Wir schreiben den Januar 2026. Die Welt, wie wir sie kennen, steht an einem historischen Wendepunkt. Die globale Sicherheitsarchitektur, die über Jahrzehnte hinweg Stabilität garantierte, droht unter dem Druck einer neuen, radikalen Expansionspolitik der Vereinigten Staaten zu kollabieren. Unter der Führung von Präsident Donald Trump haben die USA eine Ära der „unapologetischen Supermacht-Politik“ eingeläutet. Traditionelle Bündnisse weichen einem strikt transaktionalen Modell, in dem Loyalität durch wirtschaftlichen Nutzen ersetzt wird.
Die Ereignisse der ersten Januartage – insbesondere die gewaltsame Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Rahmen der „Operation Absolute Resolve“ – waren erst der Anfang. Diese Aktionen dienen als geostrategische Blaupause für weitaus größere Ambitionen in der westlichen Hemisphäre, mit einem klaren Fokus: Grönland.
In dieser umfassenden Geopolitischen Risikoanalyse 2026 untersuchen wir die Triebfedern hinter Trumps aggressiver Strategie, die drohende Eskalation in der Arktis und warum die NATO vor ihrer größten existenziellen Krise steht. Erfahren Sie, warum Europa unter Führung von Kanzler Friedrich Merz, Emmanuel Macron und Keir Starmer nun gezwungen ist, seine Rolle in der Welt neu zu definieren.

1. Die Rhetorik der Expansion: Grönland als „Nationale Sicherheitspriorität“
Die Diskussion um den Kauf Grönlands, die 2019 noch als skurrile Episode der Trump-Präsidentschaft abgetan wurde, hat sich 2026 zu einer harten geopolitischen Forderung gewandelt. Die US-Administration betrachtet die größte Insel der Welt nicht länger als bloßes Immobilienobjekt, sondern als unverzichtbaren Baustein der nationalen Sicherheit.
Das konstruierte Narrativ der „Bedrohung durch Dritte“
Um den Druck auf das Königreich Dänemark zu maximieren, nutzen Präsident Trump und sein Chefberater Stephen Miller ein Narrativ der existenziellen Notwendigkeit. Trump behauptet öffentlich, Grönland sei „übersät mit russischen und chinesischen Schiffen“. Diese Rhetorik zielt darauf ab, Dänemark als unfähigen Verwalter darzustellen, der nicht in der Lage ist, den nordamerikanischen Kontinent vor feindlicher Infiltration zu schützen.
Der Spott des US-Präsidenten, die dänische Verteidigung bestehe lediglich aus „einem weiteren Hundeschlitten“, soll die dänische Souveränität delegitimieren. Doch Experten widersprechen dieser Darstellung vehement. Ulrik Pram Gad, ein renommierter Arktis-Experte, weist darauf hin, dass zwar russische und chinesische Schiffe in der Arktis operieren, jedoch keine unmittelbare Präsenz vor der grönländischen Küste zeigen, die eine militärische Intervention oder Übernahme rechtfertigen würde. Es handelt sich hierbei um ein klassisches geopolitisches Framing, um aggressive Expansionspolitik als Verteidigungsmaßnahme zu verkaufen.
Die „20-Tage-Frist“ und militärische Drohkulissen
Ein zentrales Instrument der aktuellen US-Strategie ist die bewusste Unvorhersehbarkeit. Am 4. Januar 2026 setzte Trump ein Ultimatum: Er werde das „Thema Grönland“ in exakt 20 Tagen wieder aufgreifen. Diese Fristsetzung ist kein diplomatisches Angebot, sondern eine kaum verhüllte Drohung.
Parallel dazu betonte das Weiße Haus, dass der Einsatz des US-Militärs „immer eine Option“ sei. Stephen Miller verschärfte den Ton mit der Aussage, dass „niemand die USA militärisch wegen Grönland bekämpfen werde“, da die USA die einzige wahre Macht innerhalb der NATO seien. Diese Einschüchterungstaktik zielt darauf ab, Kopenhagen zu einem „Deal“ zu zwingen, noch bevor der erste Soldat amerikanischen Boden verlässt. Die Botschaft an Europa ist klar: Widerstand ist zwecklos.
