2026-08 Patchday

Nach dem Rekordmonat Juli, in dem Microsoft rund 570 Schwachstellen stopfen musste, fällt der August-Patchday auf den ersten Blick etwas kleiner aus. Doch „kleiner“ ist relativ: Mit über 400 behobenen Sicherheitslücken bewegt sich auch dieser Monat auf einem Niveau, das noch vor zwei Jahren als absoluter Ausnahmefall gegolten hätte. Dreistellige und mittlerweile fast vierstellige Patch-Zahlen sind zum Dauerzustand geworden.

Der Grund dafür ist strukturell und wird sich nicht mehr umkehren. Microsoft setzt inzwischen selbst auf KI-gestützte Systeme zur automatisierten Schwachstellensuche und hat angekündigt, dass genau das die Zahl der monatlichen Sicherheitsupdates dauerhaft nach oben treibt. Was der Codequalität langfristig guttut, bedeutet für Administratoren kurzfristig einen dauerhaft hohen Testaufwand.

Der eigentliche Unterschied zum Juli ist aber nicht die Menge, sondern die Brisanz einer einzelnen Lücke: Diesen Monat gibt es wieder einen Zero-Day, der bereits aktiv ausgenutzt wird, und zwar von einem staatlichen Akteur. Dieser Überblick zeigt, wo die Gefahr derzeit am größten ist und in welcher Reihenfolge Sie Ihre Systeme absichern sollten.

Die nackten Zahlen im Überblick

Bei den Gesamtzahlen lohnt ein genauer Blick, denn sie schwanken je nach Quelle erheblich. Microsoft selbst weist in seiner offiziellen Release-Note 421 Schwachstellen aus. Sicherheitsdienstleister wie Tenable kommen nach Abzug bestimmter Cloud- und Sonderfälle hingegen auf rund 398. Das ist eine reine Frage der Zählweise, die in den kommenden Tagen für unterschiedliche Zahlen in der Berichterstattung sorgen wird. Von diesen Lücken gelten 42 als kritisch, der ganz überwiegende Teil (355) als wichtig, eine einzelne als moderat. Innerhalb der kritischen Lücken dominiert erwartungsgemäß die Remotecodeausführung mit 37 Einträgen, hinzu kommen fünf kritische Rechteausweitungen. Für die Rollout-Planung hilfreich ist die Aufteilung nach Produkten: Allein 236 der Lücken entfallen auf Windows 11 und werden über das kumulative Update abgedeckt, weitere 98 auf Office (separate Office-Updates), gefolgt von SharePoint Server mit 30 und den Developer Tools mit 26.

Über alle Kategorien hinweg verteilen sich die Schwachstellen grob wie folgt: rund 176 Rechteausweitungen (Elevation of Privilege), etwa 110 Remotecodeausführungen (RCE), rund 86 Fälle von Informationsoffenlegung, 21 Spoofing-Lücken, 12 Denial-of-Service-Schwachstellen und 11 Umgehungen von Sicherheitsfunktionen. Besonders relevant sind in diesem Monat gleich drei Zero-Days: Eine davon wird bereits aktiv angegriffen, zwei weitere waren vor der Bereitstellung des Patches öffentlich bekannt.

Die kritischsten Brennpunkte im Detail

Wer diesen Patch-Zyklus überspringen möchte, sollte sich die folgende Liste genau ansehen. Mehrere Lücken betreffen zentrale Server-Rollen, die in praktisch jeder Windows-Domäne laufen: DNS-Server, DHCP und die Bereitstellungsdienste. Es folgt die detaillierte technische Aufarbeitung der wichtigsten Patches dieses Monats.

1. AFD.sys WinSock Elevation of Privilege (CVE-2026-68820)

CVSS-Score: 7,0

SCHWERWIEGENDKEIT: Hoch (aktiv ausgenutzt)

BEDROHUNG: Elevation of Privilege (Lokale Rechteausweitung auf SYSTEM)

EXPLOITS: Dies ist die einzige nachweislich aktiv ausgenutzte Schwachstelle dieses Monats und damit der wichtigste Patch überhaupt. Entdeckt und an Microsoft gemeldet wurde die Lücke von den Check-Point-Forschern Moshe Marelus und David Driker. Laut deren Analyse wurde sie im Rahmen gezielter Angriffe von der nordkoreanischen Lazarus-Gruppe eingesetzt, um über gefälschte Stellenangebote eine neue Variante des Kernel-Rootkits FudModule einzuschleusen. Auch Action1 stuft diese Schwachstelle als die mit Abstand wichtigste des gesamten Monats ein, schlicht weil die Ausnutzung bereits nachgewiesen ist. Kurios am Rande: Im CVSS-Vektor stuft Microsoft die Exploit-Reife formal als „unproven“ ein, benennt die Lücke gleichzeitig aber als aktiv ausgenutzt. Diesen Widerspruch hat unter anderem die Zero Day Initiative süffisant angemerkt.

