KB5002907: Microsofts Reparatur-Tool räumt Office 2019 ab

Seit dem 24. September 2026 melden IT-Dienstleister und Privatnutzer reihenweise Office-Installationen, die über Nacht als „Nicht lizenziertes Produkt“ dastehen oder gleich ganz vom Rechner verschwunden sind. Der gemeinsame Nenner ist das Update KB5002907, das Windows im deutschen Updateverlauf als „Click-to-Run-Updateunterstützung“ führt. Betroffen sind gekaufte Dauerlizenzen von Office 2016 und Office 2019, also genau die Versionen, die laut Microsoft mit dem Update gar nichts zu tun haben sollten.

Microsoft hat den Rollout am 25. September gestoppt und die Support-Seite um einen Warnhinweis ergänzt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Wer das Update schon hat, bekommt von Microsoft keine Reparatur, sondern die Anweisung, Office selbst neu zu aktivieren oder neu zu installieren. Und an einigen Stellen passt Microsofts Darstellung nicht zu dem, was Admins in ihren Logs sehen.

Ich habe die drei Ausgangsberichte (Borncity, BleepingComputer, Neowin) gegen die Microsoft-Support-Seite, den Microsoft-Q&A-Thread und die Leserberichte bei Born abgeglichen. Hier ist, was belegt ist, was Vermutung ist und was Sie als Admin einer Kommune oder eines kleinen Betriebs am Montag prüfen sollten.

Was KB5002907 laut Microsoft tun sollte

Die Support-Seite zu KB5002907 trägt den Titel „Optional update for out-of-date Microsoft 365 Apps installations“. Zielgruppe sind Windows-PCs, auf denen die Microsoft 365 Apps seit mehr als 90 Tagen keine Updates mehr bekommen haben und im Current Channel oder Monthly Enterprise Channel hängen. Das Update soll den festgefahrenen Aktualisierungsmechanismus wieder anstoßen und die Installation auf einen aktuellen Build heben.

Drei Aussagen auf dieser Seite sind für die Bewertung wichtig. Erstens: Das Update ist optional und installiert sich laut Microsoft nicht automatisch, sondern erscheint unter den optionalen Updates für andere Microsoft-Produkte. Zweitens: Wenn eine Organisation die Updates der Microsoft 365 Apps per Gruppenrichtlinie oder Cloud Update steuert, ändert KB5002907 nichts am Gerät. Drittens, und das steht im „Applies To“-Block: Das Update gilt für Windows 10 22H2, Windows 11 (23H2 bis 26H1) und für Windows Server 2019, 2022 und 2025. Terminalserver sind also nicht ausgenommen.

Von Office 2016 oder Office 2019 steht auf der Seite nichts. Das ist der Kern des Problems.

Was tatsächlich passierte: Office 2016 und 2019 deaktiviert oder gelöscht

Der belgische MSP-Betreiber Christian Van Hautte hat BleepingComputer geschildert, dass sich am 24. September innerhalb von rund zehn Minuten fünf voneinander unabhängige Kunden meldeten, mit Dutzenden betroffenen PCs. Alle liefen mit Office 2016 oder 2019 Home & Business, also Kauflizenzen ohne Abo. Bei Günter Born sah es am 25. September genauso aus: Der Posteingang lief voll, Systemhäuser berichteten von zehn bis fünfzehn Kundenanrufen in zwei Tagen.

Das Fehlerbild ist nicht einheitlich, und das macht die Sache für den Support unangenehm. Auf manchen Geräten war nur die Aktivierung weg, Office startete mit dem gelben Banner und der Aufforderung, sich anzumelden oder einen Key einzugeben. Auf anderen fehlten nur die Verknüpfungen in der Taskleiste. Und auf einem beachtlichen Teil war Office komplett deinstalliert, das Programmverzeichnis leer. Ein Leser bei Born beschreibt ein Office 2016 auf Windows 10, das „komplett weggeräumt“ war. Im ComputerBase-Forum meldete jemand ein Office 2019 Home & Student, das nach der Installation von KB5002907 am nächsten Abend einfach fehlte.

Dass es nicht nur Home & Business trifft, zeigt der Microsoft-Q&A-Thread: Dort melden sich Nutzer mit Office Professional Plus 2016 und 2019 aus dem Home Use Program, also Mitarbeiterlizenzen, die über den Arbeitgeber gekauft wurden. Vereinzelt berichten Leser bei Born auch von Office LTSC Professional Plus 2024 und von Office 2024 Home & Business mit abgelaufener Grace-Periode. Ob das derselbe Fehler ist oder ein anderes Click-to-Run-Problem, kann ich aus den Kommentaren nicht sicher ableiten.

