TMOG: Der Erfinder des Task-Managers macht es noch mal

Fast jeder Windows-Nutzer hat ihn schon mit Strg+Umschalt+Esc aufgerufen. Geschrieben hat den ursprünglichen Task-Manager Dave Plummer, damals Entwickler bei Microsoft. Jetzt, mehr als 30 Jahre später, hat er ihn neu gebaut, diesmal für Windows, macOS und Linux gleichzeitig. Der TMOG Task Manager, kurz für „Task Manager OG“, verspricht auf seiner Website einen Blick, der zeigt, welcher Prozess und welches Teilsystem den Rechner gerade ausbremst.

Ich habe mir die Website, die Datenschutzhinweise, die Lizenzbedingungen und die Versionsgeschichte angesehen. Hier lesen Sie, was TMOG kann, wer dahintersteht, was die Pro-Version kostet und welche Daten das Programm verschickt. Und warum ich bei allem Lob einen Vorbehalt habe.

Wer ist Dave Plummer?

Plummer hat laut mehreren Berichten von 1993 bis 2003 bei Microsoft gearbeitet. Den Task-Manager schrieb er nach eigener Darstellung zunächst zu Hause, Windows-NT-Chefarchitekt Dave Cutler nahm ihn dann ins System auf. Öffentlich erschien das Programm 1996 mit Windows NT 4.0, wie RuntimeWire zusammenfasst. Heute ist Plummer vor allem als YouTuber bekannt, sein Kanal heißt „Dave’s Garage“. Rechteinhaber der TMOG-Website ist seine Firma Plummer’s Software LLC.

Zu Plummer gehört auch ein Kapitel, das in den meisten Berichten über TMOG fehlt. Nach seinem Abschied von Microsoft war er technischer Leiter der Firma SoftwareOnline.com. Die Generalstaatsanwaltschaft des US-Bundesstaats Washington verklagte das Unternehmen 2006 und einigte sich am selben Tag auf einen Vergleich. Laut der Pressemitteilung vom 10. April 2006 ging es um die Produkte InternetShield und Registry Cleaner: Kostenlose Scans hätten Nutzern Risiken eingeredet, die nicht auf ihren Rechner zutrafen, Pop-ups hätten zum Kauf gedrängt, und beim Bezahlen seien Zusatzprodukte vorausgewählt gewesen. Firma und Plummer persönlich räumten mehrere Verstöße gegen das Verbraucherschutzgesetz des Bundesstaats ein. Die zivilrechtliche Strafe betrug 400.000 US-Dollar, davon wurden 250.000 unter Auflagen ausgesetzt, dazu kamen 40.000 Dollar Anwaltskosten.

Das ist 20 Jahre her, und Menschen lernen dazu. Ich erwähne es trotzdem, weil es bei einem Programm, das tief ins System schaut und nicht quelloffen ist, zur Vertrauensfrage gehört. Wie TMOG heute mit Daten umgeht, steht weiter unten. Dort schneidet es gut ab.

Was TMOG kann: Task-Manager-Alternative für Windows 11, Mac und Linux

TMOG hat zwölf Ansichten: Zusammenfassung, Leistung, Prozesse, Systeminformationen, Autostart, Benutzer, Dienste, Energie und Takt, Verbindungen, installierte Apps, Speicherplatz und Benchmarks. Die Prozessliste zeigt die Hierarchie live, lässt sich sortieren und filtern und vergleicht CPU, Arbeitsspeicher, Datenträger, Netzwerk und Energieverbrauch. Leistungs- und Effizienzkerne moderner Prozessoren stellt TMOG getrennt dar, auf Wunsch auch je logischem Prozessor und NUMA-Knoten.

Zwei Details zeigen, dass hier jemand schreibt, der die Fallstricke kennt. Prozesse werden nicht nur über ihre Prozess-ID verfolgt, sondern zusätzlich über ihre Erstellungsidentität. Wird eine ID nach dem Beenden eines Programms neu vergeben, trifft ein Klick auf „Beenden“ also nicht versehentlich den falschen Prozess. Und Sensoren, die ein System nicht liefert, zeigt TMOG als „nicht verfügbar“ statt als Null an. Fehlen Messwerte, bleibt im Diagramm eine Lücke, statt dass eine Linie darüber interpoliert wird. Klingt banal, ist aber bei vielen Monitoring-Tools nicht selbstverständlich.