TECHNISCHE ZUSAMMENFASSUNG: Die Schwachstelle liegt im Ancillary Function Driver for WinSock (afd.sys), jenem Kernel-Treiber, der die Socket-Infrastruktur von Windows bereitstellt. Es handelt sich um einen Use-after-free-Fehler: Ein Speicherobjekt wird freigegeben und anschließend erneut referenziert. Ein lokal angemeldeter Angreifer mit niedrigen Rechten kann über eine speziell präparierte Anwendung eine Race Condition auslösen und diesen Zustand ausnutzen, um eigenen Code im Kontext des Kernels und damit mit SYSTEM-Rechten auszuführen. Eine Benutzerinteraktion ist nicht erforderlich.

AUSNUTZBARKEIT: Der Angriff setzt lokalen Zugriff und ein niedrig privilegiertes Konto voraus. Die Angriffskomplexität gilt als hoch, da der Angreifer das enge Zeitfenster der Race Condition treffen muss. Für einen staatlich unterstützten Akteur wie Lazarus ist das keine ernsthafte Hürde. Da afd.sys auf praktisch jedem Windows-System aktiv ist, ist die Angriffsfläche entsprechend groß.

AUSWIRKUNGEN AUF DAS GESCHÄFT: Diese Lücke ist der klassische zweite Baustein einer Angriffskette. Nach dem initialen Zugang, etwa über ein manipuliertes Bewerbungsdokument, hebelt der Angreifer die Rechtetrennung des Systems aus und erlangt volle SYSTEM-Rechte. Mit dem nachgeladenen FudModule-Rootkit lassen sich anschließend Endpoint-Protection und Virenschutz blenden, Treiber manipulieren und dauerhafte, schwer auffindbare Persistenz verankern. Für Kommunen und KRITIS-nahe Einrichtungen ist der spionagegetriebene Hintergrund besonders brisant.

WORKAROUND: Einen sinnvollen technischen Workaround gibt es nicht; hier hilft nur das Einspielen des Updates. Flankierend sollte das EDR-System so konfiguriert werden, dass es verdächtige Kernel-Manipulationen und ungewöhnliche Kindprozesse erkennt. Ein konsequentes Least-Privilege-Prinzip und Application Control (zur Abwehr präparierter Dokumente aus Fake-Bewerbungen) senken das Restrisiko zusätzlich.

DRINGLICHKEIT: Höchste. Als einzige aktiv ausgenutzte Lücke des Monats gehört dieser Patch mit oberster Priorität auf alle Systeme, zuerst auf exponierte und besonders gefährdete Clients.

2. Windows User Profile Service – „LegacyHive“ (CVE-2026-62832)

CVSS-Score: 7,8

SCHWERWIEGENDKEIT: Hoch

BEDROHUNG: Elevation of Privilege (Rechteausweitung auf Administrator)

EXPLOITS: Die Schwachstelle war bereits vor Verfügbarkeit des Patches öffentlich bekannt. Sie entspricht dem als „LegacyHive“ veröffentlichten Proof-of-Concept des Sicherheitsforschers Nightmare Eclipse, also derselben Quelle, die bereits im Juni mit ihren BitLocker- und GreenPlasma-Veröffentlichungen für Aufsehen gesorgt hatte. Microsoft stuft die Ausnutzung als „eher wahrscheinlich“ ein.

TECHNISCHE ZUSAMMENFASSUNG: Ursache ist eine fehlerhafte Link-Auflösung (Improper Link Resolution / Link Following) im Windows-Benutzerprofildienst. Ein authentifizierter Angreifer, der über Zugangsdaten für ein anderes lokales Konto verfügt, kann mit einer präparierten Anwendung erzwingen, dass die Registry-Hive eines anderen Benutzers geladen wird. Über symbolische Verknüpfungen wird der Dienst dabei auf geschützte Pfade umgelenkt. Meldet sich anschließend ein Administrator an dem kompromittierten Gerät an, lassen sich auf diesem Weg Befehle mit dessen Rechten ausführen.

