Am 12. Oktober hat KfW Research die Rechnung für die Klimaneutralität 2045 vorgelegt: rund 6 Billionen Euro bis 2045, etwa 290 Milliarden pro Jahr. Die Zahl klingt nach Staatsbankrott. Wer weiterliest, findet das Gegenteil. Die staatliche Förderbank nennt die Aufgabe „ambitioniert, aber leistbar“ und begründet das im Fokus Volkswirtschaft Nr. 561 auf elf Seiten, mit einer 88-seitigen Prognos-Studie im Rücken.
Zehn Tage vorher hat das Bundeswirtschaftsministerium sein Referat für Wind- und Solarindustrie aufgelöst. Ohne Ankündigung. Das ist kein Zufall im Kalender, das ist das Muster dieser Regierung: Die eigene Bank rechnet vor, was zu tun wäre, und das zuständige Ministerium tut der Reihe nach das, wovon die Bank abrät.
Ich habe beide Papiere gelesen und daneben gelegt, was die Bundesregierung seit Mai 2025 beschlossen hat. Erst kommen die Zahlen, dann der Abgleich, dann meine Meinung. Die ist nicht freundlich.

Was die KfW-Studie zu den Klimaschutzinvestitionen sagt
Prognos hat für die KfW keine eigene Zukunft modelliert, sondern vier bestehende Zielszenarien nebeneinandergelegt: die Roadmap Energieeffizienz 2045 und die Langfristszenarien (beide im Auftrag des Wirtschaftsministeriums), „Klimaneutrales Deutschland“ der Agora-Thinktanks und das Ariadne-Szenario. Alle vier landen zwischen 5,7 und 6,4 Billionen Euro für 2025 bis 2045. Fast die Hälfte entfällt auf den Verkehr, ein Viertel auf Energie, gut ein Fünftel auf Gebäude, 8 Prozent auf die Industrie.
Die wichtigste Unterscheidung steht auf Seite 4 der Studie und geht in jeder Talkshow verloren. Die 6 Billionen sind Bruttoinvestitionen: der komplette Preis jedes E-Autos, jeder Wärmepumpe, jedes Windrads. Autos und Heizungen werden aber auch ohne Klimaschutz gekauft. Zieht man ab, was ohnehin fällig wäre, bleiben netto rund 145 Milliarden Euro im Jahr.
Davon wiederum fließen heute schon etwa 80 Milliarden. Zusätzlich aufzubringen sind laut KfW rund 65 Milliarden Euro pro Jahr, das sind 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von 2024. Zum Vergleich aus demselben Papier: Deutschland überweist im Schnitt 81 Milliarden Euro pro Jahr für fossile Energieimporte ins Ausland. Der Vergleich der beiden Zahlen ist meiner, die Zahlen sind von der KfW.
Und der Staat? Auf die öffentliche Hand entfallen 12 Prozent, im Schnitt 33 Milliarden Euro jährlich. Der größte Teil davon läuft über Stadtwerke, Verkehrsbetriebe und Wohnungsgesellschaften, die sich über Entgelte refinanzieren. Direkt aus den öffentlichen Haushalten kommen laut KfW knapp 6 Milliarden Euro pro Jahr.
Zwei Sätze aus dem KfW-Papier sollte man sich merken, bevor es um Berlin geht. Erstens: Neuinvestitionen in Gas- und Ölheizungen seien zu vermeiden, weil Lock-in-Effekte drohen. Zweitens: Öffentliche Investitionen in Stromverteilnetze und Ladeinfrastruktur wirken als Katalysator, ohne den private Investitionen gar nicht erst stattfinden.
Warum jedes verlorene Jahr die Rechnung erhöht
Die Vorgängerstudie von 2021 kam auf 5 Billionen Euro, verteilt auf die damals verbleibenden Jahre waren das 191 Milliarden Euro pro Jahr. Heute sind es 290 Milliarden. Die KfW rechnet vor, dass die Gesamtsumme in Preisen von 2024 praktisch gleich geblieben ist. Gestiegen ist die Jahresrate, und zwar aus zwei Gründen, die das Papier ausdrücklich nennt: Preissteigerungen und Investitionsrückstände, weil in den vergangenen Jahren weniger investiert wurde als nötig.
