen Volkes unter Vorsitz von Patriarch Kyrill den Krieg zum „Heiligen Krieg“, die ganze Ukraine solle in Russlands exklusive Einflusszone fallen (OSW).
Im Februar 2024 hielt Putin im Interview mit Tucker Carlson einen rund halbstündigen Geschichtsvortrag, der in weiten Teilen den Essay nacherzählte, von Rurik bis zur angeblich von Österreich „erfundenen“ Ukraine (Al Jazeera). Der Historiker Radchenko nannte Putins Datierung russischer Staatlichkeit laut BBC eine vollständige Unwahrheit.
Am deutlichsten wurde Putin am 20. Juni 2025 auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Auf die Frage, wie weit die russische Armee vorrücken könne, sagte er laut Meduza, Russen und Ukrainer seien ein Volk, und in diesem Sinne sei die ganze Ukraine „unser“. Dazu zitierte er eine „alte Regel“: Wo der russische Soldat seinen Fuß hinsetzt, das gehöre Russland. Die Einnahme von Sumy, einer Großstadt außerhalb der annektierten Gebiete, schloss er nicht aus. Reuters berichtete dasselbe. Was danach kam, habe ich im September 2025 unter „Putins neue Strategie“ kommentiert. Mit Abstand betrachtet ist der Satz von St. Petersburg der kürzeste Kommentar zum Essay, den es gibt. Er stammt vom Autor selbst.
Der Krieg seit 2022: Verlauf und belegte Zahlen
Ich fasse den Kriegsverlauf hier knapp zusammen, weil er für die Bewertung des Essays wichtig ist, aber nicht dessen Thema.
Der Angriff auf Kyjiw scheiterte. Anfang April 2022 zogen sich die russischen Truppen aus dem Norden zurück, und in Butscha dokumentierte die UN-Menschenrechtsmission später 73 getötete Zivilisten. In den Regionen Kyjiw, Tschernihiw und Sumy waren es mindestens 441 (OHCHR-Bericht vom Dezember 2022, via Reuters). Im Herbst 2022 eroberte die Ukraine große Teile der Gebiete Charkiw und Cherson zurück, am 11. November zogen ukrainische Truppen in Cherson ein. Danach erstarrte die Front. Bachmut fiel im Mai 2023, der Kachowka-Staudamm wurde am 6. Juni 2023 zerstört, die ukrainische Gegenoffensive 2023 brachte kaum Geländegewinne. Russland nahm im Februar 2024 Awdijiwka ein, die Ukraine stieß im August 2024 in die russische Region Kursk vor, die Russland nach eigenen Angaben im April 2025 mit Hilfe nordkoreanischer Truppen vollständig zurückeroberte (Al Jazeera; chronologisch zusammengefasst bei PBS).

Die Grafik zeigt, wie wenig sich seit Ende 2022 bewegt hat. Vor dem 24. Februar 2022 kontrollierte Russland nach Daten des ukrainischen Kartenprojekts DeepState rund 43.400 Quadratkilometer, also etwa 7,2 Prozent der Ukraine, die Krim und Teile des Donbas. Im März 2022 waren es 21,3 Prozent. Seitdem pendelt der Wert zwischen 18 und gut 19 Prozent (Slovo i Dilo, April 2026). Ende 2025 waren es 116.165 Quadratkilometer oder 19,25 Prozent (Ukrainska Pravda). Für April 2026 meldete das ISW erstmals seit August 2024 einen Netto-Gebietsverlust Russlands (UNN). Für Oktober 2026 widersprechen sich die Angaben: Die Ukraine meldet kleine Gewinne, DeepState kleine russische Gewinne. Einig sind sich alle, dass sich die Front kaum noch bewegt.
Diese Kurve ist der eigentliche Befund für den Essay. Ein Volk, das „eigentlich russisch“ ist, hätte man nach Putins Logik in Tagen gewinnen müssen. Stattdessen hat Russland seit Ende 2022 gut einen Prozentpunkt der ukrainischen Fläche hinzugewonnen, zu einem enormen Preis.
Der Preis: zivile und militärische Opfer

Die UN-Menschenrechtsmission in der Ukraine hat bis zu ihrem Halbjahresbericht vom 14. Juli 2026 mindestens 16.431 getötete Zivilisten verifiziert, darunter 803 Kinder, dazu 48.613 Verletzte. Das sind Mindestzahlen, jeder Fall ist einzeln geprüft. Der Trend geht nach oben: Im ersten Halbjahr 2026 starben 1.396 Zivilisten, 37 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Schon das Jahr 2025 lag mit mindestens 2.514 Toten 31 Prozent über 2024 (Moscow Times).
Bei den militärischen Verlusten gibt es keine verlässlichen Zählungen, nur Schätzungen. Das unabhängige russische Medium Mediazona hat zusammen mit BBC Russisch bis zum 23. Oktober 2026 genau 282.993 gefallene russische Soldaten namentlich identifiziert (Kyiv Independent). Das CSIS in Washington schätzte im Juli 2026 die russischen Verluste auf rund 1,4 Millionen Tote und Verwundete, davon 400.000 bis 450.000 Tote, und die ukrainischen auf 525.000 bis 625.000, davon 125.000 bis 150.000 Tote (The Defense Post). Selenskyj nannte im Februar 2026 offiziell 55.000 gefallene ukrainische Soldaten und viele Vermisste (Kyiv Independent). Diese Zahl liegt weit unter der CSIS-Schätzung, und ich halte sie für zu niedrig.
Dazu kommt die Flucht. Laut UNHCR lebten Ende April 2026 rund 5,76 Millionen Geflüchtete aus der Ukraine im Ausland, davon 1,28 Millionen in Deutschland (Interfax-Ukraine). Das Ausländerzentralregister zählt etwas anders und kam Ende Mai 2026 auf 1.423.278 ukrainische Staatsangehörige in Deutschland (Nordkurier).