AUSNUTZBARKEIT: Erforderlich ist ein lokaler, authentifizierter Zugriff. Besonders relevant ist die Lücke auf Mehrbenutzer-Systemen wie Terminalservern, Citrix-Umgebungen oder geteilten Arbeitsplätzen, auf denen ohnehin mehrere Benutzerkonten existieren.

AUSWIRKUNGEN AUF DAS GESCHÄFT: Aus einem gewöhnlichen Standardbenutzer wird ein Administrator. In Kombination mit einer Phishing-Mail ergibt sich eine zuverlässige Rechteausweitung: Sobald der Angreifer einen Fuß in der Tür hat, kann er Virenschutz deaktivieren, Anmeldedaten aus dem LSASS-Speicher auslesen und sich lateral im Netzwerk ausbreiten.

WORKAROUND: Primär gilt: patchen. Flankierend helfen ein striktes Least-Privilege-Prinzip, der Verzicht auf gemeinsam genutzte Konten sowie ein Monitoring auf das ungewöhnliche Laden fremder Registry-Hives.

DRINGLICHKEIT: Hoch. Öffentlich bekannter PoC, von Microsoft als „eher wahrscheinlich“ eingestuft.

3. Container Isolation FS Filter Driver (CVE-2026-72971)

CVSS-Score: 5,5

SCHWERWIEGENDKEIT: Hoch (öffentlich bekannt)

BEDROHUNG: Tampering (Lokale Manipulation)

EXPLOITS: Auch diese Lücke wurde vor Verfügbarkeit des Patches öffentlich bekannt; Microsoft schreibt die Entdeckung den Forschern „yhw & txz“ zu. Anders als bei den beiden vorgenannten Zero-Days stuft Microsoft die Ausnutzung hier als „unwahrscheinlich“ ein.

TECHNISCHE ZUSAMMENFASSUNG: Betroffen ist der Container Isolation FS Filter Driver (unionfs.sys), der das Overlay-Dateisystem für Windows-Container bereitstellt. Erneut liegt die Ursache in einer fehlerhaften Link-Auflösung: Über Link-Following lässt sich die Dateizugriffslogik des Treibers umlenken und für Manipulationen missbrauchen.

AUSNUTZBARKEIT: Der Angriff erfordert lokalen, authentifizierten Zugriff und ist praktisch nur auf Hosts relevant, die tatsächlich Windows-Container betreiben. Für reine Client-Arbeitsplätze ohne Container-Workloads ist das Risiko gering.

AUSWIRKUNGEN AUF DAS GESCHÄFT: In Container-Umgebungen kann die Lücke als Baustein dienen, um Dateien zu manipulieren oder Isolationsgrenzen aufzuweichen. Wo keine Container zum Einsatz kommen, ist die Angriffsfläche jedoch nicht gegeben.

WORKAROUND: Patch einspielen, insbesondere auf Container-Hosts. Umgebungen ohne Container haben hier keinen akuten Handlungsdruck.

DRINGLICHKEIT: Mittel. Öffentlich bekannt, aber als „unwahrscheinlich“ eingestuft und mit stark begrenzter Angriffsfläche.

4. Windows DNS Server Remote Code Execution (CVE-2026-62878)

CVSS-Score: 9,8

SCHWERWIEGENDKEIT: Kritisch

BEDROHUNG: Remote Code Execution (RCE / wurmfähig)

EXPLOITS: Bislang wurden weder aktive Angriffe noch eine öffentliche Veröffentlichung beobachtet, und Microsoft bewertet die Ausnutzung offiziell als „unwahrscheinlich“. Die Zero Day Initiative hält diese Einschätzung allerdings für zu optimistisch, da die Lücke wurmfähig ist. In diesem Monat wurden gleich mehrere DNS-Server-RCEs geschlossen, darunter CVE-2026-62817 (Out-of-Bounds-Write, CVSS 8,8) und CVE-2026-62820 (Race Condition, CVSS 8,1). CVE-2026-62878 ist aber mit Abstand die schwerste.

