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	<title>Verwaltungsdigitalisierung &#8211; Grams IT &#8211; Blog</title>
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		<title>25 Mio. Euro Grab: Das stille Ende vom Datenatlas Bund</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 04:53:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p><img width="128" height="128" src="https://blog.grams-it.com/wp-content/uploads/2024/11/government.png" class="attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image" alt="Öffentliche Verwaltung" decoding="async" /></p>Es gibt ein altes Sprichwort der Dakota-Indianer, das in Management-Seminaren oft zitiert wird: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.“ In der deutschen Bundesverwaltung scheint man diesen Ratschlag zwar befolgt zu haben, allerdings erst, nachdem man das Pferd für rund 25 Millionen Euro mit goldenen Hufeisen und einem High-Tech-Sattel ausgestattet hat. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img width="128" height="128" src="https://blog.grams-it.com/wp-content/uploads/2024/11/government.png" class="attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image" alt="Öffentliche Verwaltung" decoding="async" /></p>
<p class="wp-block-paragraph">Es gibt ein altes Sprichwort der Dakota-Indianer, das in Management-Seminaren oft zitiert wird: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.“ In der deutschen Bundesverwaltung scheint man diesen Ratschlag zwar befolgt zu haben, allerdings erst, nachdem man das Pferd für rund 25 Millionen Euro mit goldenen Hufeisen und einem High-Tech-Sattel ausgestattet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Projekt <strong>Datenatlas</strong>, einst als Leuchtturm der <strong>Verwaltungsdigitalisierung</strong> gefeiert, wurde leise, fast heimlich, zu Grabe getragen. Was als digitales Cockpit für die Bundesregierung geplant war, endet nun als teures Mahnmal für gescheiterte IT-Ambitionen. In diesem Artikel analysieren wir, wie eine visionäre Idee an der Realität zerschellte, welche Rolle die <strong>Bundesdruckerei</strong> spielte und warum der deutsche Steuerzahler erneut die Rechnung für ein Geisterprojekt zahlt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was war der Datenatlas Bund eigentlich?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um das Scheitern zu verstehen, müssen wir zunächst die Vision betrachten. Der <strong>Datenatlas</strong> sollte nicht weniger sein als ein „Digitaler Zwilling“ Deutschlands. Das Ziel war ambitioniert und – theoretisch – absolut sinnvoll: Ein zentrales Dashboard, das komplexe Datenmengen aus verschiedenen Ministerien und Behörden bündelt, visualisiert und so politische Entscheidungen auf eine harte Faktenbasis stellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stellen Sie sich vor, das Bundeskanzleramt könnte mit wenigen Klicks sehen, wie sich Fördergelder regional auswirken, wo Infrastrukturengpässe drohen oder wie demografische Veränderungen bestimmte Landkreise belasten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Versprechen des Projekts:</h3>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Zentrale Datenplattform:</strong> Überwindung von Datensilos in den Ministerien.</li>



<li><strong>Echtzeit-Visualisierung:</strong> Interaktive Karten und Dashboards statt starrer PDF-Berichte.</li>