Und dann sind da die Kinder. Die ukrainische Datenbank „Children of War“ führt mindestens 20.000 Fälle von Kindern, die nach Russland oder in besetzte Gebiete verbracht wurden, über 2.100 sind zurückgekehrt (Kyiv Independent). Das Humanitarian Research Lab der Universität Yale geht von wahrscheinlich rund 35.000 aus (Euronews). Wegen genau dieser Deportationen erließ der Internationale Strafgerichtshof am 17. März 2023 Haftbefehl gegen Putin und seine Kinderrechtsbeauftragte Lwowa-Belowa (Wortlaut der IStGH-Mitteilung bei Lawfare). Wer Kinder aus einem anderen Volk in das eigene „zurückholt“, handelt folgerichtig, wenn er glaubt, es gebe dieses andere Volk gar nicht. Hier wird die Ideologie des Essays besonders konkret.
Völkerrechtlich ist die Lage eindeutig
Die UN-Generalversammlung verurteilte den Angriff am 2. März 2022 mit 141 zu 5 Stimmen bei 35 Enthaltungen (UN Press), die Annexion am 12. Oktober 2022 mit 143 zu 5 bei 35 Enthaltungen (UN Press). Der Internationale Gerichtshof ordnete am 16. März 2022 mit 13 zu 2 Stimmen an, dass Russland die Militäroperationen sofort einstellen muss (IGH). Russland hat das ignoriert. Am 25. Juni 2025 unterzeichneten der Europarat und die Ukraine ein Abkommen über ein Sondertribunal für das Verbrechen der Aggression. Wie weit dessen Aufbau inzwischen ist, konnte ich nicht belastbar klären.
Ukrainische Identität: Die Ukrainer haben dem Essay widersprochen
Für mich ist das der wichtigste Teil dieses Updates. Der Essay behauptet etwas über die Menschen in der Ukraine. Man kann sie fragen.

Die ukrainische Rating Group stellte die Frage direkt nach dem Essay. Im Juli 2021 stimmten 41 Prozent der Aussage zu, Russen und Ukrainer seien ein Volk, 55 Prozent lehnten sie ab (Kyiv Post). Im März 2022 waren es noch 21 Prozent, Anfang April 2022 nur noch 8 Prozent, 91 Prozent lehnten ab (Rating Group). Putins Krieg hat seine eigene These in sechs Wochen widerlegt. Einen neueren Wert zu genau dieser Frage habe ich nicht gefunden, vermutlich weil sie niemand mehr stellt. Im Juli 2025 sagten 95 Prozent, sie würden heute für die Unabhängigkeit stimmen. 2012 waren es 62 Prozent (Rating Group).

Die lange Zeitreihe des Kyiver Internationalen Instituts für Soziologie (KIIS) zeigt, dass das Verhältnis schon vor 2022 schwankte, aber nie zerbrochen war. Im Februar 2014 hatten 78 Prozent der Ukrainer eine gute Haltung gegenüber Russland, nach Krim und Donbas fiel der Wert 2015 auf 30 Prozent, 2018 lag er wieder bei 48 Prozent (Moscow Times; Zeitreihe bei Komersant). Im Mai 2022 waren es 2 Prozent (Rubryka), im Herbst 2024 3 Prozent (Ukrainska Pravda).
Ein Detail aus der Mai-Umfrage 2022 finde ich besonders aufschlussreich. Im Süden und Osten der Ukraine, also genau in den Regionen, die Putin als „historisch russisch“ beansprucht, hatten im Februar 2022 noch 45 beziehungsweise 53 Prozent eine gute Haltung zu Russland. Drei Monate später hatten dort 90 beziehungsweise 85 Prozent eine schlechte. Der Krieg hat ausgerechnet die Menschen am stärksten gegen Russland gewendet, die er zu „befreien“ vorgab.
Ein methodischer Hinweis gehört dazu: Seit 2022 sind diese Umfragen Telefonbefragungen in den regierungskontrollierten Gebieten. Menschen unter Besatzung und Geflüchtete im Ausland werden nicht erfasst, und KIIS weist selbst auf zusätzliche Verzerrungen unter Kriegsbedingungen hin. Die Richtung der Daten ist trotzdem eindeutig und durch mehrere Institute bestätigt.
Sprache und Kirche: die stille Abwendung
Zwei Bereiche, auf die der Essay ausdrücklich abstellt, haben sich besonders stark verändert. Laut KIIS sprachen 2020 rund 52 Prozent der Ukrainer zu Hause überwiegend Ukrainisch, Anfang 2025 waren es 63 Prozent (Ukranews). Viele, die Russisch als Muttersprache haben, sind umgestiegen. Niemand hat sie dazu gezwungen. Der russische Angriff war Grund genug.
Bei der Kirche ist der Wandel noch deutlicher. 2021 rechneten sich laut KIIS 18 Prozent der Ukrainer der Ukrainischen Orthodoxen Kirche zu, die historisch dem Moskauer Patriarchat unterstand, 2025 waren es 3 Prozent. Die eigenständige Orthodoxe Kirche der Ukraine kam 2025 auf 50 Prozent (RISU). Am 20. August 2024 beschloss das ukrainische Parlament mit 265 Stimmen ein Gesetz, das Religionsgemeinschaften mit Verbindungen zur Russisch-Orthodoxen Kirche verbieten kann, allerdings nur per Gerichtsentscheid und nach einer Frist von neun Monaten (Euromaidan Press). Kritiker sehen darin einen Eingriff in die Religionsfreiheit. Nach dem, was Kyrill im März 2024 als „Heiligen Krieg“ ausgerufen hat, kann ich die Entscheidung nachvollziehen, auch wenn sie sorgfältige Gerichtsverfahren braucht. Die Verfahren laufen noch.