TECHNISCHE ZUSAMMENFASSUNG: Es handelt sich um einen Stack-based Buffer Overflow im Windows-DNS-Server. Ein nicht authentifizierter Angreifer kann durch ein speziell präpariertes Paket an den DNS-Dienst Code mit erhöhten Rechten ausführen, ohne jede Benutzerinteraktion.

AUSNUTZBARKEIT: Der Angriff erfolgt netzwerkbasiert, ohne Anmeldung und ohne Interaktion. Entscheidend für die Tragweite: Der Windows-DNS-Server läuft in aller Regel auf den Domänencontrollern. Eine erfolgreiche Ausnutzung trifft damit direkt das Herz des Active Directory.

AUSWIRKUNGEN AUF DAS GESCHÄFT: Eine Remotecodeausführung auf einem Domänencontroller ist der Worst Case. Der Angreifer kontrolliert damit sowohl die Namensauflösung als auch das Verzeichnis selbst und kann sich praktisch beliebig domänenweit ausbreiten. Durch die Wurmfähigkeit besteht zudem die Gefahr, dass ein einmal entwickelter Exploit sich selbstständig von System zu System weiterträgt.

WORKAROUND: Höchste Priorität beim Patchen der Domänencontroller und DNS-Server. Der DNS-Dienst sollte niemals unnötig aus dem Internet erreichbar sein, und auch die interne Exposition sollte über Segmentierung so weit wie möglich reduziert werden.

DRINGLICHKEIT: Kritisch. Domänencontroller zuerst patchen.

5. Windows Deployment Services TFTP Server RCE (CVE-2026-62893)

CVSS-Score: 9,8

SCHWERWIEGENDKEIT: Kritisch

BEDROHUNG: Remote Code Execution (RCE / Remotecodeausführung)

EXPLOITS: Aktive Angriffe sind bislang nicht bekannt, allerdings stuft Microsoft die Ausnutzung als „eher wahrscheinlich“ ein. Sowohl Action1 als auch die Zero Day Initiative heben diese Lücke ausdrücklich als besonders beachtenswert hervor.

TECHNISCHE ZUSAMMENFASSUNG: Die Schwachstelle ist ein Use-after-free-Fehler im TFTP-Server-Bestandteil der Windows-Bereitstellungsdienste (Windows Deployment Services, WDS). Ein nicht authentifizierter Angreifer kann durch präparierte Pakete an den TFTP-/WDS-Dienst eine Codeausführung auf dem Server auslösen.

AUSNUTZBARKEIT: Der Angriff erfolgt netzwerkbasiert und ohne Authentifizierung. Betroffen sind Umgebungen, die WDS für PXE-Boot und die automatisierte Betriebssystem-Bereitstellung einsetzen, in der öffentlichen Verwaltung und in größeren Domänen keineswegs selten.

AUSWIRKUNGEN AUF DAS GESCHÄFT: Eine Remotecodeausführung auf dem Deployment-Server ist deshalb so gefährlich, weil dieser Server Betriebssystem-Images an neue Clients verteilt. Ein kompromittierter WDS-Server eignet sich hervorragend für eine flächendeckende Kompromittierung, gewissermaßen eine Supply-Chain-Attacke innerhalb des eigenen OS-Rollouts.

WORKAROUND: Patch einspielen. Der WDS-/TFTP-Dienst sollte nicht exponiert werden; PXE-Netzsegmente gehören isoliert. Wird WDS nicht benötigt, sollte der Dienst deaktiviert werden.

DRINGLICHKEIT: Hoch bis kritisch, insbesondere überall dort, wo WDS aktiv im Einsatz ist.

6. Windows DHCP Server Remote Code Execution (CVE-2026-62823)

CVSS-Score: 8,8

SCHWERWIEGENDKEIT: Kritisch

BEDROHUNG: Remote Code Execution (RCE / Remotecodeausführung)

EXPLOITS: Aktive Angriffe sind derzeit nicht bekannt, Microsoft bewertet die Ausnutzung jedoch als „eher wahrscheinlich“.

TECHNISCHE ZUSAMMENFASSUNG: Ursache ist ein Heap-based Buffer Overflow im Windows-DHCP-Server. Ein nicht authentifizierter Angreifer im benachbarten Netzwerk kann durch ein manipuliertes Paket eine Codeausführung auslösen. Ergänzend hat Microsoft in diesem Monat 13 weitere, jeweils als „wichtig“ eingestufte DHCP-Server-Lücken geschlossen, darunter acht Schwachstellen zur Informationsoffenlegung (CVSS 6,5) und fünf Rechteausweitungen (CVSS 7,8).