2. Venezuela als Blaupause: Der „Oil Heist“ des 21. Jahrhunderts
Um die Ernsthaftigkeit der Lage in der Arktis zu verstehen, muss man den Blick nach Süden richten. Die Ereignisse in Venezuela sind untrennbar mit den Forderungen gegenüber Grönland verbunden. Die Entführung Maduros am 3. Januar 2026 war kein isolierter Schlag gegen einen Diktator, sondern ein Exempel.
In meinem ausführlichen Blog-Beitrag über den schwarzen Tag für die Demokratie habe ich dargelegt, wie dieser Akt die Grundpfeiler des Völkerrechts erschüttert. Während Washington offiziell von einer „Strafverfolgungsmaßnahme“ spricht, offenbaren die ökonomischen Fakten die wahren Motive.
Kontrolle über PDVSA und die Manipulation des Ölpreises
Unmittelbar nach dem Zugriff auf Maduro verkündete Trump, die USA würden Venezuela nun faktisch „führen“. Das strategische Kernziel ist der Zugriff auf:
- Die staatliche Ölgesellschaft PDVSA.
- Bis zu 50 Millionen Barrel blockiertes Öl.
- Die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt.
Das Ziel dieser Expansionspolitik ist rein wirtschaftlicher Natur: Der Ölpreis soll künstlich auf 50 US-Dollar pro Barrel gedrückt werden. Dies würde nicht nur die US-Wirtschaft massiv stützen, sondern gleichzeitig Russland – dessen Kriegswirtschaft von hohen Energiepreisen abhängt – wirtschaftlich ausbluten lassen.
Rekolonisierung unter dem Deckmantel der Stabilisierung
Die Geschwindigkeit, mit der US-Ölkonzerne in die Planung einbezogen wurden, ist bezeichnend. Führungskräfte von Chevron, ExxonMobil und ConocoPhillips wurden bereits im Weißen Haus empfangen, um den „Wiederaufbau“ der venezolanischen Infrastruktur zu planen. Für Beobachter in Nuuk und Kopenhagen ist dies ein Alarmsignal: Ressourcenreiche Nationen, die sich US-Interessen widersetzen, riskieren ihre staatliche Souveränität. Venezuela dient als Beweis dafür, dass die USA bereit sind, Grenzen neu zu ziehen, um Ressourcen zu sichern.
3. Monroe-Doktrin 2.0: Die totale Hegemonie
Die Außenpolitik des Jahres 2026 folgt einem aggressiven Update der Monroe-Doktrin, oft als „Trump-Korollar“ bezeichnet. Die gesamte westliche Hemisphäre wird als exklusiver Einflussbereich der USA definiert, in dem ausländische Mächte nichts zu suchen haben und lokale Regierungen sich unterzuordnen haben.
- Mexiko: Trump droht offen mit militärischen Landschlägen gegen Drogenkartelle auf mexikanischem Territorium – ein beispielloser Bruch der Souveränität eines Nachbarn und Handelspartners. Strafzölle von 25% sollen politischen Gehorsam erzwingen.
- Kuba: Durch den Wegfall der venezolanischen Öl-Subventionen steht Kuba vor dem Kollaps. Trump kommentierte dies zynisch mit den Worten, das Land sei „am Ende“ („going down for the count“).
- Iran: Die Kampagne „Maximum Pressure 2.0“ (NSPM-2) hat das Ziel, die iranischen Ölexporte auf null zu senken, um einen weiteren Konkurrenten vom Energiemarkt zu drängen.
Es geht Trump weniger um Sicherheit im klassischen Sinne, sondern um die Errichtung einer globalen Energie-Hegemonie.
