Ich habe mir gestern dieses Video angetan. 75 Minuten. Ganz ehrlich? Ich hätte stattdessen auch eine Wand beim Trocknen beobachten können, das wäre produktiver gewesen und hätte weniger Hirnzellen gekostet. Wer Bundeskanzler Friedrich Merz dabei zusieht, wie er sich von einer Partei beklatschen lässt, die dieses Land seit der Nachkriegszeit wie eine Klette besetzt hält, braucht starke Nerven. Oder einen sehr dunklen Humor.
Da steht er also. Der Mann, der uns als „Aufbruch“ verkauft wurde. In Wahrheit moderiert er mit der unterkühlten Arroganz eines BlackRock-Aufsichtsrats den Abstieg einer einstigen Industrienation. Wer glaubt, dass wir hier in einem modernen Land leben, hat entweder seit 1990 kein Fenster mehr geöffnet oder schaut zu viel öffentlich-rechtliches Fernsehen. Wir schauen uns heute mal an, was hinter diesem rhetorischen Sperrfeuer einer Stagnationspartei wirklich steckt.

80 Jahre klebriger Stillstand
Es ist eigentlich Wahnsinn. Seit die Bundesrepublik existiert, hockt diese Partei fast ohne Pause am Drücker. Merz faselte gestern wieder von „Verantwortung“. Ich frage mich: Welche Verantwortung meint er eigentlich? Die Verantwortung dafür, dass unsere Infrastruktur mittlerweile den Charme einer verlassenen sowjetischen Kaserne versprüht?
Wenn die Union „Stabilität“ sagt, meinen sie Stillstand. Wir reparieren nichts, wir investieren nicht in die Zukunft, wir verwalten nur den Dreck von gestern. Die Brücken bröckeln weg, die Schienen sind ein schlechter Witz, aber Hauptsache, die schwarze Null steht glänzend im Schaufenster, während das Fundament des Hauses längst weggespült wurde. Merz ist der oberste Verwalter dieser Trümmerwüste. Er tut so, als hätte er mit dem Chaos der letzten Jahrzehnte nichts zu tun. Als wäre er gestern erst vom Mars gelandet.
Die Analog-Falle: Innovation per Fax
Es ist fast schon süß, wenn Merz das Wort „Innovation“ benutzt. Wir reden hier von einem Verein, der das Internet bis heute für eine vorübergehende Laune hält. Während man in Estland vermutlich schon die Steuererklärung per Gedankenübertragung macht, versuchen wir in Deutschland immer noch, Formulare mit drei Durchschlägen per berittenem Boten durchzubringen.
Glasfaser ist im Kanzleramt immer noch ein Fremdwort. Transparenz? Das ist für die CDU-Führung vermutlich eine ansteckende Krankheit. Die Rede gestern war das digitale Äquivalent zu einem rostigen Faxgerät: laut, langsam und völlig am echten Leben vorbei. Merz regiert ein Land, in dem Lehrer noch mit Kreide werfen müssen, weil das WLAN im Schulgebäude von 1974 nicht durch die maroden Wände kommt. Aber hey, wir haben gestern in Stuttgart stundenlang über „Leitkultur“ debattiert. Als ob uns konservative Folklore beim Glasfaserausbau helfen würde.
Jens Spahn: Skandale als Karrieresprungbrett
Dann gab es diesen einen Moment, da dachte ich wirklich, er hält uns alle für komplett bescheuert. Merz sprach von „Anstand“. Und wer hockt da in der ersten Reihe und grinst in die Linse? Jens Spahn.
Das ist das perfekte Symbol für die moralische Verrottung dieses Ladens. Ein Mann, der Maskendeals im großen Stil zu verantworten hat, dessen Amtszeit ein einziges logistisches Schlachtfeld war, sitzt heute immer noch ohne jede Konsequenz im Amt. Er zieht die Strippen, als wäre nichts gewesen. In jedem normalen Job wäre man für einen Bruchteil dieses Versagens hochkant rausgeflogen. Bei Merz bist du dann eben „Leistungsträger“. Es ist kein Zufall, es ist ein System. Ein Kartell des Schweigens, in dem Loyalität schwerer wiegt als die Milliarden, die man im Klo runterspült.
Rentenarmut und Bildungskrise: Willkommen in den 70ern
Wenn Merz über die Rente spricht, wird es richtig eklig. Der Mann mit dem Privatjet erklärt den Leuten, dass sie „bescheidener leben“ sollen. Rentner, die 45 Jahre geschuftet haben, wissen nicht, wie sie die Heizung bezahlen sollen, während das Gesundheitssystem unter den Fehlentscheidungen der Union langsam verreckt.
Merz’ Antwort? Eigenverantwortung. Das ist das Codewort für: „Sieh zu, wie du klarkommst, wir brauchen die Kohle für die nächste Industrie-Subvention.“
Und die Bildung? Die steht exakt da, wo sie 1978 stand. Nur mit mehr Schimmel. Merz fordert „Leistung“, liefert aber Schulen, in denen der Putz von der Decke fällt. Er hat keine blasse Ahnung, wie es in einer normalen Grundschule aussieht. Er sollte besser den Mund halten, statt von „Zukunft“ zu schwafeln, die er selbst mit seiner Partei seit Jahrzehnten blockiert.
Fazit: Der finale Sargnagel
Die Rede gestern war kein Aufbruch. Es war das letzte Röcheln einer sterbenden Ära. Merz ist der Kanzler des „Gestern“. Er versucht, das Heute mit den Methoden von Vorgestern zu bändigen. Die 91 Prozent Zustimmung in Stuttgart sind kein Zeichen von Stärke. Es ist das kollektive Pfeifen im Walde einer Truppe, die merkt, dass ihr die Felle davonschwimmen.
Deutschland braucht keinen Kanzler, der Adenauer-Zitate drischt, während die IT in den Krankenhäusern gehackt wird. Wir brauchen keine Partei, die Typen wie Spahn einfach aussitzt. Wir brauchen einen harten Cut.