AUSNUTZBARKEIT: Der Angriff setzt einen Standort im benachbarten Netzsegment voraus, benötigt aber keine Authentifizierung. Da der DHCP-Server-Dienst üblicherweise auf zentraler Server-Infrastruktur betrieben wird, nicht selten auf einem Domänencontroller, ist die Tragweite erheblich.

AUSWIRKUNGEN AUF DAS GESCHÄFT: Eine Remotecodeausführung auf dem DHCP-Server bringt einen zentralen Netzdienst unter die Kontrolle des Angreifers. Von dort aus lässt sich die weitere Ausbreitung im Netzwerk vorbereiten, bis hin zur vollständigen Kompromittierung der Server-Infrastruktur.

WORKAROUND: Patch einspielen und den Zugriff auf den DHCP-Dienst konsequent auf vertrauenswürdige Netzsegmente beschränken.

DRINGLICHKEIT: Hoch.

Weitere kritische Schwachstellen im Überblick

Neben den sechs ausführlich behandelten Lücken lohnt ein Blick auf mehrere weitere kritische Schwachstellen, die alle über das Netzwerk und ohne Authentifizierung angreifbar sind. Die Microsoft QUIC Remote Code Execution (CVE-2026-62815) und die Windows iSCSI Target Service Remote Code Execution (CVE-2026-65791) erreichen ebenfalls jeweils einen CVSS-Score von 9,8. Action1 weist bei der QUIC-Lücke ausdrücklich darauf hin, dass exponierte, verwundbare Dienste ein erhebliches Risiko darstellen, da weder Authentifizierung noch Benutzerinteraktion erforderlich sind. Bei den Active Directory Certificate Services wurde mit CVE-2026-62818 eine kritische RCE geschlossen (CVSS 8,8, Use-after-free), für alle Betreiber einer eigenen PKI ein Pflicht-Patch.

Aufmerksamkeit verdient auch SharePoint. CVE-2026-65665 (CVSS 8,8, Deserialisierung nicht vertrauenswürdiger Daten) ist als „eher wahrscheinlich“ eingestuft. Das wiegt schwer, denn bereits die aktiv ausgenutzte SharePoint-RCE des Vormonats wurde genutzt, um Machine Keys von On-Premises-Servern zu stehlen. Bei Exchange sticht CVE-2026-62911 heraus, eine kritische Rechteausweitung über einen Authentifizierungs-Bypass (CVSS 8,0). Action1 skizziert das Schadenspotenzial drastisch: Aus dem Zugriff auf ein einzelnes Exchange-Konto könne die Kontrolle über sämtliche Postfächer werden, samt E-Mails, Anhängen und vertraulichem Schriftverkehr. Ebenfalls beachtenswert ist eine kritische Office-RCE (CVE-2026-64898, Heap-based Buffer Overflow): Hier genügt bereits die Anzeige einer präparierten Datei im Vorschaufenster (Preview Pane), ein Klick zum Öffnen ist nicht nötig. Hinzu kommen kritische RCEs in der Grafik-Komponente (GDI+, CVE-2026-62822) sowie in der Device Health Attestation (CVE-2026-71331, CVE-2026-66802).

Ein interessanter Sonderfall ist der High Performance Computing (HPC) Pack (CVE-2026-59124): technisch ein CVSS-9,8-Fehler und als „eher wahrscheinlich“ eingestuft, aber nur als „wichtig“ klassifiziert, weil HPC nicht standardmäßig aktiv ist. Wer HPC einsetzt, sollte diese Lücke dennoch nicht auf die lange Bank schieben. Bemerkenswert ist außerdem, dass gleich drei Schwachstellen im AFD.sys-WinSock-Treiber behoben wurden. Der Treiber hat sich zu einem verlässlichen Einfallstor für Rechteausweitungen entwickelt.

Auch abseits von Microsoft war der August ein arbeitsreicher Monat. Die schwerste Lücke überhaupt fand sich bei SAP: eine Autorisierungsschwachstelle im Data Hub Adapter der SAP Commerce Cloud (CVE-2026-58231) mit dem Höchstwert CVSS 10,0. Hinzu kamen weitere kritische SAP-Fixes, darunter eine Code-Injection in Manufacturing Integration and Intelligence (CVE-2026-44772, CVSS 9,9). N-able patchte eine bereits aktiv ausgenutzte Authentifizierungs-Umgehung in N-central, Metabase eine aktiv ausgenutzte SQL-Injection. Dazu kamen Updates von Adobe, Cisco (unter anderem ClamAV), VMware (Avi Load Balancer) und TP-Link (Omada).