4. Die Europäische Antwort: Eine Allianz der Entschlossenheit
Lange Zeit verharrte Europa in Schockstarre. Doch die Ereignisse des Januars 2026 haben zu einem Umdenken geführt. Die EU-Mitglieder und das Vereinigte Königreich haben erkannt, dass Beschwichtigungspolitik gegenüber dieser Form der US-Expansionspolitik nicht mehr funktioniert.
Merz, Macron und Starmer: Die „Coalition of the Willing“
Am 6. Januar veröffentlichten der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premier Keir Starmer eine historische gemeinsame Erklärung. Der Kernsatz: „Grönland gehört seinem Volk.“
Deutschland, unter der Führung von Kanzler Merz, hat sich hierbei überraschend als diplomatischer Motor erwiesen. Merz verteidigt die Unverletzlichkeit von Grenzen als universelles Prinzip, das nicht verhandelbar ist. In meinem Artikel Meine Meinung: USA noch als Partner tragbar? thematisiere ich genau diese Zerrissenheit. Wir müssen uns der Realität stellen: Der einstige Beschützer der freien Welt ist zur größten Bedrohung für die multilaterale Ordnung geworden.
Die dänische „Shoot first“-Direktive
Die wohl brisanteste Entwicklung findet jedoch vor Ort statt. Dänemark hat seine Verteidigungsbereitschaft in der Arktis drastisch erhöht. Das Verteidigungsministerium in Kopenhagen reaktivierte eine fast vergessene Regelung von 1952. Diese besagt, dass dänische Truppen (die Sirius-Patrouille und Marineeinheiten) bei einer Invasion Grönlands sofort das Feuer eröffnen müssen, ohne auf explizite Befehle aus der Hauptstadt zu warten.
Dies ist ein deutliches Signal an Washington: Dänemark ist bereit, seine Souveränität auch gegen einen (ehemaligen) Verbündeten militärisch zu verteidigen. Die Gefahr eines „Friendly Fire“-Szenarios zwischen NATO-Partnern war noch nie so hoch wie heute.
5. NATO am Abgrund: Artikel 5 in der Sackgasse
Die NATO steht vor ihrem „dunkelsten Kapitel“. Das Bündnis basiert auf Vertrauen und dem Prinzip „Einer für alle, alle für einen“. Was aber passiert, wenn das stärkste Mitglied einem anderen Mitglied mit Annexion droht?
Das rechtliche Dilemma von Artikel 5 und 6
Grönland liegt eindeutig im geografischen Geltungsbereich von Artikel 6 des Nordatlantikvertrags. Ein militärischer Angriff der USA auf Grönland wäre formal ein Angriff auf das Bündnisgebiet, was den Bündnisfall nach Artikel 5 auslösen müsste.
Das Paradoxon ist jedoch offensichtlich: Die NATO basiert auf dem Konsensprinzip im Nordatlantikrat. Die USA könnten jede formale Verurteilung oder Reaktion gegen sich selbst blockieren. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte treffend: „Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, stoppt alles.“
Wie ich bereits in meiner Analyse A Bold Move: Disband NATO? diskutiert habe, könnte das Bündnis in seiner jetzigen Form obsolet sein. Wenn der Garant der Sicherheit zum Aggressor wird, verliert die Organisation ihre Raison d’Être.
Strategische Lähmung und die lachenden Dritten
Generalsekretär Mark Rutte versucht verzweifelt, die Krise hinter verschlossenen Türen zu lösen, wird jedoch von der US-Administration weitgehend ignoriert. Ein gewaltsames Vorgehen der USA würde die NATO nicht nur politisch zerstören, sondern auch Russland und China die Tür zur Arktis weit öffnen. Wenn die westliche Einheit zerbricht, entsteht ein Machtvakuum, das Peking und Moskau nur zu gerne füllen würden.
6. Ressourcenanalyse: Was Trump wirklich will
Warum riskiert Trump den Bruch mit Europa für eine Insel aus Eis? Die Antwort liegt unter dem Eis. Es geht um eine rationale, wenn auch rücksichtslose Kalkulation von Ressourcen und Technologie.