Das ist die nüchterne Fassung von „Abwarten kostet“. Die Summe bleibt, die Zeit schrumpft. Jedes Jahr, in dem eine neue Gasheizung eingebaut wird statt einer Wärmepumpe, muss später aufgeholt werden, und die Gasheizung läuft dann noch zwanzig Jahre.
Dazu kommt eine Rechnung mit Fälligkeitsdatum. Deutschland überschreitet seine EU-Emissionszuweisungen für Gebäude und Verkehr laut KfW-Papier bis 2030 um 255 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente und müsste Zertifikate anderer Staaten zukaufen. Geschätzte Kosten: 15 bis 38 Milliarden Euro. Geld, für das es keine einzige Wärmepumpe gibt.
Das Klima selbst wartet auch nicht. Der jährliche Bericht „Indicators of Global Climate Change“ beziffert die menschengemachte Erwärmung für 2025 auf 1,37 Grad, bei einem Tempo von 0,27 Grad pro Jahrzehnt. Das Energieungleichgewicht der Erde hat sich gegenüber 1976 bis 1995 mehr als verdoppelt. Die 1,5-Grad-Marke dürfte laut Copernicus in etwa vier Jahren überschritten sein. Fairerweise: Das ist eine Beschleunigung, keine Exponentialkurve. Beruhigend ist es trotzdem nicht.
Kraftwerksstrategie: Katherina Reiche und die Gaskraftwerke
Jetzt zum Abgleich. Katherina Reiche war vor ihrem Amtsantritt Chefin der Eon-Tochter Westenergie, die Gasnetze betreibt, und davor Hauptgeschäftsführerin des Stadtwerkeverbands VKU. Am Tag ihres Amtsantritts stand sie laut abgeordnetenwatch noch als Interessenvertreterin von Westenergie im Lobbyregister des Bundestags.
Wenige Tage später kündigte sie Gaskraftwerke mit mindestens 20 Gigawatt an. Die EU-Kommission bremste aus beihilferechtlichen Gründen. Übrig blieben 12 Gigawatt, die 2026 ausgeschrieben werden und spätestens 2031 laufen sollen. Laut Gesetzentwurf müssen 2 Gigawatt davon 2040 auf Wasserstoff umstellen, weitere 2 im Jahr 2043. Der Rest hat Zeit bis 2045.
Reiche begründet das mit Versorgungssicherheit. „Wir brauchen dringend eine Gasversorgung auch über einen längeren Zeitraum“, sagte sie beim Tag des Familienunternehmens. Dazu passt der Rest: neue LNG-Verträge und Gasförderung vor Borkum, und 3,4 Milliarden Euro aus dem Klimafonds für die Gasspeicherumlage.
Gebäudemodernisierungsgesetz: Lock-in per Bundestagsbeschluss
Am 10. Juli 2026 hat der Bundestag mit 322 zu 272 Stimmen das Gebäudemodernisierungsgesetz beschlossen, verkündet wurde es am 28. Juli. Die 65-Prozent-Regel für neue Heizungen ist gestrichen. An ihre Stelle tritt eine „Bio-Treppe“: 10 Prozent klimafreundliche Brennstoffe ab 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035, 60 Prozent ab 2040. Für Bestandsheizungen kommt eine Grüngasquote, die 2028 bei einem Prozent startet.
Zur Erinnerung der Satz aus dem KfW-Papier: Gas- und Ölheizungen vermeiden, Lock-in droht. In den beiden Szenarien, die Prognos im Detail auswertet, stehen 2045 rund 15 Millionen Wärmepumpen in deutschen Wohngebäuden. Keines der Szenarien kennt eine Heizung, die 2040 zu 40 Prozent fossil läuft.