Patchmanagement im Zeitalter von KI: Die Spielregeln ändern sich

Der August bestätigt, was sich seit Monaten abzeichnet: Manuelles Patchmanagement „mal eben am Wochenende“ ist endgültig Geschichte. Wenn Microsoft selbst KI einsetzt, um Schwachstellen schneller zu finden, dann tun Angreifer das erst recht. Sie nutzen dieselbe Technologie, um veröffentlichte Patches per Reverse Engineering in kürzester Zeit zu analysieren und passende Exploits zu bauen. Das Zeitfenster zwischen Veröffentlichung und aktiver Ausnutzung schrumpft rasant, wie die AFD.sys-Lücke in diesem Monat einmal mehr zeigt.

Für Organisationen, gerade in der öffentlichen Verwaltung und im KMU-Umfeld, ist ein strukturierter, automatisierter und priorisierter Rollout-Prozess damit keine Kür mehr, sondern überlebenswichtig. Nicht zuletzt die verschärften Anforderungen der NIS-2-Richtlinie machen einen nachweisbaren, dokumentierten Patch-Prozess zur Pflicht.

Handlungsempfehlungen für Ihre IT-Infrastruktur

Priorisieren Sie in diesem Monat zuerst Ihre zentrale Server-Infrastruktur. Die kritischen RCE-Lücken in DNS-Server, DHCP-Server und den Bereitstellungsdiensten betreffen Rollen, die typischerweise auf Ihren Domänencontrollern und zentralen Servern laufen. Ein kompromittierter DC bedeutet den Verlust der gesamten Domäne. Diese Systeme gehören daher an den Anfang jeder Rollout-Welle.

Kümmern Sie sich unmittelbar danach um die aktiv ausgenutzte AFD.sys-Zero-Day-Lücke auf Ihren Clients. Da diese Schwachstelle bereits nachweislich für Angriffe verwendet wird, sollten insbesondere exponierte und risikobehaftete Endgeräte zeitnah abgesichert werden. Ein reines „Später erledigen wir das im normalen Zyklus“ ist bei einer aktiv ausgenutzten Lücke keine vertretbare Option.

Führen Sie den Rollout trotz der Dringlichkeit unbedingt in kontrollierten Wellen durch. Bei über 400 Schwachstellen und dem entsprechend großen Umfang an Codeänderungen ist das Risiko von Kompatibilitätsproblemen erhöht. Testen Sie die Updates zuerst auf einer repräsentativen Gruppe von Testgeräten, bevor Sie sie in der Fläche verteilen. Die Priorisierung nach Kritikalität und die schnelle Verteilung dürfen nicht zu Lasten der Betriebsstabilität gehen.

Verifizieren Sie zuletzt den tatsächlichen Update-Status. Verlassen Sie sich nicht allein auf die Standardanzeige von Windows Update, sondern nutzen Sie professionelle Asset- und Compliance-Werkzeuge, um sicherzustellen, dass die KB-Stände auf allen Systemen lückenlos aktiv sind. Gerade bei den serverseitigen Lücken zählt jeder ungepatchte Host.

Neuerungen abseits der Sicherheit

Neben den reinen Sicherheitsfixes bringt das August-Update auch die Funktionsneuerungen des optionalen Juli-Vorschauupdates in die Fläche und erreicht mit dem Pflichtupdate nun alle Nutzer. Die sichtbarste Änderung betrifft den Datei-Explorer: Dateigrößen werden endlich nicht mehr ausschließlich in Kilobyte angezeigt, sondern je nach Umfang auch in Megabyte und Gigabyte. Zusätzlich lassen sich Ordner jetzt per mittlerer Maustaste direkt als neuer Tab im selben Fenster öffnen, und auch die Dateivorschau wurde überarbeitet.