Kompromissbereitschaft ist nicht Zustimmung
Ein Wert hat sich in die andere Richtung bewegt, und er gehört ehrlich dazu. Im Mai 2023 lehnten 84 Prozent der Ukrainer laut KIIS jede territoriale Konzession ab, im Oktober 2025 waren es 54 Prozent, 38 Prozent waren zu Zugeständnissen bereit (LIGA.net). Bei der konkreten Frage, ob die Ukraine für Sicherheitsgarantien den restlichen Donbas abgeben solle, sagten im April 2026 57 Prozent nein und 36 Prozent ja (KIIS). Das ist Kriegsmüdigkeit, keine Annäherung an Russland. Wer bereit ist, Land abzugeben, um nicht mehr beschossen zu werden, hält Russen und Ukrainer deshalb nicht für ein Volk.
Russland nach fast fünf Jahren Krieg
Der Essay hat auch Russland selbst verändert, oder genauer: der Krieg, den er begründet hat. Das Land ist heute repressiver und abhängiger von wenigen Partnern als 2021, und seine Wirtschaft stagniert.
Am 4. März 2022 beschloss die Duma Gesetze, die „Falschinformationen“ über die Armee mit bis zu 15 Jahren Haft bestrafen (RFE/RL). Die Menschenrechtsorganisation Memorial zählt seit 2022 mindestens 4.029 politisch motivierte Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Krieg, ohne einen einzigen Freispruch (Memorial, Februar 2026). Der Oppositionspolitiker Nawalny starb am 16. Februar 2024 in einer Strafkolonie im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen (Al Jazeera).
Wirtschaftlich hat der Krieg Russland zunächst ein Strohfeuer beschert und dann gebremst. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI beziffert die russischen Militärausgaben 2025 auf rund 190 Milliarden US-Dollar oder 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, die Ukraine gibt 40 Prozent ihres BIP für Verteidigung aus (SIPRI). Das russische Wachstum fiel laut Rosstat von 4,9 Prozent 2024 auf 1,0 Prozent 2025 (Interfax), im ersten Quartal 2026 schrumpfte die Wirtschaft um 0,2 Prozent (Meduza). Der Leitzins lag im Oktober 2024 auf dem Rekord von 21 Prozent und steht heute bei 14 Prozent (TASS). Für 2026 plant der Haushalt erstmals eine reale Kürzung der Militärausgaben um 13 Prozent (SIPRI). Das ist Stagnation, aber kein Zusammenbruch. Wer auf einen wirtschaftlichen Kollaps Russlands setzt, setzt auf etwas, das die Daten nicht hergeben.
Die russische Bevölkerung trägt den Krieg mit, aber zunehmend müde. Im Oktober 2026 unterstützten laut Lewada-Zentrum 69 Prozent die Armee, 65 Prozent wünschten sich Friedensverhandlungen, nur 26 Prozent wollten weiterkämpfen (Lewada). Im September 2022 standen Verhandlungen und Weiterkämpfen noch bei 48 zu 44 Prozent (Lewada). Umfragen in einem Land, in dem Kritik am Krieg strafbar ist, sind mit Vorsicht zu lesen. Die Unterstützung dürfte eher überschätzt sein.
Und Russland ist abhängiger geworden. Nordkorea schloss im Juni 2024 einen Beistandsvertrag mit Moskau (NPR) und schickte Soldaten, die Russland im April 2025 offiziell bestätigte. Iranische Shahed-Drohnen werden als Geran-2 in Russland nachgebaut (ISIS). China liefert nach Bloomberg-Recherchen inzwischen rund 90 Prozent der sanktionierten Technologieimporte (Moscow Times), offiziell bestätigt ist das nicht. Das „große historische Russland“, von dem Putin 2022 sprach, kauft seine Kriegsfähigkeit heute in Pjöngjang und Peking ein.
Bleiben die BRICS-Staaten. Russland gehört zu den Gründern der Gruppe und richtete im Oktober 2024 den Gipfel in Kasan aus, auf dem 13 Länder, darunter Belarus, den neuen Status als Partnerland erhielten (Daily Maverick). Ein geschlossener Block hinter Moskau ist das nicht: Brasilien verhinderte laut Daily Maverick die Aufnahme Venezuelas, Indien fürchtete eine zu starke Ausrichtung auf China und Russland. Aus der G20 ist übrigens keiner der BRICS-Staaten ausgeschlossen worden, alle fünf Gründungsmitglieder gehören ihr weiter an (IPS). Ausgeschlossen wurde 2014 nur Russland, und zwar aus der G8.
Ist Putin angeschlagen?
Militärisch und wirtschaftlich ja, politisch noch nicht. Die ukrainische Strategie, den Krieg in die Tiefe Russlands zu tragen und vor allem Treibstoff und Nachschub zu treffen, wirkt. Ende August 2026 war nach Berechnungen von S&P Global fast die Hälfte der russischen Primär-Raffineriekapazität durch Drohnenangriffe außer Betrieb, Putin selbst bezifferte den Schaden am 1. Oktober auf etwa ein Prozent des BIP (S&P Global). Russland verbietet seit April den Export von Benzin und schränkt den von Diesel ein, auch wenn der Kreml beteuert, die Versorgung im Inland sei gesichert. Allein zwischen dem 30. Oktober und dem 5. November trafen ukrainische Drohnen acht Raffinerien (Al Jazeera). An der Front kam Russland laut ISW von Januar bis Oktober 2026 auf gut 117 Quadratkilometer Geländegewinn, nach 5.304 im ganzen Jahr 2025.
