Trump vs. Bin Laden: Wer schadete den USA mehr?

Ich weiß, was Sie beim Lesen dieser Überschrift denken. Es wirkt fast blasphemisch, einen gewählten US-Präsidenten mit dem meistgesuchten Terroristen der Geschichte zu vergleichen. Der eine schwor einen Eid auf die Verfassung, der andere wollte sie – und alles, wofür sie steht – in Schutt und Asche legen.

Doch wenn wir die Emotionen für einen Moment beiseite lassen und uns auf das konzentrieren, was Donald Trump selbst oft predigt – die nackten Zahlen und das Prinzip, dass der Chef für alles verantwortlich ist –, ergibt sich ein verstörendes Bild. In diesem Artikel gehen wir dorthin, wo es wehtut. Wir vergleichen die Ära Trump mit dem Erbe von Osama bin Laden. Nicht um zu schockieren, sondern um zu verstehen, was ein Land wirklich zerstört: ein Angriff von außen oder der Zerfall von innen.

Die nackten Zahlen: Ein Vergleich der Todesopfer

Wenn wir über „Schaden“ sprechen, müssen wir mit dem wertvollsten Gut beginnen: dem menschlichen Leben. Hier klafft eine Lücke, die viele Amerikaner immer noch nicht ganz fassen können.

9/11 und die Folgen

Osama bin Laden ist direkt für den Tod von 2.977 Menschen am 11. September 2001 verantwortlich. Rechnet man die US-Soldaten hinzu, die in den darauffolgenden zwei Jahrzehnten im „Krieg gegen den Terror“ fielen, kommen wir auf etwa 7.000 bis 10.000 direkte amerikanische Militäropfer. Das ist eine Tragödie, die das nationale Trauma einer ganzen Generation prägte.

Die COVID-19-Pandemie unter Trump

Auf der anderen Seite steht die Pandemie. Bis zum Ende von Trumps erster Amtszeit im Januar 2021 waren über 400.000 Amerikaner an oder mit COVID-19 gestorben. Heute, im Jahr 2026, blicken wir auf insgesamt über 1,2 Millionen Tote zurück.

Natürlich hat Trump das Virus nicht erschaffen. Aber die Art und Weise, wie er die Krise managte – das Herunterspielen der Gefahr, der öffentliche Streit mit Experten wie Dr. Fauci und die Skepsis gegenüber Masken –, wird von vielen Wissenschaftlern als Brandbeschleuniger gesehen. Eine Studie des Lancet schätzte damals, dass etwa 40 % der Todesfälle im ersten Jahr durch eine kompetentere Bundespolitik hätten vermieden werden können. Das wären 160.000 Menschen – weit mehr, als bin Laden je hätte töten können.

„The Buck Stops Here“: Trumps eigene Logik gegen ihn verwendet

Donald Trump liebt das Bild des starken Anführers. Er hat oft betont, dass der Präsident die ultimative Verantwortung trägt. „Ich trage die Verantwortung für gar nichts“, sagte er zwar im März 2020 bezüglich der Testkapazitäten, aber in seinem Wahlkampf 2024 und seinem aktuellen Handeln in 2026 betont er wieder: Der Chef entscheidet.

Wenn wir Trumps eigene Logik anwenden – dass der Erfolg oder Misserfolg einer Nation allein am Anführer hängt –, dann ist die Bilanz seiner Amtszeit in Bezug auf die öffentliche Sicherheit katastrophal.

Ein Terrorist wie bin Laden operiert außerhalb des Systems. Er ist ein Krimineller. Ein Präsident hingegen ist der Hüter des Systems. Wenn der Hüter die Warnungen ignoriert oder das Vertrauen in die Wissenschaft untergräbt, ist der Schaden systemisch. Wer ist also schlimmer? Der Feind, der die Mauer angreift, oder der General im Inneren, der die Tore offen lässt und behauptet, es gäbe gar keinen Feind?

Vorsatz gegen Inkompetenz: Eine moralische Sackgasse?

Hier wird die Debatte oft hitzig. Bin Laden handelte mit böswilliger Absicht. Er wollte Amerikaner töten. Er wollte Leid verursachen. Das ist das klassische Bild des Bösen.

Bei Trump sprechen wir eher von einer Mischung aus Narzissmus, politischem Kalkül und Inkompetenz im Krisenmanagement. Er wollte vermutlich nicht, dass Amerikaner sterben – Tote sind schlecht für die Umfragewerte und die Wirtschaft. Aber sein Unwille, eine unbequeme Wahrheit zu akzeptieren, die seinen politischen Narrativen widersprach, führte zum selben Ergebnis: Massensterben.