Wie stark das Gesetz die Emissionen erhöht, weiß die Bundesregierung nach eigener Auskunft nicht. Eine Abschätzung der Klimawirkung sei erst nach Abschluss des Gesetzes möglich, antwortete sie auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Dieselbe Antwort erklärt, von Treffen mit Interessenvertretern gebe es keine Protokolle, Telefonate und elektronische Kommunikation seien nicht dokumentiert, und wegen Personalwechseln lasse sich vieles nicht mehr auflisten. Genannt werden zwei Termine der Ministerin mit dem Branchenverband BDEW. Philipp Schönberger von Frag den Staat nennt den Hinweis auf den Personalwechsel gegenüber CORRECTIV „kein Rechtfertigungsgrund, sondern ein Eingeständnis“.
EEG-Novelle 2027 und ein Referat, das es nicht mehr gibt
Am 29. Juli hat das Kabinett die EEG-Novelle und das Netzpaket beschlossen: Für neue Solaranlagen unter 25 Kilowatt entfällt ab 2027 die feste Einspeisevergütung. Dazu kommt der Redispatch-Vorbehalt. Wer in einem überlasteten Netzgebiet ein Windrad oder eine Solaranlage baut, soll zehn Jahre auf Entschädigung verzichten, wenn abgeregelt wird. Der Bundesverband Windenergie hält das für „rechtlich nicht haltbar“.
In der Prognos-Studie stehen für Dach-Photovoltaik je nach Szenario 158 bis 250 Milliarden Euro bis 2045, der größte Einzelposten der Solarenergie. Getragen von Hausbesitzern und kleinen Betrieben, also genau von denen, deren Kalkulation die Novelle gerade umwirft.
Und dann das Referat. Das Ministerium hat das Referat IVD5 „Wind-, Solar- und Transformationsindustrien“ zum 2. Oktober aufgelöst und das erst auf Anfrage bestätigt. Die Begründung laut ZfK: Sparvorgaben des Finanzministeriums und der Wunsch, „die aktuellen industriepolitischen Prioritäten bestmöglich abzubilden“. Die Aufgaben wandern in die Referate für energieintensive Industrien und für Stahl- und Metallerzeugung. Die Branchenverbände sprechen von einem Schritt zur Unzeit und verweisen auf mehr als 436.000 Beschäftigte.
Eine Richtigstellung, weil sie in sozialen Medien anders kursiert: Eine „Klimaschutzabteilung“ hat Reiche nicht geschlossen. Die Zuständigkeit für Klimaschutz ist schon im Mai 2025 per Organisationserlass ins Umweltministerium gewandert. Aufgelöst wurde das Industriereferat für Wind und Solar. Das ist schlimm genug und muss nicht größer gemacht werden.
Klima- und Transformationsfonds: der Sparstrumpf mit Loch
Die KfW nennt den Klima- und Transformationsfonds (KTF) und das Sondervermögen als die Töpfe, aus denen der öffentliche Anteil „verlässlich planbar“ finanziert werden kann. Das Kabinett hat im Juli beschlossen, 2027 Emissionshandelseinnahmen von 2,7 Milliarden Euro in den Kernhaushalt umzuleiten, bis 2030 zusammen mehr als 13 Milliarden. Noch nicht zugesagte Fördermittel sollen im Grundsatz um 30 Prozent sinken. Betroffen sind laut Deutscher Handwerks Zeitung unter anderem energetische Stadtsanierung, Energieberatung und Zuschüsse für Busse mit alternativen Antrieben.
Der Rest der Bilanz liest sich wie eine Wunschliste der Gegenrichtung. CORRECTIV hat sie zum ersten Jahrestag der Regierung zusammengetragen: Luftverkehrssteuer gesenkt, Energiesteuer auf Benzin und Diesel für zwei Monate um 17 Cent reduziert, Deutschlandticket von 49 über 58 auf 63 Euro verteuert. Das KfW-Papier schlägt im letzten Absatz vor, klimaschädliche Subventionen abzubauen, um zweistellige Milliardenbeträge freizumachen. Die Regierung hat neue erfunden.
Was der Expertenrat für Klimafragen dazu sagt
Der Expertenrat ist kein Umweltverband, sondern das gesetzlich eingesetzte Prüfgremium der Bundesregierung. Am 18. Mai hat er in seinem Prüfbericht festgestellt, dass das Emissionsbudget bis 2030 nicht knapp eingehalten, sondern um 60 bis 100 Millionen Tonnen überschritten wird. Die Emissionen sanken 2025 um 0,1 Prozent. Selbst wenn das Klimaschutzprogramm vollständig umgesetzt würde, könne laut Gutachten „keines der gesetzlichen Ziele bis 2040 erreicht werden“.