Darüber hinaus verbessert Microsoft die Windows-Suche, die nun auch bei unklaren oder fehlerhaften Eingaben treffsicherer arbeitet und erstmals Dateinamen mit nur zwei Zeichen unterstützt. Windows Hello Enhanced Sign-in Security (ESS) unterstützt ab sofort kompatible externe Fingerabdruckleser, für Umgebungen mit biometrischer Anmeldung eine praktische Erweiterung. Und die Sprachsteuerung Voice Access erhält mit „Voice Isolation“ eine Funktion, die Hintergrundgeräusche und fremde Stimmen herausfiltert, um Sprachbefehle zuverlässiger zu erkennen. Wie immer bündeln die Updates zudem neue Secure-Boot-Zertifikate, deren Verteilung sich über die kommenden Monate erstreckt.

Exchange Server: ein separates Sicherheitsupdate

Für Exchange Server liefert Microsoft am August-Patchday wie üblich ein eigenständiges Sicherheitsupdate aus, das unabhängig von den kumulativen Windows-Updates eingespielt werden muss. Das August-SU schließt sieben Schwachstellen in Exchange Server, von denen Microsoft genau eine als kritisch einstuft: die bereits erwähnte Rechteausweitung CVE-2026-62911 (CVSS 8,0). Aktiv ausgenutzt wird nach aktuellem Stand keine der sieben Lücken.

Bereitgestellt werden die Updates für Exchange Server 2016, Exchange Server 2019 sowie die Exchange Server Subscription Edition (SE). Exchange Online ist bereits geschützt. Hier besteht kein Handlungsbedarf, abgesehen von der Aktualisierung vorhandener On-Premises-Server und der Workstations mit den Exchange-Verwaltungstools. Wichtig für Bestandsumgebungen: Für Exchange 2016 und 2019 gibt es die Updates ausschließlich über das kostenpflichtige ESU-Programm (Phase 2). Wer dort keine Lizenz gebucht hat, erhält das August-SU nicht und verbleibt sicherheitstechnisch auf dem Stand von Juli 2025, ein weiterer deutlicher Fingerzeig, den Umstieg auf Exchange Server SE einzuplanen.

Für das August-Update selbst sind bislang keine Probleme bekannt. Bestehen bleibt allerdings ein bereits mit dem Juni-SU eingeführtes Verhalten: In Hybrid-Umgebungen können nach dessen Installation sogenannte Wrapper-Nachrichten in Shared Mailboxes auftauchen; Microsoft führt dies weiterhin als bekanntes Problem. Wer eine Hybrid-Konfiguration betreibt, sollte nach der Installation ein Auge darauf haben. Wie bei jedem Exchange-SU gilt außerdem: Das Update über eine administrative Eingabeaufforderung installieren, um unvollständige Installationen durch fehlende Berechtigungen zu vermeiden.

Wer mehrere Exchange-Server betreibt, sollte den Patchday ohnehin zum Anlass nehmen, den Exchange Health Checker laufen zu lassen. Das Skript zeigt neben dem Patchstand auch gleich, ob noch manuelle Schritte offen sind. Seit dem Juli-2026-Update prüft es zusätzlich, ob die längst abgekündigten Sicherheitsgruppen Exchange Domain Servers und Exchange Enterprise Servers noch im Active Directory existieren. Beide stammen aus Zeiten von Exchange 2000/2003, werden seit Exchange 2007 nicht mehr verwendet und liegen in über Jahre gewachsenen Umgebungen häufig noch in der OU „Users“. Das ist ausdrücklich kein reines Aufräumthema: Die Gruppen besitzen im Active Directory teils weitreichende Berechtigungen wie Write All Properties, ListChildren oder vereinzelt WriteDacl auf OUs und Domänenobjekten, deutlich mehr, als die aktuellen Exchange-Sicherheitsgruppen benötigen. Solange sie existieren, sind sie ein lohnendes Angriffsziel: Wer ihre Mitgliedschaft manipulieren kann, erbt diese Altrechte gleich mit. Microsoft empfiehlt daher, die Gruppen zu entfernen, und zwar selbst dann, wenn der letzte On-Premises-Exchange bereits abgebaut wurde.

Update-Pakete für Windows-Clients und -Server

Die folgende Übersicht fasst die kumulativen Updates dieses Patchdays für die noch unterstützten Windows-Versionen zusammen. Alle Pakete sind kumulativ und enthalten sämtliche Sicherheitsfixes bis zum Patchday.

