Quelle: https://rollcall.com/
Am 20. Januar 2026 trat Präsident Trump vor die Presse im White House Briefing Room, um die Bilanz seines ersten Jahres der zweiten Amtszeit zu präsentieren. Was als offizielles Briefing angekündigt war, entwickelte sich schnell zu einer „Pressekonferenz der Eitelkeiten“. Von territorialen Ansprüchen auf Grönland bis hin zu bizarren Beschwerden über Haushaltsgeräte – die rhetorische Bandbreite war enorm.
Für Beobachter stellt sich jedoch die entscheidende Frage: Wie viel Substanz steckt hinter den polternden Aussagen und wo beginnt die gezielte Desinformation? In diesem Artikel analysieren wir die 10 wichtigsten Kernaussagen und unterziehen sie einem harten Faktencheck.
Die 10 Top-Kernaussagen & Zitate der Pressekonferenz
Trump nutzte die Bühne, um seine „America First“-Agenda mit neuer Härte zu untermauern. Hier sind die zentralen Punkte der Konferenz, belegt durch direkte Zitate:
1. Das Grönland-Ultimatum gegen Dänemark
Trump drohte Dänemark offen mit wirtschaftlicher Vergeltung, sollte die Insel nicht an die USA übertragen werden.
Zitat: „Dänemark ist ein großartiges Land, aber sie müssen verstehen: Grönland ist eine Frage der nationalen Sicherheit. Wir können nicht länger zulassen, dass ein strategischer Posten dieser Größe von jemandem gehalten wird, der nicht investieren will.“
2. Fundamentalkritik an der NATO
Er verknüpfte territoriale Forderungen direkt mit der Bestandsgarantie des Verteidigungsbündnisses.
Zitat: „Warum schützen wir Länder, die uns nicht einmal bei einem einfachen Land-Deal entgegenkommen? Die NATO muss sich entscheiden: Seid ihr Partner oder seid ihr im Weg?“
3. Inszenierung der Massenabschiebungen
Die Effizienz der ICE-Operationen (Immigration and Customs Enforcement) wurde als historischer Erfolg gefeiert.
Zitat: „Wir haben die kriminellsten Elemente, die die Welt je gesehen hat, aus unseren Städten entfernt. Es ist eine wunderschöne Sache, diese Busse abfahren zu sehen.“
4. Das Narrativ der fallenden Benzinpreise
Trump beanspruchte die globale Preisentwicklung beim Öl als persönlichen Verdienst seiner Energiepolitik.
Zitat: „In vielen Bundesstaaten sieht man jetzt 1,99 $. Die Leute sagten, das sei unmöglich. Ich sagte: Drill, Baby, Drill, und genau das haben wir getan.“
5. Ultimatum an die Hamas
Bezüglich der verbliebenen Geiseln im Gazastreifen verschärfte er den Ton massiv.
Zitat: „Wenn die Geiseln nicht freigelassen werden, wird es die Hölle auf Erden für sie geben. Wir werden nicht warten.“
6. Kampf gegen Umweltvorschriften bei Haushaltsgeräten
Ein wiederkehrendes Thema: Der Wasserdruck in amerikanischen Haushalten.
Zitat: „Man drückt den Knopf und kein Wasser kommt aus der Dusche. Man muss die Waschmaschine zehnmal laufen lassen. Wir haben diese Regeln heute Morgen beendet. Das Wasser wird fließen.“
7. Drohung mit Militäreinsatz im Inland
Besonders die Unruhen in Städten wie Minneapolis standen im Fokus seiner Drohkulisse.
Zitat: „Wenn die lokalen Bürgermeister ihre Arbeit nicht machen, wird die Nationalgarde oder das Militär die Ordnung wiederherstellen. Wir werden keine Anarchie in unseren Straßen dulden.“
8. Die ewige Wahlsieg-Legende
Auch ein Jahr nach seinem Amtsantritt bleibt die Integrität der Wahl 2024 ein Thema seiner Rhetorik.