<li><strong>Evidenzbasierte Politik:</strong> Entscheidungen auf Basis verknüpfter Daten statt auf Bauchgefühl.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die <strong>Bundesdruckerei</strong>, die als technischer Partner agierte, beschrieb das Projekt in ihrem Innovation Hub als Werkzeug, um „Wissen nutzbar zu machen“. Doch zwischen der Hochglanz-Broschüre und dem bürokratischen Alltag klaffte eine Lücke, die auch 25 Millionen Euro nicht schließen konnten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Chronologie des Scheiterns: Wie man 25 Millionen Euro verbrennt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ende kam nicht mit einem Knall, sondern durch ein stilles Auslaufenlassen. Berichten von <em>Heise</em> und <em>Netzpolitik.org</em> zufolge wurde das Projekt <strong>Datenatlas</strong> bereits Ende 2024 final abgewickelt – ohne große Pressemitteilung, versteht sich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Kostenexplosion</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich als agiles Innovationsprojekt gestartet, summierte sich die Rechnung am Ende auf geschätzte 25 Millionen Euro. Für ein <strong>IT-Projekt Bund</strong> ist das zwar keine Rekordsumme, aber angesichts des Ergebnisses – nämlich faktisch keinem nutzbaren Produkt für die breite Verwaltung – ist es ein Skandal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei stellt sich die Frage: Wohin floss das Geld? Ein Großteil der Mittel ging in die Konzeption, technische Infrastruktur und Beratungsleistungen. Es wurde entwickelt, getestet und präsentiert. Doch ein fertiges, flächendeckend eingesetztes System entstand nie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum ist der Datenatlas gescheitert?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Analyse des Scheiterns offenbart klassische Muster der deutschen <strong>Verwaltungsdigitalisierung</strong>. Es lag selten an der Technologie selbst, sondern an den Strukturen, in die sie gepresst werden sollte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">1. Fehlende Anwendungsfälle (Use Cases)</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eines der Hauptprobleme war offenbar der Mangel an konkretem Bedarf. Ein Tool zu bauen, das „alles“ kann, endet oft damit, dass es für niemanden <em>konkret</em> nützlich ist. Die Fachabteilungen in den Ministerien nutzten weiterhin ihre eigenen, spezialisierten Systeme oder schlicht Excel-Tabellen, statt sich in das komplexe Korsett des Datenatlas zu zwängen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">2. Das Problem der Datensilos</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Traum vom <strong>Digitalen Zwilling</strong> scheiterte an der Realität des deutschen Föderalismus und der Ressorttrennung. Daten werden in Deutschland oft wie Staatsgeheimnisse gehütet – nicht nur vor der Öffentlichkeit, sondern auch zwischen den Behörden.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Rechtliche Hürden (Datenschutz).</li>



<li>Technische Inkompatibilitäten.</li>



<li>Widerstand der Ressorts, Hoheit über „ihre“ Daten abzugeben.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne den freien Fluss von Daten ist ein <strong>Datenvisualisierung Bund</strong>-Projekt nur eine hübsche Hülle ohne Inhalt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3. Mangelnde politische Führung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Projekt war im <strong>BMI (Bundesministerium des Innern)</strong> angesiedelt. Kritiker werfen dem Ministerium vor, keine klare Strategie verfolgt zu haben. Es fehlte der politische Druck, die Nutzung des Atlas verpflichtend zu machen oder zumindest so attraktiv zu gestalten, dass Behörden ihn freiwillig nutzen wollten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Rolle der Bundesdruckerei</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die <strong>Bundesdruckerei</strong> war maßgeblich an der Entwicklung beteiligt. Auf ihrer Website wurde das Projekt als Innovationstreiber beworben. Technisch gesehen war die Umsetzung vermutlich sogar solide. Es wurden moderne Technologien evaluiert und Prototypen gebaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem hierbei ist strukturell: Wenn der Auftraggeber (der Bund) nicht genau weiß, was er will, oder die organisatorischen Voraussetzungen nicht schafft, kann auch der beste Dienstleister (Bundesdruckerei) das Projekt nicht retten. Es wurde eine Lösung für ein Problem gebaut, das die Verwaltung in ihrem aktuellen Zustand noch gar nicht als solches erkannt hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Symptom der &#8222;Vaporware&#8220;-Verwaltung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fall <strong>Datenatlas</strong> reiht sich nahtlos in eine Liste gescheiterter Digitalprojekte ein. Er steht symptomatisch für eine „Vaporware“-Mentalität: Es werden große Ankündigungen gemacht, Budgets freigegeben und Piloten gestartet. Doch sobald es an die harte Arbeit der Implementierung in die Fläche geht – an die Schnittstellen, die Gesetzesänderungen, die Schulung der Mitarbeiter – versandet der Elan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was bleibt, ist der Vorwurf der massiven <strong>Steuergeldverschwendung</strong>. 25 Millionen Euro hätten an anderer Stelle, etwa bei der Digitalisierung der Bürgerämter oder Schulen, einen direkten, spürbaren Nutzen stiften können. Stattdessen wurden sie in ein Dashboard investiert, das nun offline ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Lehren für die Zukunft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Projekt <strong>Datenatlas</strong> ist tot. Doch wir sollten es nicht umsonst gestorben sein lassen. Wenn die Bundesregierung aus diesem Debakel lernen will, müssen sich zukünftige IT-Projekte grundlegend ändern:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Bedarf vor Budget:</strong> Bauen Sie keine Tools in der Hoffnung, dass sie jemand nutzt. Lösen Sie konkrete Schmerzen der Sachbearbeiter.</li>