Dazu kommt das Personalproblem. Im ersten Quartal 2026 zahlte der Staat Antrittsprämien an 71.200 neue Vertragssoldaten, so wenige wie seit drei Jahren nicht, obwohl die Regionen die Prämien immer weiter erhöhen (Novaya Gazeta Europe). Eine neue Mobilmachung scheut der Kreml, weil er die politischen Folgen fürchtet, gerade in Moskau und St. Petersburg (Kyiv Independent). Am Ende ist das System aber noch nicht: Das Rechercheportal IStories schätzt laut Moscow Times rund 9.000 Gefallene pro Monat bei etwa 30.000 neuen Rekruten. Russland kann seine Verluste derzeit noch ersetzen. Dass der Kreml dafür Hunderttausende tote Söhne und Väter in Kauf nimmt, sagt alles über den Wert, den er ihnen beimisst.
Gerüchte über Doppelgänger, die Putin seit 2022 bei Auftritten vertreten sollen, halte ich nicht für einen brauchbaren Indikator. Belege dafür gibt es keine, und der viel zitierte lange Tisch, an dem Putin im Februar 2022 Macron empfing, hatte laut Kreml mit einem verweigerten Covid-Test zu tun (RFE/RL). Für die Bewertung reichen die harten Zahlen.
Was mich mehr beschäftigt, ist die Frage, was ein angeschlagener Putin tut. Im November 2024 senkte Russland in seiner Nukleardoktrin die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen und bezog Belarus ausdrücklich ein (Carnegie). Das polnische Institut PISM sah darin vor allem einen Einschüchterungsversuch und keine gestiegene Einsatzgefahr (PISM). Für die Gegenwart teile ich diese Einschätzung. Aber ein Machthaber, der einen Krieg zu verlieren droht und dessen Bevölkerung die Toten immer deutlicher vermisst, wird unberechenbarer. Vor einem verwundeten Tier, das in die Enge getrieben wird, sollte man Respekt haben. Panik hilft dagegen nicht.
Belarus: das dritte „Volk“ im Essay
Belarus hat Putin im Essay mit eingemeindet, und Belarus ist ihm gefolgt, allerdings nicht freiwillig im Sinne einer Bevölkerungsentscheidung, sondern über Lukaschenko. Im Februar 2022 marschierten russische Truppen über belarussisches Gebiet auf Kyjiw. Am 6. Dezember 2024 unterzeichneten beide Staaten einen Sicherheitsvertrag, der den Einsatz russischer Atomwaffen zum Schutz von Belarus einschließt (AP). Seit Dezember 2025 steht laut Lukaschenko die Mittelstreckenrakete Oreschnik in Belarus (Euronews). Was mit der Ukraine nicht funktioniert hat, funktioniert mit Belarus schrittweise. Dazu passt, dass ich 2022 auch eine Rede Lukaschenkos übersetzt habe.
Diplomatie: Vom Istanbul-Entwurf bis Abu Dhabi
Die Gegenposition: Hätte es 2022 Frieden geben können?
Wer den Krieg vor allem als Folge westlicher Fehler sieht, verweist auf die Verhandlungen in Istanbul im Frühjahr 2022. Die Argumentation verdient eine faire Darstellung. Laut der gründlichsten Rekonstruktion, die ich kenne, von Charap und Radchenko in Foreign Affairs, sah ein Vertragsentwurf vom 15. April 2022 eine dauerhaft neutrale, atomwaffenfreie Ukraine ohne NATO-Mitgliedschaft vor, mit internationalen Garantiemächten und einer späteren Lösung der Krim-Frage. Der Leiter der ukrainischen Delegation, David Arachamija, sagte im November 2023, der Krieg hätte im Frühjahr 2022 enden können, und Boris Johnson habe geraten, nicht zu unterschreiben (Daily Sabah). Russland beruft sich bis heute darauf, man müsse die „Ursachen“ des Konflikts beseitigen, gemeint sind vor allem die NATO-Osterweiterung und die angebliche Diskriminierung Russischsprachiger (ISW zu Lawrow, August 2025).
Die Gegenbelege sind stärker. Arachamija nannte in demselben Interview selbst zwei weitere Gründe: Die ukrainische Verfassung hätte geändert werden müssen, und man habe Russland nicht vertraut. Johnson bestreitet den Vorwurf (bne IntelliNews). Charap und Radchenko, die beide nicht im Verdacht stehen, Falken zu sein, weisen die These zurück, der Westen habe Kyjiw aus den Gesprächen gedrängt. Sie benennen offene Streitpunkte: Russland wollte ein Vetorecht über die Hilfe der Garantiemächte und eine ukrainische Armee von 85.000 Soldaten, Kyjiw bot 250.000 an. Ein Vertrag, in dem Russland über den Schutz der Ukraine mitentscheidet und ihre Armee auf ein Drittel schrumpft, hätte die Ukraine dem Essay ausgeliefert.
Das Hauptargument gegen die reine Sicherheitsthese liefert aber Putin selbst. Ein Staat, dem es nur um die NATO geht, braucht keinen Aufsatz über Kiewer Rus und Lenin, keine Schulbücher zum „Heiligen Krieg“ und keine Kinderdeportationen. Und er sagt nicht, die ganze Ukraine sei „unser“. Sicherheitsinteressen spielen für Moskau eine Rolle, das bestreite ich nicht. Sie erklären aber nicht, warum Russland mehr verlangt, als es militärisch hält.
Trump, Alaska und die Pläne von 2025 und 2026
Mit dem Amtsantritt von Donald Trump änderte sich die Diplomatie grundlegend. Nach dem Eklat im Oval Office am 28. Februar 2025 unterzeichneten die USA und die Ukraine im April ein Rohstoffabkommen (Euronews). Direkte Gespräche zwischen Russland und der Ukraine in Istanbul im Mai und Juni 2025 brachten Gefangenenaustausche, aber keinen Waffenstillstand. Russland legte ein Memorandum vor, das den Rückzug der Ukraine aus vier Regionen, Neutralität, eine Truppenobergrenze und Russisch als Amtssprache verlangte (Al Jazeera). Der Gipfel von Trump und Putin in Alaska am 15. August 2025 endete ohne Waffenstillstand (NPR).