Die Reform des Heizungsgesetzes war in den Projektionen, auf die sich die Regierung stützt, noch gar nicht enthalten. Die Lücke ist seit Mai also eher größer geworden.
Die Gegenposition: Was für die Bundesregierung spricht
Der Vorwurf „die tun nichts“ wäre falsch, und ich will ihn nicht stehen lassen.
Die KTF-Ausgaben sollen 2027 auf rund 38,9 Milliarden Euro steigen, 4,1 Milliarden mehr als 2026. Aus dem Sondervermögen fließen zehn Milliarden Euro pro Jahr in den Fonds. Das Klimaschutzprogramm vom März enthält 67 Maßnahmen. Das Klimaziel für 2025 wurde eingehalten.
Auch Reiches Sachargumente sind nicht aus der Luft gegriffen. Redispatch kostete 2024 rund 2,8 Milliarden Euro. Die Prognos-Szenarien selbst enthalten wasserstofffähige Gaskraftwerke als Absicherung. Die Grundzüge der Kraftwerksstrategie stammen von Robert Habeck. Und dass Netze und Erneuerbare besser aufeinander abgestimmt werden müssen, steht sinngemäß auch im KfW-Papier.
Mein Einwand ist deshalb nicht, dass jede einzelne Maßnahme unsinnig wäre. Mein Einwand ist die Summe. Backup-Kraftwerke sind in den Szenarien ein Baustein neben 15 Millionen Wärmepumpen und einer fast vollständig elektrischen Pkw-Flotte. Die Regierung baut den Baustein und reißt den Rest ein: Vorgabe weg, Vergütung weg, Fördermittel gekürzt, Referat weg. Wer die Kosten der Abregelung senken will, baut Netze und Speicher. Wer stattdessen den Zubau unattraktiv macht, hat ein anderes Ziel.
Meine Meinung: Sparen, koste es, was es wolle
Ab hier Kommentar.
Man muss sich die Arbeitsteilung auf der Zunge zergehen lassen. Die staatliche Förderbank lässt ausrechnen, was Klimaneutralität kostet, und kommt zum Ergebnis: weniger als die Gasrechnung. Das Bundesministerium, das dafür zuständig wäre, hört sich das an und löst das Referat auf, das sich mit Wind und Solar beschäftigt. Aus Spargründen. Bei 81 Milliarden Euro Importrechnung im Jahr ist das Sparen am Radiergummi, während nebenan das Dach brennt.
Die Gasspeicherumlage aus dem Klimafonds zu bezahlen, ist ungefähr so, als würde man die Raucherentwöhnung aus der Zigarettenkasse der Kantine finanzieren und dann die Entwöhnung streichen. Ein Heizungsgesetz zu verabschieden, dessen Klimawirkung man laut eigener Auskunft erst hinterher abschätzen kann, hat einen eigenen Charme. Bei uns in der Verwaltung nennt man das „Beschaffung ohne Bedarfsermittlung“, und dafür gibt es üblicherweise Post vom Rechnungsprüfungsamt.
Am besten gefällt mir die Aktenlage. Ein Bundesministerium kann nicht sagen, wer mit der Gaswirtschaft über das Heizungsgesetz gesprochen hat, weil die Kollegen inzwischen woanders arbeiten. Ich betreue beruflich IT für eine Gemeinde. Wenn ich meinem Bürgermeister erkläre, die Dokumentation zur Serverumstellung sei mit dem Kollegen in Rente gegangen, bekomme ich kein Verständnis, sondern ein Problem. Zu Recht.