Die strategischen Ziele der US-Expansionspolitik in Grönland:
- Kritische Mineralien: Grönland verfügt über 25 der 34 kritischsten Rohstoffe, darunter riesige Vorkommen an Seltenen Erden wie Neodym und Gallium. Die Kontrolle darüber würde das chinesische Monopol bei der Produktion von High-Tech-Waffen, Windkraftanlagen und E-Mobilität brechen.
- KI-Infrastruktur: Das arktische Klima bietet ideale Bedingungen für die natürliche Kühlung riesiger Rechenzentren. Wer die KI-Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert die globalen Datenströme und die technologische Zukunft.
- Fossile Brennstoffe: Ähnlich wie in Venezuela werden vor der Küste Grönlands enorme Öl- und Gasreserven vermutet.
- Militärische Dominanz: Die Pituffik Space Base (ehemals Thule) ist das Kernstück des „Golden Dome“-Systems zur Abwehr russischer Interkontinentalraketen. Eine vollständige Annexion würde die uneingeschränkte Nutzung ohne Rücksprache mit Dänemark ermöglichen.
Das Muster ist eindeutig: Trump baut die USA zu einer autarken Ressourcen-Supermacht um, die weder auf China noch auf die Stabilität globaler Handelsrouten angewiesen ist.
7. Handlungsoptionen: Wie kann die Eskalation gestoppt werden?
Europa muss über bloße Lippenbekenntnisse hinausgehen, um eine Invasion zu verhindern. Die Zeit der diplomatischen Noten ist vorbei.
Das „Resource-for-Security“-Modell
Das European Policy Centre schlägt eine pragmatische Lösung vor: Ein „Deal“, bei dem Europa und Dänemark den USA verstärkten militärischen Zugang und privilegierte Partnerschaften bei der Rohstoffgewinnung anbieten. Im Gegenzug müssen die USA die dänische Souveränität explizit und dauerhaft anerkennen. Dies würde Trump erlauben, einen „Sieg“ zu verkünden, ohne das Völkerrecht zu brechen.
Wirtschaftliche Gegenmaßnahmen als Abschreckung
Europa verfügt über massive Hebel, die bisher tabu waren:
- Schließung von Basen: Die Androhung, strategische Drehkreuze wie Ramstein (Deutschland) oder Aviano (Italien) zu schließen, würde die globale Operationsfähigkeit der USA empfindlich treffen.
- Sanktionen: Gezielte Handelssanktionen und Zölle könnten die Kosten einer Invasion für die US-Wirtschaft unerträglich machen.
- Logistik: Die Verweigerung der medizinischen Versorgung oder logistischen Unterstützung für US-Truppen in Europa.
Unterstützung der US-Opposition
Nicht alle in Washington unterstützen den aggressiven Kurs. Senatoren wie Lisa Murkowski (Republikanerin) und Rand Paul lehnen eine militärische Übernahme strikt ab. Murkowski betonte, Grönland müsse als „Verbündeter, nicht als Asset“ betrachtet werden. Europa muss diese Stimmen stärken und direkt mit dem US-Kongress verhandeln.
Fazit: Ein Wendepunkt der Weltgeschichte
Die Krise des Jahres 2026 ist weit mehr als ein territorialer Streit um eine Insel. Es ist der Kampf um die Seele der internationalen Ordnung. Donald Trumps Expansionspolitik – von Venezuela bis Grönland – markiert den Versuch, die Welt in die Einflusssphären des 19. Jahrhunderts zurückzuführen, in denen das Recht des Stärkeren gilt.
Für Europa bedeutet dies: Die Ära der bequemen Abhängigkeit ist endgültig vorbei. Wenn die USA als Partner nicht mehr tragbar sind, muss Europa unter Führung von Deutschland, Frankreich und Großbritannien seine eigene Sicherheits- und Ressourcenstrategie entwickeln. Die NATO mag diesen Konflikt auf dem Papier überleben, aber sie wird nie wieder dieselbe sein.
Die Arktis ist heute der ultimative Prüfstein: Fällt die Souveränität Grönlands, fällt das Prinzip der kollektiven Sicherheit weltweit.