Im November 2025 tauchte ein 28-Punkte-Plan auf, der Krim, Donezk und Luhansk de facto als russisch anerkannt hätte (CBS News). Nach Verhandlungen in Genf blieb davon eine kürzere Fassung, im Dezember 2025 legten Kyjiw und Washington einen 20-Punkte-Plan vor, der die aktuelle Frontlinie als Kontaktlinie und Sicherheitsgarantien „analog zu Artikel 5“ vorsieht (Moscow Times). Am 6. Januar 2026 folgte die Pariser Erklärung der „Koalition der Willigen“ mit einer europäisch geführten Truppe für die Zeit nach einem Waffenstillstand. Eine US-Beistandszusage, die im Entwurf stand, fehlt in der Endfassung (NV). Ich habe die Strategie hinter Trumps Ansatz im Januar in „Trumps Friedensgremium“ beschrieben.
Russland hat sich davon nicht bewegt. Kremlsprecher Peskow sagte im Mai 2026, ein Waffenstillstand sei erst möglich, wenn die Ukraine sich ganz aus dem Donbas sowie aus Saporischschja und Cherson zurückgezogen habe (Euromaidan Press). Das sind Gebiete, die Russland militärisch nicht erobert hat, darunter die Großstädte Saporischschja und Cherson.
Herbst 2026: Sanktionen, Diesel und eine Waffenruhe von vier Tagen
Die vergangenen Wochen habe ich hier ausführlich kommentiert, deshalb nur die Eckpunkte. Am 18. September 2026 unterzeichnete Trump den Graham-Sanktionsakt mit Zöllen von bis zu 500 Prozent auf russische Waren (Baker McKenzie). Am 9. Oktober folgte der Diesel-Deal mit Putin, am 11. Oktober eine „Energie-Waffenruhe“, die Selenskyj am 15. Oktober für beendet erklärte (Oman Observer). Am 16. Oktober setzte Trump die Sanktionen des Graham-Akts zwei Tage vor ihrem Inkrafttreten wieder aus (RFE/RL). Meine Einordnung dazu steht in „Roter Bär, jetzt Teddybär“.
Seit dem 27. Oktober gilt eine lokale Feuerpause im Ort Oleschky für Hilfslieferungen und Evakuierungen, für den 10. und 11. November sind neue Gespräche in Abu Dhabi angekündigt (RFE/RL). Der Kreml betont, das bedeute keine Bereitschaft zu einem allgemeinen Waffenstillstand. Gleichzeitig tötete ein russischer Angriff auf eine Schule in Saporischschja am 2. November mindestens 31 Menschen. Dann kamen die US-Zwischenwahlen am 3. November. Die Demokraten haben nach den Projektionen aller großen US-Sender beide Kammern gewonnen, im Senat mindestens 54 Sitze (CBS News). Trump hat das Ergebnis anerkannt (CNBC). Ab Januar 2027 kann der Kongress untersuchen, Gesetze blockieren und Druck auf die Russlandpolitik ausüben, Trumps Veto bleibt aber eine Grenze (RFE/RL). Für Putin wird es damit schwerer, auf Washington als stillen Verbündeten zu setzen, und umso wichtiger werden ihm Peking und Pjöngjang.
Wie weit Trump die Republikaner beim Thema Russland verschoben hat, zeigt das Pew Research Center. Im März 2025 sah nur noch die Hälfte der Amerikaner Russland als Feind, nach 61 Prozent im Jahr 2024 und 70 Prozent im März 2022, und der Rückgang ging vor allem auf die Republikaner zurück (The Independent via inkl). Für die Partei, die im Kalten Krieg die schärfsten Russland-Falken stellte, ist das ein Bruch. Zu Putin-Freunden sind die Republikaner deshalb nicht geworden: Auch unter ihnen überwiegt laut Pew das negative Bild von Russland und Putin klar, und den Graham-Sanktionsakt hat der republikanisch geführte Kongress selbst verabschiedet.
Europa hat in dieser Zeit mehr getan, als es nach außen wirkt. Die EU hat die russischen Zentralbankvermögen unbefristet eingefroren und der Ukraine statt des gescheiterten Reparationsdarlehens einen zinslosen Kredit über 90 Milliarden Euro für 2026 und 2027 gegeben (Brussels Times). Die Beitrittsverhandlungen laufen, seit Juni 2026 sind die ersten Verhandlungscluster geöffnet (Rat der EU). In Ungarn hat Péter Magyar im April 2026 die Wahl gegen Orbán gewonnen (RFE/RL), was die größte Blockade in der EU gelockert hat. Laut Kiel Institut hat Europa 2025 den Rückzug der USA aus der Ukraine-Hilfe weitgehend ausgeglichen, Deutschland war mit rund 9 Milliarden Euro größter Geber von Militärhilfe (Euronews).
Hybrider Krieg und Cyberangriffe: Der Essay hat auch Europa gemeint
Wer den Essay liest, findet darin vor allem die Ukraine. Wer die Jahre danach betrachtet, sieht, dass der Westen als Hintermann des „Anti-Russland-Projekts“ von Anfang an mitgemeint war. Für einen IT-Sicherheitsblog ist das der Teil, der uns am direktesten betrifft.