Was dabei auf dem Spiel steht, ist keine Geschmacksfrage. Eine Studie mit Beteiligung des Potsdam-Instituts sieht den Kipppunkt der atlantischen Umwälzströmung AMOC, zu der der Golfstrom gehört, in den Simulationen typischerweise in den nächsten Jahrzehnten erreicht, den Zusammenbruch selbst bei hohen Emissionen nach 2100. Andere Studien aus diesem Jahr kommen zu vorsichtigeren Einschätzungen, die Forschung ist sich über das Wann nicht einig. Über die Richtung schon. Die Klimaforscher Michael Wehner und James Kossin haben 2024 in PNAS eine Hurrikan-Kategorie 6 für Stürme über 192 Meilen pro Stunde vorgeschlagen, weil fünf Stürme zwischen 1980 und 2021 diese Schwelle überschritten haben, alle in den letzten neun Jahren des Zeitraums. Eingeführt ist die Kategorie nicht. Dass man sie braucht, sagt genug.
Die Weltbank rechnet im ungünstigsten Szenario ihres Groundswell-Berichts mit bis zu 216 Millionen Menschen, die bis 2050 innerhalb ihrer Länder vor Klimafolgen fliehen müssen. Mit entschlossenem Handeln ließen sich daraus 44 Millionen machen. Und für Deutschland hat die Bundesregierung, eine frühere, die Folgekosten des Klimawandels selbst beziffern lassen: bis 2050 zwischen 280 und 900 Milliarden Euro, nach mindestens 145 Milliarden Euro Schäden zwischen 2000 und 2021. Die Flut an Ahr und Erft allein: 40,5 Milliarden.
Gegen diese Größenordnungen wirken 65 Milliarden Euro zusätzliche Investitionen pro Jahr wie ein Sonderangebot. Investitionen wohlgemerkt, mit Gegenwert: Netze, Anlagen, gedämmte Gebäude, niedrigere Energierechnungen. Die Alternative hat keinen Gegenwert. Sie hat nur eine Rechnung.
Was das für Kommunen und Stadtwerke bedeutet
Für alle, die in oder für Kommunen arbeiten, steht die eigentliche Nachricht in Kapitel 5.1 der Prognos-Studie. Von den öffentlichen Klimaschutzinvestitionen bis 2045 entfallen 500 bis 600 Milliarden Euro auf die kommunale Ebene, überwiegend über Stadtwerke, Verkehrsbetriebe und Wohnungsgesellschaften. Fernwärme rechnet die Studie zu 100 Prozent den Kommunen zu, die Stromverteilnetze zu gut 39 Prozent der öffentlichen Hand, die öffentlichen Nichtwohngebäude zu knapp drei Vierteln den Kommunen.
Gleichzeitig schieben die Kommunen laut KfW einen Investitionsrückstand von über 230 Milliarden Euro vor sich her, knapp 70 Milliarden davon bei Schulen. Die KfW schreibt dazu, viele Kommunen stützten ihre Stadtwerke heute über Bürgschaften und Gewinnverzicht, und dieser Spielraum sei begrenzt.
In diese Lage hinein kürzt der Bund die Förderung für energetische Stadtsanierung und für Busse mit alternativen Antrieben. Die Pflicht zur kommunalen Wärmeplanung bis 2026 beziehungsweise 2028 bleibt, während das neue Heizungsgesetz den Eigentümern freie Wahl lässt. Ein Fernwärmenetz rechnet sich über Anschlussquoten. Wer plant ein Netz für ein Quartier, in dem jeder zweite Haushalt gerade eine neue Gasheizung mit „Bio-Treppe“ eingebaut hat?
Die Kommune soll also planen, bauen und vorfinanzieren, während der Bund die Geschäftsgrundlage verändert. Das Risiko landet beim Stadtwerk, die Schlagzeile beim Ministerium.
Fazit
Die KfW-Studie räumt mit dem bequemsten Argument gegen Klimaschutz auf, dem der Unbezahlbarkeit. Zusätzlich 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, überwiegend privat getragen, bei einem direkten Haushaltsanteil von knapp 6 Milliarden Euro im Jahr: Das ist eine Frage des Wollens. Die Bundesregierung beantwortet sie seit anderthalb Jahren mit Gaskraftwerken, gestrichenen Vorgaben, gekürzten Fördertöpfen und einem Aktenschrank, in dem zufällig nichts liegt.
