Trumps „Friedensgremium“: Die Strategie hinter dem Pakt

Donald Trump ist zurück auf der Weltbühne und er bricht radikal mit allen diplomatischen Traditionen. Während die Welt auf etablierte Institutionen wie die Vereinten Nationen blickt, erschafft der US-Präsident seine eigene Realität: Ein exklusives „Friedensgremium“, das nicht auf völkerrechtlichen Verträgen, sondern auf persönlichen Allianzen basiert.

Das Kernstück dieser Strategie ist die Einbindung von Akteuren, die der Westen bisher isoliert hat. Warum setzt Trump auf Wladimir Putin, um den Frieden in Gaza oder der Ukraine zu verhandeln? Es geht nicht um moralische Integrität, sondern um eine eiskalte, transaktionale Machtpolitik. In diesem Artikel analysieren wir die fünf Säulen dieser Strategie und was sie für die zukünftige Weltordnung bedeutet.

1. Die Demontage des UN-Sicherheitsrats: Ein Rivale wird geboren

Seit Jahrzehnten betrachtet Trump die Vereinten Nationen als ein ineffizientes Konstrukt, das die amerikanische Souveränität einschränkt. Seine Strategie zielt darauf ab, den UN-Sicherheitsrat (UNSC) nicht nur zu kritisieren, sondern ihn faktisch zu ersetzen.

Ein Gremium nach Maß

Ein alternatives Gremium ist nur dann glaubwürdig, wenn es über die westliche Einflusssphäre hinausgeht. Trump versteht, dass er Russland und potenziell andere BRICS-Staaten benötigt, um ein Gegengewicht zur UN zu schaffen. Wenn er als „Vorsitzender“ dieses neuen Tisches agiert, verlagert er das globale Entscheidungszentrum direkt in seinen Einflussbereich.

Die Macht des Gastgebers

  • Direkte Kontrolle: Anstatt sich dem rotierenden Vorsitz der UN zu beugen, behält Trump die Zügel in der Hand.
  • Umgehung von Veto-Mächten: Durch ein informelles Gremium können mühsame Abstimmungsprozesse im Sicherheitsrat ignoriert werden.
  • Legitimation durch Präsenz: Allein die Teilnahme von Schwergewichten wie Russland verleiht diesem privaten Club eine globale Relevanz, die der UN den Rang abläuft.

2. Die „Strongman“-Theorie: Warum Putin für Trump unverzichtbar ist

Ein zentraler Aspekt der Außenpolitik von Trump ist der Glaube, dass persönliche Beziehungen zu autoritären Herrschern effektiver sind als institutionelle Diplomatie. Er setzt auf das Prinzip des „Deals“ zwischen starken Männern.

Russland als Hintertür zu den Krisenherden

Russland verfügt über tiefe diplomatische und militärische Verbindungen zum Iran, zu Syrien und indirekt zur Hamas. Dies sind Akteure, gegenüber denen die USA kaum direktes Druckmittel besitzen. Trump sieht in Putin den ultimativen Mittelsmann.

Die transaktionale Logik:

  1. Anerkennung als Währung: Putin erhält durch den Sitz am Tisch die lang ersehnte diplomatische Rehabilitation.
  2. Die Gegenleistung: Im Austausch für diesen Status erwartet Trump, dass Putin seinen Einfluss nutzt, um etwa den Iran oder die Hamas zu Zugeständnissen zu bewegen, die den US-Interessen im Nahen Osten dienen.

3. Der Weg zum Ukraine-Deal: Normalisierung durch Hintertüren

Das Friedensgremium mag offiziell mit dem Fokus auf Gaza gestartet sein, doch das eigentliche Ziel liegt im Osten Europas. Die Strategie von Trump ist es, Putin schrittweise wieder „salonfähig“ zu machen.

Das Ende der diplomatischen Isolation

Indem Putin als Partner für eine Lösung im Nahen Osten präsentiert wird, sinkt die moralische Hürde für Verhandlungen über die Ukraine. Wenn Putin bereits an einem US-geführten „Friedenstisch“ sitzt, wirkt ein Deal über ukrainisches Territorium für die Weltöffentlichkeit weniger wie ein Verrat und mehr wie eine logische Konsequenz.

Trumps Kalkül für die Ukraine:

  • Einfrieren der Frontlinien: Ein Szenario, das Trump bereits mehrfach angedeutet hat.
  • Reduzierung der Kosten: Ein Ende der Finanzierung für Selenskyj lässt sich leichter rechtfertigen, wenn ein „globaler Friedensrat“ eine Lösung vorschlägt.
  • Pragmatismus vor Prinzipien: Territoriale Zugeständnisse werden als notwendiges Übel für die globale Stabilität verkauft.

4. Business First: Die finanziellen Motive des Gremiums

Man darf niemals vergessen, dass Trump die Welt durch die Brille eines Immobilienentwicklers sieht. Sein „Board of Peace“ folgt einer Business-Logik, die in der klassischen Diplomatie beispiellos ist.

Das „Membership Fee“-Modell

Berichte über eine geforderte „Einkaufsgebühr“ von einer Milliarde Dollar für eine permanente Mitgliedschaft unterstreichen den transaktionalen Charakter. Das Geld soll offiziell in den Wiederaufbau fließen, doch die Symbolik ist klar: Weltpolitik ist ein Country Club, und wer mitspielen will, muss zahlen.

Warum Russland trotz Sanktionen? Obwohl die russische Wirtschaft unter Druck steht, sieht Trump in den Ressourcen des Landes und künftigen Wiederaufbauverträgen (etwa in Syrien oder der Ukraine) einen enormen wirtschaftlichen Hebel. Er möchte Partner, die entweder Kapital oder strategische Ressourcen einbringen – Moral spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

5. Optik und Ego: Der historische Friedensstifter

Für Donald Trump ist das Bild oft wichtiger als die Substanz. Die Inszenierung als der einzige Mann, der die „harten Kerle“ der Welt an einen Tisch bringen kann, ist ein zentraler Bestandteil seiner Marke.

Bruch mit der „regelbasierten Ordnung“

Ein Foto von Trump flankiert von Putin, europäischen Staatschefs und arabischen Herrschern sendet eine klare Botschaft an seine Kritiker: Die alte, regelbasierte Weltordnung ist tot. Er ersetzt internationales Recht und Haftbefehle (wie die des IStGH gegen Putin) durch seine eigene Autorität.

  • Der „Ultimate Arbiter“: Er positioniert sich über den Institutionen.
  • Ablehnung von Political Correctness: Die Zusammenarbeit mit Despoten wird als mutiger Realismus verkauft, der über den „naiven“ Vorstellungen seiner Gegner steht.

Zusammenfassung und Fazit: Eine riskante Wette auf die Zukunft

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Strategie von Trump ist ein radikaler Umbau der globalen Machtarchitektur. Er nutzt Putin als Werkzeug, um die UN zu schwächen, regionale Konflikte durch Hintertür-Deals zu beenden und sich selbst als den größten Friedensstifter der Geschichte zu inszenieren.

Dieser Ansatz birgt jedoch enorme Risiken. Die Aufhebung der Isolation Russlands könnte langfristig das Völkerrecht aushöhlen und Aggressoren weltweit signalisieren, dass Territorialgewinne durch „Deals“ legitimiert werden können.

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