Der erste Schlag fiel etwa eine Stunde vor dem Einmarsch. Am 24. Februar 2022 löschte die Schadsoftware AcidRain Tausende Satellitenmodems im Netz von Viasat KA-SAT. In Deutschland verloren dadurch rund 5.800 Windkraftanlagen von Enercon die Fernüberwachung, sie liefen aber im Automatikbetrieb weiter (Euronews). Die EU und Großbritannien schrieben den Angriff am 10. Mai 2022 Russland zu (BleepingComputer). Im April 2022 wehrten die ukrainische CERT-UA und ESET den Versuch ab, mit der Schadsoftware Industroyer2 Umspannwerke abzuschalten (ESET). Im Dezember 2023 legte die GRU-Einheit Sandworm den größten ukrainischen Mobilfunker Kyivstar lahm, laut Mutterkonzern VEON mit rund 93 Millionen Dollar Schaden (Kyiv Independent).
Danach verlagerte sich der Druck auf Europa. Das Auswärtige Amt deckte Anfang 2024 die Kampagne „Doppelgänger“ mit über 50.000 gefälschten Profilen auf X auf (Horizont/dpa). Im Dezember 2025 bestellte die Bundesregierung den russischen Botschafter ein und schrieb dem Militärgeheimdienst GRU den Hackerangriff auf die Deutsche Flugsicherung vom August 2024 und die Desinformationskampagne Storm-1516 gegen die Bundestagswahl zu (Tagesspiegel). Brandsätze in DHL-Paketen, darunter in Leipzig-Halle, werden von mehreren europäischen Sicherheitsbehörden dem GRU zugerechnet (CargoForwarder Global). Am 10. September 2025 drangen 21 Drohnen in den polnischen Luftraum ein, mehrere wurden abgeschossen (Arms Control Association). Der BSI-Lagebericht 2025 verzeichnet stark zunehmende Angriffe staatlich gelenkter Gruppen, Russland gehört zu den Hauptherkunftsländern (ZDFheute).
Ein Wort zur Vorsicht: Nicht alles, was in Deutschland ausfällt, ist russische Sabotage. Die Bahnsabotage vom Oktober 2022, als durchtrennte Kabel den Zugfunk in Norddeutschland stundenlang lahmlegten, wurde schnell Russland zugeschrieben. Die Bundesanwaltschaft fand dafür keine Hinweise, die Ermittler verdächtigten später Kupferdiebe. Auch bei den Drohnen über dem Flughafen München im Oktober 2025 ist der Urheber nicht festgestellt. Wer jede Störung reflexhaft dem Kreml zuschreibt, macht dessen Arbeit leichter, nicht schwerer. Wie Deutschland darauf mit Regulierung reagiert, habe ich gerade erst bei der Sabotageschutzverordnung kommentiert.
Deutschland hat reagiert, langsamer als nötig, aber spürbar. Auf die Zeitenwende-Rede vom 27. Februar 2022 mit dem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro folgte im März 2025 eine Grundgesetzänderung, die Verteidigungsausgaben über 1 Prozent des BIP von der Schuldenbremse ausnimmt, ausdrücklich auch für Cybersicherheit und Zivilschutz (bpb). Seit dem 1. Januar 2026 gilt das neue Wehrdienstgesetz mit verpflichtender Musterung ab Jahrgang 2008.
Bestätigt sich die Einordnung als Manifest?
Jetzt zur eigentlichen Frage. Ich trenne dabei Absicht und Annahme, weil der Essay in beiden Punkten unterschiedlich gut abschneidet.
In seiner Absicht hat sich der Essay vollständig bestätigt. Die Leugnung einer eigenständigen ukrainischen Nation, die Lenin-These, das „Anti-Russland“, die Forderung nach einer Ukraine, die nur mit Moskau souverän sein darf: All das kehrte in den Reden von 2022 wieder, wurde in Schulbüchern, Doktrinen und Kirchenbeschlüssen festgeschrieben und 2025 von Putin mit dem Satz von der ganzen Ukraine als „unser“ auf den Punkt gebracht. Kappeler sagte 2023 bei t-online, der Essay fasse Putins Sicht ziemlich präzise zusammen. Dem habe ich nach vier Jahren nichts hinzuzufügen. Das Wort „Manifest“ war richtig.
In seiner Annahme ist der Essay gescheitert. Er setzte voraus, dass die Ukrainer im Kern Russen sind, die nur von außen gegen Russland aufgebracht wurden. Wäre das wahr gewesen, hätte der Angriff vom Februar 2022 in Kyjiw mit Blumen enden müssen. Er endete mit dem Rückzug aus dem Norden, mit 8 Prozent Zustimmung zur „Ein Volk“-These, mit einem Sprachwechsel ohne Zwang und mit einer Kirche, aus der die Gläubigen weggegangen sind. Der Essay hat die ukrainische Nation nicht beschrieben. Er hat sie, unfreiwillig, gestärkt.
Was würde ich am Beitrag von 2022 heute anders machen? Drei Dinge. Erstens eine kurze Einordnung voranstellen, wer den Text geschrieben hat und wozu, mit einem Verweis auf die historische Kritik. Zweitens den Hinweis auf Belarus deutlicher machen: Der Essay spricht von einem „dreieinigen“ Volk, und das ist für Minsk mindestens so wichtig wie für Kyjiw. Drittens den letzten Satz des Essays nicht unkommentiert stehen lassen. Die Formel, die Ukrainer entschieden selbst, gilt nach Putins Logik nur, solange sie sich für Russland entscheiden.
Was in den nächsten zwei bis fünf Jahren zu erwarten ist
Ab hier wird es Prognose, und ich kennzeichne sie so. Ich stütze mich auf veröffentlichte Einschätzungen von Geheimdiensten und Forschungsinstituten und sage dazu, wo ich selbst gewichte.