Was Sie tun können: Schreiben Sie Ihrem Wahlkreisabgeordneten, solange EEG-Novelle und Netzpaket im Bundestag liegen, und fragen Sie konkret nach dem Redispatch-Vorbehalt und der Klimawirkungsabschätzung zum Heizungsgesetz. Wer im Gemeinderat sitzt oder für ein Stadtwerk arbeitet, sollte Kapitel 5.1 der Prognos-Studie zur nächsten Haushaltsberatung mitbringen. Und fragen Sie Ihr Ministerium ruhig einmal nach einem Protokoll. Vielleicht findet sich ja eins.
Quellen:
Studien und amtliche Dokumente
- KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 561: „Deutschland auf dem Weg zur Klimaneutralität – rund 6 Bio. EUR sind zu investieren“ (12.10.2026)
- Prognos AG: „Investitionen für Klimaschutz“, Endbericht im Auftrag der KfW (Juni 2026)
- Deutscher Bundestag, Drucksache 21/7982: Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen zu Lobbykontakten beim Heizungsgesetz (2026)
- Deutscher Bundestag, hib 646/2026: „Etat 2027: KTF-Ausgaben steigen auf 38,9 Milliarden Euro“ (17.08.2026)
- Bundesregierung: „Die Kosten des Klimawandels“, Studie von IÖW, Prognos und GWS (2023)
- Wärmeplanungsgesetz (WPG)
Klimawissenschaft
- Forster et al.: Indicators of Global Climate Change 2025, Earth System Science Data 18 (2026)
- Copernicus Climate Change Service: „Global warming reached 1.37°C in 2025“ (2026)
- PIK via idw: Studie zum AMOC-Kollaps nach 2100 (2025)
- MS-Aktuell: Überblick über AMOC-Studien 2026 (Sekundärquelle)
- Berkeley Lab zu Wehner/Kossin, PNAS: Kategorie 6 für Hurrikane (05.02.2024)
- Astrobiology.com: fünf Stürme über der Kategorie-6-Schwelle (06.02.2024)
- Weltbank, Groundswell Part 2, dokumentiert in den „Blättern“ (13.09.2021)
Berichterstattung zur Regierungspolitik
- ZDFheute/dpa: Prüfbericht des Expertenrats für Klimafragen (18.05.2026)
- Berliner Zeitung: Expertenrat warnt vor Verfehlung der Klimaziele (Mai 2026)
- ZfK: Ministerium begründet Auflösung des Referats IVD5 (08.10.2026)
- ZfK: Kraftwerksgesetz, Mengen und Wasserstoff-Umstellung (2026)
- ZfK: Kritik am Redispatch-Vorbehalt (2026)
- CORRECTIV: „Ministerin Reiche lässt Lobbytreffen im Dunkeln“ (16.09.2026)
- CORRECTIV: „Mehr Gas, weniger Tempo: Ein Jahr Klimapolitik der Bundesregierung“ (06.05.2026)
- CORRECTIV: „Gasspeicherumlage wurde nicht auf Klimaziele geprüft“ (26.01.2026)
- abgeordnetenwatch: Lobby-Unterlagen zu Katherina Reiche (21.08.2025)
- Deutsche Handwerks Zeitung/dpa: Kürzungen im Klimafonds (15.07.2026)
- Gleiss Lutz: Überblick über das Gebäudemodernisierungsgesetz (2026)
- energiezukunft: Bundestag beschließt GModG (10.07.2026)
- t-online/dpa: Was sich beim Heizen ändert (10.07.2026)
- t-online/dpa: Reiche zum Redispatch-Vorbehalt beim BDEW-Kongress (10.06.2026)
- Solarserver: Grundsatzeinigung zur Kraftwerksstrategie (16.01.2026)
- web.de: Reiches Gaskraft-Pläne geschrumpft (2025)
- Schwäbische/dpa: Reiche verteidigt Gaskraftwerke (2025)
- Boerse-Express: Kabinettsbeschluss EEG-Novelle und Netzpaket (2026, Sekundärquelle)
- Tagesspiegel Background: Organisationserlass, Klimaschutz wandert ins Umweltministerium (Mai 2025)
- DevelopmentAid: KfW-Mitteilung zur Vorgängerstudie von 2021