Was Microsoft bestätigt und was nicht

Auf Nachfrage von BleepingComputer erklärte ein Microsoft-Sprecher, man kenne die Berichte und habe das Update während der Untersuchung angehalten. Weitere Hinweise für Kunden sollen „über die passenden Kanäle“ folgen. Auf der Support-Seite steht seit dem 25. September ein Warnkasten. Microsoft spricht dort von „unexpected results on some devices“ mit Office 2016 oder 2019 und räumt ein, dass die vom Update ausgelöste Reparaturaktion auf einigen Geräten keine funktionierende Office-Version zurückgelassen hat.

Zwei Fehlerbilder werden anerkannt, mit jeweils einer Lösung. Erscheint Office als nicht lizenziert, sollen Nutzer ihr gekauftes Produkt erneut aktivieren. Wurde Office entfernt, was Microsoft als „seltene Fälle“ bezeichnet, sollen Nutzer Office 2016, 2019 oder 2021 neu herunterladen und installieren. Mehr gibt es von Microsoft bisher nicht: keine Ursache, keinen Termin für ein korrigiertes Update, keine Aussage dazu, warum ein Update für Microsoft 365 Apps auf Rechnern ohne Microsoft 365 gelandet ist.

Neowin titelt „Microsoft shares fix“. Das ist wohlwollend formuliert. Der „Fix“ ist die Anweisung, den Schaden selbst zu beheben.

Wo die Darstellungen auseinandergehen

An drei Stellen widersprechen die Berichte aus der Praxis dem, was Microsoft schreibt. Ich benenne sie, statt sie zu glätten.

Erstens die Frage, ob das Update wirklich optional war. Van Hautte sagt gegenüber BleepingComputer, das Update habe sich bei seinen Kunden automatisch installiert. Ein Systemhaus zitiert bei Born sein Monitoring vom 24. September: Um 12:10 Uhr wird Office Professional Plus 2019 deinstalliert, um 12:16 und 12:20 Uhr wieder installiert, um 12:21 Uhr protokolliert Windows die Installation eines „wichtigen Updates“ namens Click-to-Run-Updateunterstützung. Wichtig, nicht optional. Bei Dr. Windows berichtete eine Moderatorin bereits am 23. September, dass ihr das Update auf einem PC mit Office Professional Plus 2019 unter „Herunterladen und installieren“ angeboten wurde, gebündelt mit dem Defender-Update, ohne die Möglichkeit, nur eines davon zu nehmen. Und im Updateverlauf taucht es nicht unter den deinstallierbaren Updates auf.

Zweitens das Wort „selten“. Microsoft nennt die vollständige Entfernung einen seltenen Fall. In den 48 Kommentaren unter Borns Umfrage vom 25. September ist die Komplettdeinstallation dagegen ein wiederkehrendes Muster, keine Ausnahme. Fairerweise: Eine Blog-Kommentarspalte ist eine Stichprobe mit Selbstauswahl, wer nur neu aktivieren musste, schreibt seltener. Aber „selten“ würde ich in dem Fall nicht als belastbare Zahl lesen.

Drittens die Ursache. Van Hautte vermutet, dass die Neuinstallation scheitert, wenn 32-Bit-Office und eine 64-Bit-Access-Runtime nebeneinander liegen, weil Office-Setup keine gemischten Architekturen erlaubt. Microsoft hat das nicht bestätigt. Ein Leser bei Born hat die Logs eines betroffenen Geräts ausgewertet und zeichnet ein anderes Bild: Über Windows Update landet eine Datei OfficeRemediator.exe im Verzeichnis SoftwareDistribution und läuft als SYSTEM. Sie ruft OfficeC2RClient.exe mit erzwungenem Schließen der Apps auf, startet dann das Office Deployment Tool, dessen Reinstall-Szenario mit einem FileTransportError (0x2) scheitert, worauf der Remediator eskaliert: Deinstallation aller Produkte, danach ein Installationsversuch, der mit ExitCode 17004 endet. Der installierte Click-to-Run-Client stand auf 16.0.19127, der Remediator selbst auf 16.0.20521. Das ist ein einzelnes Log, von mir nicht reproduziert. Es passt aber zu Microsofts eigener Formulierung von der „Reparaturaktion“ und erklärt, warum die Ergebnisse so unterschiedlich ausfallen: Je nachdem, an welcher Eskalationsstufe der Prozess abbricht, fehlt die Aktivierung, fehlen die Verknüpfungen oder fehlt Office.