Die Fachleute, die Radio Free Europe im Januar 2026 befragt hat, erwarten keinen dauerhaften Frieden in naher Zukunft. In dieser Umfrage von RFE/RL nannte Massicot von der Carnegie-Stiftung das Weiterkämpfen „Putins Standardposition“. Oliker von der International Crisis Group hielt einen dauerhaften Frieden 2026 für unwahrscheinlich und warnte, ein von den USA erzwungener Diktatfrieden käme einer Kapitulation gleich. Deyermond vom King’s College rechnete im Fall einer Waffenruhe mit einem „vorübergehend eingefrorenen“ Konflikt.
Ich sehe drei realistische Pfade bis etwa 2030. Der erste, aus meiner Sicht wahrscheinlichste: ein Waffenstillstand entlang der heutigen Frontlinie, ohne Friedensvertrag, mit europäischen Sicherheitszusagen nach dem Modell der Pariser Erklärung. Russland würde rund ein Fünftel der Ukraine halten, ohne dass die Welt das anerkennt, so wie bei Georgien nach 2008. Der zweite: ein Abnutzungskrieg, der 2027 und darüber hinaus weitergeht, weil Moskau auf seinen Maximalforderungen besteht und die Front sich kaum bewegt. Der dritte, gefährlichste: ein Abkommen zu russischen Bedingungen, also mit dem Abzug der Ukraine aus Gebieten, die Russland nicht erobert hat, durchgesetzt durch Druck aus Washington.
Der dritte Pfad ist der, vor dem die europäischen Nachrichtendienste am deutlichsten warnen. Der dänische Militärgeheimdienst FE schätzte im Februar 2025, Russland könne sechs Monate nach Kriegsende einen lokalen Krieg gegen ein Nachbarland führen, nach zwei Jahren das Baltikum glaubwürdig bedrohen und nach fünf Jahren einen großen Krieg in Europa beginnen, falls die USA sich heraushalten und Europa nicht nachrüstet (Euromaidan Press). Der niederländische Dienst MIVD hält einen regionalen Konflikt unter für Moskau günstigsten Bedingungen binnen eines Jahres nach Kriegsende für möglich, solange Russland in der Ukraine kämpft aber für praktisch ausgeschlossen (Euromaidan Press). Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Breuer, nannte im Mai 2026 das Jahr 2029 als mögliches Datum eines russischen Angriffs auf die NATO und schloss Früheres nicht aus (European Pravda).
Daraus folgt eine unbequeme Einsicht: Ein schlechter Waffenstillstand kann für Europa gefährlicher sein als der laufende Krieg, weil er russische Kräfte freisetzt. Georgien 2008 und das Minsker Abkommen von 2015, das laut einer Analyse von Pavel Baev schon in der ersten Woche gebrochen wurde, zeigen, wie Moskau Waffenstillstände nutzt.
Ich gehe hier weiter als manche Dienste. Georgien und die Krim waren Tests, die Moskau bestanden hat, weil der Preis gering blieb. Hat Russland auch in der Ukraine Erfolg, halte ich einen Angriff auf ein weiteres europäisches Land für fast sicher, wahrscheinlich nicht als Großoffensive, sondern als begrenzter Vorstoß, der die NATO spalten soll. Genau dieses Muster beschreibt der niederländische MIVD in seinem Jahresbericht: begrenzte Gebietsgewinne, notfalls unter nuklearer Drohung, um das Bündnis politisch zu zerlegen.
Es gibt aber auch begründete Skepsis gegenüber den Alarmzeitplänen. Der European Council on Foreign Relations hielt im Dezember 2025 in einer Studie zu Estland weder eine Invasion noch einen hybriden Vorstoß in den nächsten fünf bis zehn Jahren nach Kriegsende für strategisch erfolgversprechend. NATO-Oberbefehlshaber Grynkewich sagte im Juni 2026, Russland suche derzeit keinen Konflikt, ein Angriff auf das Baltikum würde scheitern (heidelberg24). Der Widerspruch ist kleiner, als er klingt: Die einen reden über Fähigkeit, die anderen über Absicht und Erfolgsaussicht. Mein Schluss daraus: Die Abschreckung wirkt gerade deshalb, weil Europa aufrüstet. Wer daraus ableitet, man könne damit aufhören, verwechselt Ursache und Wirkung.
Für die Ukraine selbst sind in diesem Zeitraum drei Dinge entscheidend. Der Wiederaufbau: Die Weltbank beziffert den Bedarf im Februar 2026 auf 588 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre, fast das Dreifache der ukrainischen Wirtschaftsleistung von 2025 (Weltbank). Der EU-Beitritt: Selenskyj nennt 2027 als Ziel (Euronews), was ich für unrealistisch halte, ein Beitritt bis Anfang der 2030er-Jahre erscheint mir möglich, wenn die Verhandlungen im jetzigen Tempo weiterlaufen. Und die Demografie, zu der ich gleich komme.
Und in zehn Jahren?
Zehn Jahre sind für Prognosen eine lange Zeit, und ich will mich nicht klüger stellen, als ich bin. Einige Entwicklungen lassen sich aber aus heutigen Daten ableiten.
Die Ideologie des Essays wird Putin überdauern, wenn nichts dagegen geschieht. Wer 2023 in der zehnten Klasse mit dem neuen Geschichtsbuch lernte, ist 2036 um die 30, und jeder Jahrgang seitdem kommt dazu. Eine Generation, der beigebracht wurde, dass die Ukraine ein Missverständnis der Geschichte ist, verschwindet nicht mit einem Machtwechsel im Kreml. Das ist für mich der beunruhigendste Teil der Bilanz.
Die ukrainische Identität wird bleiben, egal wie die Grenzen 2036 verlaufen. Nach allem, was die Umfragen zeigen, ist der Bruch mit Russland in der Ukraine keine Stimmung, sondern eine Generationserfahrung. Der Essay wollte die Ukrainer nach Russland zurückholen. Er hat das Gegenteil für Jahrzehnte festgeschrieben.