Technisch sind es drei native Programme mit einem gemeinsamen Messkern in C++20. Die Mac-Version ist in Swift und AppKit geschrieben, die Windows-Version in C++ mit Win32, die Linux-Version in C++ mit Qt 6. Electron oder einen eingebetteten Browser gibt es laut Website nicht. Tom’s Hardware berichtet zudem, dass TMOG die Anzeige mit 60 Hz animiert statt im Sekundentakt.

Systemanforderungen

  • macOS 14 oder neuer, Apple Silicon und Intel, signiert und notarisiert
  • Windows 11, x64 und ARM64, als Installer oder ZIP
  • Linux mit glibc 2.35 oder neuer, x64 und ARM64, als AppImage, .deb oder tar.gz; RHEL 9 und Nachbauten werden nicht unterstützt, unter Ubuntu 22.04 empfiehlt die Website das AppImage

Ob die Windows-Version signiert ist, sagt die Website nicht. Offiziell zielt sie auf Windows 11, die Versionshinweise zu 1.0.1 erwähnen aber eine Korrektur für den Start auf Windows Server ohne WLAN-Dienst. Getestet wird dort offenbar also auch.

Entstanden mit Claude Code und einer 107-Seiten-Spezifikation

Bemerkenswert ist die Entstehungsgeschichte. Plummer hat TMOG nach eigenen Angaben mit dem KI-Werkzeug Claude Code gebaut, gefüttert mit einer Spezifikation von 107 Seiten. Tom’s Hardware berichtet am 25. August 2026, die ersten Versionen seien nach rund viereinhalb Stunden entstanden und hätten auf Anhieb funktioniert, danach folgte Feinarbeit. Die macOS-Beta erschien am 31. Juli 2026, Windows und Linux folgten laut RuntimeWire am 23. August. Spätestens seit Ende September ist TMOG laut IT-Connect in Version 1.0 fertig, aktuell ist 1.1, unter Windows und Linux 1.1.1.

Die Reaktionen waren gemischt. In den Kommentaren bei Tom’s Hardware fragten Leser, ob man per „Vibe Coding“ entstandener Software Systemrechte geben sollte. Andere hielten dagegen, dass hier ausgerechnet der Mann am Werk sei, der das Original geschrieben hat. Ich halte beide Positionen für zu einfach. Eine 107-seitige Spezifikation ist das Gegenteil von planlosem Drauflosprompten. Aber eine Spezifikation ersetzt keinen Code-Review, und den kann bei geschlossenem Quellcode niemand außer Plummer machen.

TMOG Pro: Preis und Funktionen

TMOG ist kostenlos, und die Website verspricht, dass es so bleibt. Die kostenlose Version umfasst die Live-Überwachung, Prozesse und Leistungsdiagramme. Wer mehr will, kauft im Store die Pro-Version. Sie schaltet sich in derselben App frei und bringt:

  • den Flight Recorder, der Systemaktivität aufzeichnet und später als .tmogtrace-Datei abspielt
  • Energie- und Taktüberwachung
  • die Verbindungsansicht mit Ports, die ins Internet offen sind
  • installierte Apps mit Größe und eine Speicherplatzanalyse
  • Benchmarks

Die Einzellizenz „Pro Personal“ kostet einmalig 39,95 US-Dollar zuzüglich Steuern, ohne Abo, und lässt sich auf bis zu drei Rechnern gleichzeitig aktivieren, in beliebiger Mischung aus Windows, Mac und Linux. Ein Paket für neun Rechner kostet 99,99 Dollar. Eine Garantie für künftige Updates gibt der Store ausdrücklich nicht. Was mir fehlt, ist eine klare Aussage zur gewerblichen Nutzung. Die Seite mit den Lizenzhinweisen enthält dazu nur einen Satz über einen „Seat“ pro Schlüssel. Ein Leser bei IT-Connect fragte nach einer Techniker-Lizenz zum Start von einer Netzwerkfreigabe, eine Antwort fand ich nicht.