Warum der Remediator überhaupt auf Rechnern ohne Microsoft 365 aktiv wird, erklärt niemand offiziell. Meine Vermutung, und ich markiere sie als solche: Office 2016, 2019 und die Microsoft 365 Apps teilen sich die Click-to-Run-Basis und die Produktversion 16.0. Ein Werkzeug, das nach „veralteten Click-to-Run-Installationen“ sucht, findet ein Office 2019, das seit dem Supportende im Oktober 2025 keine Updates mehr bekommt, ziemlich sicher als veraltet. Was es dann zu reparieren versucht, ist ein Produkt, das nicht mehr repariert werden kann.

Die Gegenposition: Bug statt Absicht, und ein Produkt ohne Support

Unter Borns Beitrag fällt schnell das Wort Absicht. Manche Leser sehen einen Versuch, Kauflizenzen loszuwerden und in Richtung Abo zu drängen. Ich halte das für unwahrscheinlich, und die Fakten sprechen dagegen. Microsoft hat innerhalb von zwei Tagen gestoppt, den Fehler öffentlich dokumentiert und Wiederherstellungswege verlinkt. Wer Lizenzen abschalten wollte, würde das nicht über ein Reparatur-Tool tun, das dabei auch die eigenen Support-Foren flutet. Auch die anfängliche Reaktion einer freiwilligen Moderatorin im Microsoft-Q&A, die zuerst nach grauen Volumenlizenz-Keys fragte, hat sich schnell erledigt: Die Betroffenen hatten HUP-Lizenzen, OEM-Keys und Retail-Karten, das ist keine Schwarzmarkt-Welle.

Das zweite Argument kommt von IT-Dienstleistern wie System Force IT: Office 2016 und 2019 sind seit dem 14. Oktober 2025 ohne Support, wer sie noch betreibt, sitzt ohnehin auf geborgter Zeit, und KB5002907 macht dieses Risiko nur sichtbar. Das stimmt, soweit es um Sicherheitsupdates geht. Es ist aber keine Rechtfertigung. Microsoft hat beim Supportende ausdrücklich gesagt, dass die Suiten weiter benutzt werden dürfen. Eine Dauerlizenz, die weiterläuft, bis der Hersteller sie versehentlich löscht, ist kein Supportende, sondern ein Qualitätsproblem.

Meine Einschätzung

Ich schreibe hier als jemand, der Office-Installationen in einer Kommune betreut und in diesem Monat schon den Excel-Copy-and-Paste-Bug aus KB5002914 hinter sich hat. Dass ein Reparatur-Tool eine Eskalationskette bis „alles entfernen und neu installieren“ enthält und diese Kette als SYSTEM auf Geräten abläuft, die niemand dafür freigegeben hat, ist das eigentliche Problem. Nicht der Bug, der die Neuinstallation scheitern lässt. Bugs passieren. Aber ein Werkzeug mit dieser Sprengkraft braucht eine Zielgruppenprüfung, die ein Office 2019 Home & Business von einer Microsoft-365-Installation unterscheiden kann. Das war offenbar nicht der Fall, und Microsoft hat es bis heute nicht erklärt.

Das Wort „optional“ hat nach dieser Woche für mich seinen Wert verloren. Wenn ein Update ohne Nachfrage installiert, sich nicht deinstallieren lässt und im Log als „wichtig“ auftaucht, dann ist es nicht optional. Ob die Leserberichte in allen Fällen zutreffen, kann ich nicht prüfen. Aber es sind zu viele aus zu vielen Richtungen, um sie als Bedienfehler abzutun.

Was das für Admins und Verwaltungs-IT bedeutet

In einer sauber verwalteten Domäne mit WSUS oder Intune sollte KB5002907 nichts anrichten: Dort wird installiert, was der Admin freigibt. Ob das Update im WSUS-Katalog überhaupt auftaucht und unter welcher Produktkategorie, habe ich nicht geprüft. Das Risiko liegt woanders, und zwar in den Geräten, die am Verwaltungsnetz vorbei ihre Updates direkt von Microsoft holen: Notebooks im Homeoffice, der PC im Feuerwehrgerätehaus, Bürgerbüro-Rechner in Außenstellen, Vereins- und Schulgeräte, die die Gemeinde mitbetreut. Dort läuft erfahrungsgemäß häufig ein Office 2016 oder 2019 Home & Business, gekauft, weil es billiger war als das Abo, aktiviert mit einem Key, den heute niemand mehr findet.