Ist ein Toter durch eine fehlgeleitete Ideologie weniger tot als einer durch eine terroristische Bombe? Für die Hinterbliebenen macht es keinen Unterschied. Für die Nation als Ganzes stellt sich die Frage, was gefährlicher ist: Ein Feind, den man bekämpfen kann, oder ein Anführer, dem man ausgeliefert ist.

Die Zerstörung des sozialen Gefüges: Polarisierung als Erbe

Vielleicht liegt der nachhaltigste Schaden gar nicht in den Todeszahlen, sondern in der Seele der USA.

Die paradoxe Einigkeit nach 9/11

So schrecklich die Anschläge von bin Laden waren, sie hatten einen kuriosen Nebeneffekt: Sie einigten die USA. In den Monaten nach dem 11. September gab es kaum „Demokraten“ oder „Republikaner“. Es gab nur Amerikaner. Die Flagge war kein politisches Symbol, sondern ein Zeichen der Trauer und des Zusammenhalts. Bin Laden griff das Land von außen an und stärkte so ungewollt das innere Band.

Die Spaltung durch Trump

Donald Trump hingegen hat die Spaltung zu seiner wichtigsten Waffe gemacht. Er regiert nicht für „alle Amerikaner“, sondern für seine Basis. Wer nicht für ihn ist, ist ein „Feind des Volkes“, ein „Verräter“ oder gehört zum „Deep State“.

Diese Rhetorik hat zu einem internen Riss geführt, der 2026 tiefer denn je ist. Familien sprechen nicht mehr miteinander, Nachbarschaften sind verfeindet. Während bin Laden die USA von außen angriff, hat Trump die Amerikaner gegeneinander aufgehetzt. Ein Land kann einen äußeren Angriff überstehen, aber ein Land, das sich selbst hasst, steht vor dem Kollaps.

Wirtschaftlicher Schaden: Billionen gegen Billionen

Man könnte argumentieren, dass Trump die Wirtschaft „gerettet“ hat. Seine Anhänger verweisen auf die Aktienmärkte und die Arbeitslosenzahlen vor COVID. Doch schauen wir uns die langfristige Rechnung an.

  1. Das Erbe von bin Laden: Der Krieg gegen den Terror kostete die USA geschätzt 8 Billionen Dollar. Geld, das in Sand und Blut versenkt wurde, statt in Bildung oder Infrastruktur zu fließen. Das ist ein gigantischer Klotz am Bein der US-Wirtschaft.
  2. Das Erbe von Trump: Unter Trump stieg die Staatsverschuldung massiv an – erst durch Steuersenkungen für Reiche, dann durch die notwendigen (aber teuren) Rettungspakete in der Pandemie. Die Inflation, mit der die USA Mitte der 2020er zu kämpfen haben, hat ihre Wurzeln auch in dieser Ära der billigen Kredite und des massiven Gelddruckens.

Wer war „teurer“? Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen im Billionen-Bereich. Der Unterschied ist: Die Kriegskosten waren eine Reaktion auf eine Provokation. Die Schulden unter Trump waren zum Teil hausgemacht.

Fazit: Was bleibt von dieser Theorie?

Ist die Theorie, dass Trump schlimmer für die USA war als bin Laden, haltbar?

Wenn man nur auf die Zahl der Toten schaut: Ja. Die Pandemie unter Trumps Führung forderte ein Vielfaches an Opfern im Vergleich zu 9/11.

Wenn man auf die nationale Einheit schaut: Ja. Trump hat das Land zerrissen, während bin Laden es ungewollt zusammengeschweißt hat.

Wenn man jedoch auf die Moral und das System schaut: Es bleibt kompliziert. Ein Präsident ist Teil der Demokratie. Er kann abgewählt werden. Er unterliegt Gesetzen (theoretisch). Ein Terrorist steht außerhalb jeder menschlichen Ordnung.

Unterm Strich ist der Vergleich deshalb so schmerzhaft, weil er zeigt, wie verwundbar eine Supermacht ist. Ein einzelner Mann in einer Höhle in Afghanistan konnte die USA nicht zerstören. Aber ein Mann im Oval Office, der die Institutionen von innen heraus schwächt, könnte es schaffen.

Die USA haben bin Laden überlebt. Ob sie die Ära Trump und die daraus resultierende Spaltung überleben, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

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