<li><strong>Klein starten, dann skalieren:</strong> Statt des großen Wurfs für 25 Millionen Euro sollten kleine, funktionierende Module entwickelt werden (&#8222;Minimum Viable Product&#8220;).</li>



<li><strong>Datenkultur ändern:</strong> Bevor wir Daten visualisieren können, müssen wir lernen, sie zu teilen. Die rechtlichen und kulturellen Silos müssen aufgebrochen werden.</li>
</ol>



<p class="wp-block-paragraph">Für Sie als Steuerzahler bleibt die bittere Erkenntnis: Digitalisierung lässt sich nicht einfach kaufen. Sie erfordert Mut zur Veränderung – und den haben wir beim Datenatlas schmerzlich vermisst.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Datenschutz-GAU in der Verwaltung: Warum Festplattenfunde nur die Spitze des Eisbergs sind</title>
		<link>https://blog.grams-it.com/2025/12/26/datenschutz-gau-in-der-verwaltung-warum-festplattenfunde-nur-die-spitze-des-eisbergs-sind/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Dec 2025 09:46:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><img width="128" height="128" src="https://blog.grams-it.com/wp-content/uploads/2024/11/government.png" class="attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image" alt="Öffentliche Verwaltung" decoding="async" /></p>Stellen Sie sich vor, Sie stellen einen Asylantrag, reichen Ihre Gehaltsnachweise ein oder korrespondieren vertraulich mit Ihrer Gemeindeverwaltung – und Monate später tauchen genau diese Daten auf einer gebrauchten Festplatte auf, die jeder auf eBay kaufen kann, oder liegen jahrelang ungesichert im Heizungskeller eines Wohnhauses herum. Ein Szenario wie aus einem Albtraum, das jedoch für [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img width="128" height="128" src="https://blog.grams-it.com/wp-content/uploads/2024/11/government.png" class="attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image" alt="Öffentliche Verwaltung" decoding="async" /></p>
<p class="wp-block-paragraph">Stellen Sie sich vor, Sie stellen einen Asylantrag, reichen Ihre Gehaltsnachweise ein oder korrespondieren vertraulich mit Ihrer Gemeindeverwaltung – und Monate später tauchen genau diese Daten auf einer gebrauchten Festplatte auf, die jeder auf eBay kaufen kann, oder liegen jahrelang ungesichert im Heizungskeller eines Wohnhauses herum. Ein Szenario wie aus einem Albtraum, das jedoch für die Bürger der bayerischen Gemeinde Kipfenberg Realität wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die aktuellen Fälle, bei denen ungelöschte Festplatten aus dem Rathaus in den freien Handel gelangten oder in unverschlossenen Kellern „vergessen“ wurden, sind weit mehr als bedauerliche Einzelfälle. Sie sind Symptome für ein tiefgreifendes, strukturelles Problem in der deutschen Verwaltungslandschaft. Während wir über Digitalisierung sprechen, scheitern viele Kommunen bereits an den analogen Grundlagen der IT-Sicherheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Artikel analysieren wir, warum gerade kleine Gemeinden mit dem <strong>Datenschutz in der Verwaltung</strong> überfordert sind, welche Rolle fehlendes Fachpersonal spielt und warum ein Kulturwandel unumgänglich ist. Zudem erfahren Sie, wie Sie selbst proaktiv werden können, um zumindest Ihre digitalen Spuren im Netz zu verwischen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Fall Kipfenberg: Ein Weckruf für den Datenschutz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie das Magazin <em>heise online</em> berichtete, gelangten interne Festplatten der Gemeinde Kipfenberg über einen Umweg in den Verkauf auf eBay. Der Käufer, ein IT-Fachmann, traute seinen Augen kaum: Die Datenträger waren nicht etwa professionell bereinigt, sondern enthielten noch sensible Betriebssystemdaten, E-Mail-Archive und Dokumente.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Ein IT-Dienstleister hatte die Hardware ausgemustert, aber offenbar nicht sicher gelöscht. So landeten die Datenträger samt sensibler Inhalte auf dem freien Markt.&#8220;</em> &gt; (Vgl. <a href="https://www.heise.de/hintergrund/Wie-Festplattenfunde-Datenschutzprobleme-in-einer-Gemeinde-offenbaren-11081023.html">heise.de: Wie Festplattenfunde Datenschutzprobleme in einer Gemeinde offenbaren</a>)</p>
</blockquote>