Zitat: „Wir hatten den größten Sieg in der Geschichte. Sogar jetzt, ein Jahr später, entdecken sie in einigen Gebieten immer noch Dinge. Es war ein Erdrutschsieg, wie ihn niemand gesehen hat.“
9. Kritik an der Führungskultur (und Golfspielen)
Er warf seinen politischen Gegnern Unfähigkeit vor und nutzte dabei das Golfspielen als Metapher für Untätigkeit.
Zitat: „Man kann ein Land nicht führen, wenn man die ganze Zeit nur Golf spielt und nichts erreicht. Diese Leute verbringen Wochen auf dem Platz und die Wirtschaft bricht zusammen.“
10. Die 24-Stunden-Lösung für die Ukraine
Trump betonte erneut seine Zuversicht, den Ukraine-Konflikt durch ein Treffen mit Putin sofort beenden zu können.
Zitat: „Ich werde mich bald mit Putin treffen. Wir werden das beenden. Es hätte nie passieren dürfen, und unter mir wird es in 24 Stunden gelöst sein.“
Faktencheck: Wo Trump die Unwahrheit sagt
Hinter den markigen Sprüchen verbergen sich oft Tatsachenverdrehungen. Wir haben die vier brisantesten Punkte geprüft.
1. Die „Golf-Heuchelei“: Statistik lügt nicht
Während Trump seine Gegner für Zeitverschwendung auf dem Golfplatz kritisiert, sprechen die Daten eine andere Sprache. Laut dem Trump Golf Tracker besuchte er im Jahr 2025 insgesamt 88 Mal einen seiner Golfclubs. Das ist sogar ein Besuch mehr als in seinem ersten Amtsjahr 2017. Statistisch gesehen verbringt er fast jeden vierten Tag auf dem Grün, während er gleichzeitig anderen vorwirft, durch Freizeitaktivitäten die Wirtschaft zu gefährden.
2. Fiktive Benzinpreise von 1,99 $
Die Behauptung, Benzin koste in vielen Staaten 1,99 $, hält der Realität nicht stand. Aktuelle Daten (Stand Januar 2026) zeigen einen nationalen Durchschnitt von 2,78 $. Selbst in traditionell günstigen Staaten wie Oklahoma liegen die Preise bei etwa 2,34 $. Ein Preis von unter zwei Dollar ist derzeit nirgendwo der Standard.
3. Die Mär von der laufenden Stimmenzählung
Die Aussage, man würde „immer noch Dinge entdecken“ bezüglich der Wahl 2024, ist eine reine Desinformation. Sämtliche Wahlergebnisse wurden bereits 2024 zertifiziert. Es gibt keine offiziellen Prozesse, die das Ergebnis infrage stellen könnten. Diese Rhetorik dient primär der Mobilisierung der eigenen Basis und der Schwächung des Vertrauens in demokratische Institutionen.
4. Grönland: Kein „einfacher Deal“
Trump stellt den Erwerb von Grönland als banale Immobilientransaktion dar. Fakt ist jedoch: Grönland ist ein autonomer Teil des Königreichs Dänemark. Die lokale Bevölkerung lehnt eine Übernahme durch die USA zu über 80 % ab. Zudem ist die Insel völkerrechtlich kein Verkaufsobjekt, was Trumps „Ultimatum“ diplomatisch gesehen zu einer extremen Belastungsprobe für das Verhältnis zwischen den USA und der EU macht.
Fazit: Rhetorik vs. Realität im zweiten Amtsjahr
Die Pressekonferenz am 20. Januar 2026 hat deutlich gezeigt, dass Trump auch in seiner zweiten Amtszeit auf Spaltung und Provokation setzt. Die „America First“-Politik hat sich zu einem aggressiven Imperialismus gegenüber Verbündeten gewandelt.
Besonders auffällig bleibt die kognitive Dissonanz: Einerseits wird absolute Hingabe ans Amt suggeriert, andererseits zeigen die Golf-Statistiken eine ausgeprägte Leidenschaft für die Freizeitgestaltung auf eigenen Resorts. Für die kommenden drei Jahre bedeutet dies: Jede offizielle Aussage muss akribisch auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden, da Fakten in dieser Regierung oft nur eine untergeordnete Rolle spielen.