TMOG und Datenschutz: Was das Programm sendet

Hier wird es erfreulich konkret. Die Datenschutzhinweise, Stand 15. Oktober 2026, beschreiben genau, welche Verbindungen das Programm aufbaut. Im Alltag ist das nur die Update-Prüfung, unter macOS und Linux zusätzlich eine Abfrage, ob ein Hinweis auf Pro angezeigt werden soll. Diese Anfragen haben laut TMOG keinen Inhalt: keine Version, keine Systemdaten, keine Prozessliste, keine Hardware-Inventur, keine Kennung. Der Server sieht trotzdem IP-Adresse und Zeitpunkt. Unter Windows lässt sich die Update-Prüfung beim Start abschalten.

Bei der Lizenzaktivierung gehen der Lizenzschlüssel, die Kauf-E-Mail, ein gesalzener SHA-256-Hash der Gerätekennung und der Computername an den Lizenzdienst, der sie mit dem Zahlungsdienstleister Lemon Squeezy abgleicht. Danach prüft TMOG die Lizenz nur noch lokal. Absturzberichte werden nicht automatisch hochgeladen. Die Website selbst nutzt Plausible für anonyme Statistiken, Google Ads und OpenAI nur für Nutzer in den USA, gehostet wird über Cloudflare.

Das ist mehr Transparenz, als viele Anbieter von Systemtools bieten. Prüfen lässt es sich mangels Quellcode aber nur von außen, etwa mit einem Blick in die Firewall-Protokolle.

Für wen sich der TMOG Task Manager lohnt

Am meisten gewinnen Mac-Nutzer, die vom Activity Monitor zu wenig Tiefe bekommen, und Linux-Anwender, die eine grafische Oberfläche statt htop oder btop suchen. Wer zwischen allen drei Systemen wechselt, bekommt überall dieselbe Bedienung. Das ist selten.

Unter Windows ist der Abstand kleiner. Der eingebaute Task-Manager ist gut, und mit dem Process Explorer von Sysinternals gibt es seit Jahren ein kostenloses Profiwerkzeug. TMOG punktet dort vor allem mit Übersicht, Energieansicht und dem Flight Recorder, der in Pro gerade für die Fehlersuche bei sporadischen Hängern interessant ist.

Für den Einsatz in Firmen und Behörden würde ich derzeit abwarten. Die Lizenzlage für gewerbliche Nutzung ist unklar, der Code ist nicht einsehbar, und die Datenschutzhinweise schließen ausdrücklich keine Zusage für künftige Sicherheitsupdates ein. Auf dem eigenen Rechner spricht dagegen wenig gegen einen Test.

Fazit

TMOG ist ein sorgfältig gemachter Systemmonitor mit einer seltenen Eigenschaft: Er sagt, was er nicht weiß, statt Nullen zu erfinden. Die Datenschutzerklärung ist vorbildlich detailliert, der Preis für Pro fair. Dagegen stehen ein geschlossener Quellcode, eine dünne Lizenzseite und ein Entwickler, der 2006 eingeräumt hat, dass seine damalige Firma Kunden mit falschen Risikowarnungen zum Kauf von Systemtools gedrängt hat. Das muss heute nichts heißen. Es ist aber ein guter Grund, sich nicht nur auf Versprechen zu verlassen.

Mein Vorschlag: Laden Sie die kostenlose Version von tmog.org, schalten Sie unter Windows die automatische Update-Prüfung ab, wenn Sie keine Verbindungen wollen, und schauen Sie eine Woche lang in Ihre Firewall-Protokolle. Wenn dann nur das zu sehen ist, was die Datenschutzerklärung verspricht, hat sich Plummer Ihr Vertrauen verdient.


Quellen:

Nach oben scrollen