Die Demografie ist die härteste Hypothek. Laut UN lebten Anfang 2022 rund 43,3 Millionen Menschen in der Ukraine, Anfang 2024 etwa 37 Millionen, die mittlere UN-Projektion sieht für 2100 nur noch 15,3 Millionen (bne IntelliNews). Die Demografin Ella Libanova schätzte im Juli 2026, dass im regierungskontrollierten Gebiet etwa 29 Millionen Menschen leben (Open Ukraine). Ob die Ukraine 2036 ein stabiles EU-Mitglied mit wachsender Bevölkerung ist oder ein ausblutendes Frontland, entscheidet sich daran, ob die Geflüchteten zurückkehren. Dafür brauchen sie Sicherheit, und die kommt nicht aus einem Waffenstillstand allein.
Und Europa? Das Kiel Institut und Bruegel schätzten im Februar 2025, Russland könne „in den nächsten drei bis zehn Jahren“ die Fähigkeit zu einem Angriff auf EU-Staaten haben. Ohne die USA bräuchte Europa dafür rund 300.000 zusätzliche Soldaten und etwa 250 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr (idw). Im Juni 2025 stellte das Kiel Institut fest, dass Europa bei Artilleriemunition fast aufgeholt hat, bei Panzern, Raketen und Kampfflugzeugen aber weit zurückliegt (Kiel Institut). In zehn Jahren wird sich zeigen, ob Europa die Zeit genutzt hat, die die Ukraine ihm gerade erkauft.
Fazit
Putins Essay von 2021 war ein Manifest im genauen Sinn des Wortes: Er hat angekündigt, was folgte. Die Kriegsreden von 2022, die Annexionen, die Schulbücher, der „Heilige Krieg“ und der Satz von der ganzen Ukraine als „unser“ stehen in einer direkten Linie zu diesem Text. Historisch hält der Essay nicht, das sagt die Fachwissenschaft von Münster bis Harvard. An der Wirklichkeit ist er ebenfalls gescheitert: Die Ukrainer haben auf die Behauptung, sie seien Russen, mit einer Klarheit geantwortet, die es vor 2022 nicht gab.
Was bleibt, ist ein Krieg, der sich kaum noch bewegt, eine Diplomatie, in der Washington schwankt und Europa langsam lernt, für sich selbst zu stehen, und ein Russland, das seine Ideologie in die nächste Generation trägt. Georgien 2008 und die Krim 2014 haben Moskau gelehrt, dass sich Aggression lohnt. Die Ukraine ist dabei, diese Lehre zu widerlegen, und ob ihr das gelingt, hängt auch an uns. Die nächsten Jahre entscheiden sich weniger an der Front als daran, ob ein Waffenstillstand so gebaut wird, dass er den nächsten Angriff verhindert, statt ihn vorzubereiten.
Wenn Sie den Essay nie gelesen haben: Lesen Sie meine Übersetzung von 2022, jetzt mit dem Wissen von 2026. Und schreiben Sie Ihrer oder Ihrem Bundestagsabgeordneten, dass ein Waffenstillstand ohne belastbare Sicherheitsgarantien für die Ukraine keiner ist, dem Deutschland zustimmen sollte.
Quellen
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- Kreml: Address by the President of the Russian Federation (24.02.2022)
- American Rhetoric: Transkript der Putin-Rede zur Anerkennung von Donezk und Luhansk (21.02.2022)
- UN Press: General Assembly resolution demands end to Russian offensive in Ukraine, GA/12407 (02.03.2022)
- UN Press: General Assembly condemns illegal annexation, GA/12458 (12.10.2022)
- IGH: Order on provisional measures, Ukraine v. Russian Federation (16.03.2022)
- Lawfare: Wortlaut der IStGH-Mitteilung zu den Haftbefehlen gegen Putin und Lwowa-Belowa (17.03.2023)
- Europarat: Agreement on establishing a Special Tribunal for the Crime of Aggression (25.06.2025)
- OHCHR/HRMMU: Civilian Casualties Soar in Ukraine in the First Half of 2026 (14.07.2026)
- Präsident der Ukraine: Pariser Erklärung zu Sicherheitsgarantien (06.01.2026)
- Rat der EU: EU-Ukraine relations (abgerufen 07.11.2026)
- Bundesregierung: Sondervermögen Bundeswehr (2022)
- Bundesregierung: Antworten zum neuen Wehrdienst (2026)
- Weltbank: Updated Ukraine Recovery and Reconstruction Needs Assessment (23.02.2026)
- SIPRI: Trends in World Military Expenditure 2025 (April 2026)
- SIPRI: Military spending in Russia’s budget for 2026 (März 2026)
- Rating Group: Achte landesweite Umfrage, Ukraine unter Kriegsbedingungen (06.04.2022)
- Rating Group: Identity survey (Juli 2025)
- KIIS: Umfragebericht zu territorialen Zugeständnissen (April 2026)
- Lewada-Zentrum: Konflikt mit der Ukraine im Oktober 2026 (03.11.2026)
- Lewada-Zentrum: Conflict with Ukraine, September 2022 (07.10.2022)
- Memorial: Fourth anniversary of the full-scale war, political repression (18.02.2026)
- Andreas Kappeler, Osteuropa 7/2021: Revisionismus und Drohungen
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- SRF: Vier Behauptungen im Check, Putins Ukraine-Propaganda aus dem Märchenbuch (16.03.2022)
- CEPA: Why Ukraine Fails Putin’s Nationhood Test (18.02.2022)
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- Daily Maverick: Putin hails BRICS summit, invites new partners (25.10.2024)
- IPS: Russia expelled from G8, but G20? Not so fast (01.04.2014)
- CBS News: Midterm-Ergebnisse 2026 (04.11.2026)
- CNBC: 2026 midterm election results (04.11.2026)
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