Für diese Geräte empfehle ich am Montag folgende Reihenfolge:

  1. Updateverlauf prüfen: Unter Einstellungen, Windows Update, Updateverlauf nach KB5002907 oder „Click-to-Run-Updateunterstützung“ ab dem 23. September suchen. Wer das Update nicht hat, sollte es nicht mehr angeboten bekommen, kann aber die Option „Updates für andere Microsoft-Produkte erhalten“ vorübergehend abschalten, solange Microsoft die Ursache nicht benannt hat.
  2. Product Keys sichern, bevor etwas passiert: Retail-Karten, OEM-Aufkleber, HUP-Bestellhistorie, Microsoft-Konto mit verknüpften Lizenzen. Für Volumenlizenzen liefert cscript ospp.vbs /dstatus im Office-Verzeichnis den Lizenzstatus, /inpkey setzt den Key neu. Wer den Key aus einem laufenden System auslesen muss, kommt mit gängigen Key-Scannern weiter, allerdings bei Office ab 2013 nur eingeschränkt, weil viele Lizenzen ans Microsoft-Konto gebunden sind.
  3. Bei „Nicht lizenziertes Produkt“: In Word oder Excel unter Datei, Konto, Produktschlüssel ändern den Original-Key eingeben oder sich mit dem Microsoft-Konto anmelden, das die Lizenz hält. Mehrere Leser berichten, dass die Anmeldung reicht und Office dann fragt, welche Lizenz aus der Liste genommen werden soll.
  4. Bei entferntem Office: Vor der Neuinstallation ein Image oder Backup ziehen, dann die exakte gekaufte Edition über die Microsoft-Downloadseite für Office 2016/2019/2021 oder über das Workplace Discount Program installieren und aktivieren. Nicht eine andere Edition nehmen, der Key passt sonst nicht.
  5. Nicht in Panik neue Lizenzen kaufen. Ein Dienstleister schreibt bei Born, er habe bei einigen Kunden Office-2024-Lizenzen einlösen müssen. Das ist eine Ausgabe, die Microsoft verursacht hat. Vorher lohnt sich ein Blick in die Ereignisanzeige: Die MsiInstaller-Ereignisse 1034 und 11724 vom 24. September zeigen, was der Remediator entfernt hat. Ein Leser fand dort auch entfernte .NET-Runtime-Komponenten, was ich nicht bestätigen kann, aber prüfen würde.

Wer noch Terminalserver mit Office 2016 oder 2019 betreibt, sollte den Updateverlauf dort zuerst kontrollieren. Die Support-Seite listet Windows Server 2019 bis 2025 ausdrücklich als Zielsysteme.

Und dann die unbequeme Aufgabe, die dieser Vorfall nur beschleunigt: eine Liste aller Geräte mit Office ohne Support, mit Lizenzform und Aktivierungsweg. Nicht, weil Microsoft recht hätte, sondern weil Sie beim nächsten Mal wissen wollen, welche Rechner Sie anrufen müssen, bevor die Anrufe bei Ihnen eingehen.

Fazit

KB5002907 sollte festgefahrene Microsoft-365-Installationen reparieren und hat stattdessen Kauflizenzen von Office 2016 und 2019 deaktiviert oder deinstalliert. Microsoft hat den Rollout gestoppt, bestätigt beide Fehlerbilder und überlässt die Wiederherstellung den Betroffenen. Offen bleibt, warum ein Update für Microsoft 365 Apps auf Rechnern ohne Microsoft 365 gelandet ist, ob es wirklich optional war, wie es Microsoft behauptet, und wann ein korrigiertes Update kommt.

Prüfen Sie diese Woche den Updateverlauf Ihrer nicht zentral verwalteten Geräte und legen Sie die Office-Keys ab, bevor Sie sie brauchen. Wenn Sie betroffen waren, melden Sie den Fall über Datei, Feedback in Office und im Microsoft-Q&A-Thread, damit die Fallzahl bei Microsoft nicht bei „selten“ bleibt.

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