ProduktKB-NummerHinweis
Windows 11 24H2 / 25H2KB5121003OS-Builds 26100.9165 / 26200.9165
Windows 11 26H1KB5121000Windows-11-Version für aktuelle Arm-Plattformen
Windows 11 23H2KB5120240nur noch Enterprise / Education
Windows 10 21H2 / 22H2KB5120249Enterprise LTSC bzw. nur mit ESU-Lizenz
Windows 10 Enterprise 2019 LTSCKB5120238(auch Windows Server 2019)
Windows 10 2016 LTSCKB5120418(auch Windows Server 2016)
Windows Server 2025KB5120233
Windows Server 2022KB5120242
Windows Server 2019KB5120238
Windows Server 2016KB5120418

Zu beachten: Windows 10 22H2 ist seit Oktober 2025 aus dem regulären Support gefallen; Sicherheitsupdates gibt es nur noch im Rahmen des ESU-Programms. Für Windows Server 2012/R2 ist ebenfalls eine ESU-Lizenz erforderlich, und Windows Server 23H2 hat den Support im Mai 2026 verlassen.

Ausgewählte kritische Sicherheitsupdates vom Patch Tuesday im August 2026

Die folgende Tabelle listet eine Auswahl der wichtigsten kritischen Schwachstellen dieses Monats. Die vollständige Liste aller rund 400 behobenen CVEs finden Sie im Microsoft Security Update Guide sowie in der Gesamtübersicht bei BleepingComputer.

TagCVE IDCVE TitleSeverity
Windows Ancillary Function Driver for WinSockCVE-2026-68820AFD for WinSock Elevation of Privilege Vulnerability (Zero-Day, aktiv ausgenutzt)Important
Windows User Profile ServiceCVE-2026-62832Windows User Profile Service Elevation of Privilege Vulnerability (Zero-Day, „LegacyHive“)Important
Windows Container Isolation FS Filter DriverCVE-2026-72971Container Isolation FS Filter Driver (unionfs.sys) Tampering Vulnerability (Zero-Day)Important
Windows DNSCVE-2026-62878Windows DNS Server Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Windows DNSCVE-2026-62817Windows DNS Server Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Windows DNSCVE-2026-62820Windows DNS Server Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Windows DNSCVE-2026-65789Windows DNS Server Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Windows Deployment ServicesCVE-2026-62893Windows Deployment Services TFTP Server Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Windows DHCP ServerCVE-2026-62823Windows DHCP Server Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Microsoft QUICCVE-2026-62815Microsoft QUIC Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Windows iSCSI Target ServiceCVE-2026-65791Windows iSCSI Target Service Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Active Directory Certificate Services (AD CS)CVE-2026-62818Windows AD CS Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Reliable Multicast Transport Driver (RMCAST)CVE-2026-62816Windows RMCAST Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Windows GDI+CVE-2026-62822Windows GDI+ Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Windows GDI+CVE-2026-62890Windows GDI+ Elevation of Privilege VulnerabilityCritical
Windows Key GuardCVE-2026-66799Windows Key Guard Elevation of Privilege VulnerabilityCritical
Microsoft Azure Attestation / Device Health AttestationCVE-2026-71331Windows Device Health Attestation (DHA) Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Microsoft Azure Attestation / Device Health AttestationCVE-2026-66802Windows Device Health Attestation (DHA) Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Microsoft Exchange ServerCVE-2026-62911Microsoft Exchange Server Elevation of Privilege VulnerabilityCritical
Microsoft Office SharePointCVE-2026-65665Microsoft SharePoint Server Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Microsoft Office SharePointCVE-2026-62827Microsoft SharePoint Server Elevation of Privilege VulnerabilityCritical
Microsoft OfficeCVE-2026-63519Microsoft Office Graphics Component Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Microsoft OfficeCVE-2026-63513Microsoft Office Graphics Component Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Microsoft Office WordCVE-2026-64907Microsoft Office Word Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Microsoft Office WordCVE-2026-63518Microsoft Office Word Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Microsoft Office ExcelCVE-2026-68794Microsoft Excel Remote Code Execution VulnerabilityCritical
Microsoft TeamsCVE-2026-62918Microsoft Teams Spoofing VulnerabilityCritical
Microsoft High Performance Computing (HPC) PackCVE-2026-59124Microsoft HPC Pack Remote Code Execution Vulnerability (CVSS 9,8, „wichtig“)Important

Hinweis: Diese Tabelle stellt eine kuratierte Auswahl dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Maßgeblich ist stets der offizielle Microsoft Security Update Guide.

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