<h3 class="wp-block-heading">Der zweite Skandal: Das Archiv im Heizungskeller</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der eBay-Verkauf war nur die Spitze des Eisbergs. Fast zeitgleich wurde ein weiterer, fast noch gravierenderer Vorfall bekannt: Im Heizungskeller eines gemeindeeigenen Wohnhauses lagerten kistenweise ungesicherte Datenträger. Ein Mieter entdeckte bereits 2023 rund 30 bis 40 Festplatten und Sicherungsbänder, die offenbar aus einer Rathaus-Sanierung stammten und dort zwischengelagert wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Erschreckende: Trotz Meldung an den Bürgermeister wurden die Datenträger offenbar nicht fachgerecht gesichert oder entsorgt. Berichten zufolge tauchten sie 2025 erneut in einem unverschlossenen Kellerraum auf – zugänglich für jedermann. Brisant ist dabei der Inhalt: Die Bänder trugen Beschriftungen wie „EWO“ (Einwohnermeldeamt) und enthielten Ordnerstrukturen zu „Personalwesen“, „Standesamt“ sowie Protokolle nicht-öffentlicher Sitzungen über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Brisante an diesen Vorfällen ist nicht nur das technische Versagen beim Löschen der Daten („wiping“) oder noch besser die Datenträger durch spezialisiert Entsorgungsunternehmen entsorgen lassen (&#8222;schreddern&#8220;), sondern die Kette der Verantwortlichkeiten. Wenn eine Behörde Hardware ausmustert, bleibt sie bis zur vernichtenden Löschung für die Daten verantwortlich – eine Pflicht, die hier eklatant verletzt wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Strukturkrise: IT-Sicherheit vs. Gemeindegröße</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um zu verstehen, warum solche Fehler passieren, müssen wir einen Blick auf die Struktur der deutschen Kommunen werfen. Datenschutz ist oft eine Frage der Ressourcen, und genau hier liegt das Problem.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Statistische Analyse: Deutschland, das Land der kleinen Gemeinden</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Analyse der Gemeindestrukturen in Deutschland (basierend auf Daten zum Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes Stand Ende 2024) zeichnet ein eindeutiges Bild:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Gesamtzahl der Gemeinden:</strong> Deutschland hat über 10.700 Gemeinden.</li>



<li><strong>Gemeinden unter 20.000 Einwohner:</strong> Dies betrifft die überwältigende Mehrheit, nämlich <strong>über 93 %</strong> aller Kommunen in Deutschland.</li>



<li><strong>Gemeinden über 20.000 Einwohner:</strong> Nur ein kleiner Bruchteil (weniger als 7 %) erreicht eine Größe, die in der Regel eigene, professionelle IT-Abteilungen rechtfertigt.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet im Umkehrschluss: In über 90 % der deutschen Rathäuser wird IT-Sicherheit nicht von studierten Informatikern oder zertifizierten CISOs (Chief Information Security Officers) gemanagt, sondern „nebenbei“ erledigt. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Der „Zufalls-Admin“: Wenn Verwaltungskräfte IT machen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Kipfenberg selbst ist ein klassisches Beispiel. Mit <a href="https://www.kipfenberg.de/zahlen/">6.239 Einwohnern</a> fällt die Gemeinde genau in das Raster jener Kommunen, die zu klein für eine eigene IT-Abteilung, aber komplexe Datenverarbeitung betreibt, wie alle Kommunen egal welche Größe Sie sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Blick auf die <a href="https://www.kipfenberg.de/ansprechpartner/">Webseite der Gemeinde</a> zeigt ca. 30 Mitarbeitende in der Kernverwaltung. <strong>Auffällig dabei:</strong> Für eine Gemeinde dieser Größe ist das eine ungewöhnlich hohe Personaldecke. In vergleichbaren Kommunen liegt der Schnitt eher bei 15 bis 20 Verwaltungsmitarbeitenden (ohne Außenbetriebe wie Bauhof oder Kita).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz dieser Personalstärke fehlt oft eines: <strong>Gelerntes IT-Personal.</strong> In Gemeinden unter 20.000 Einwohnern wird die IT-Administration häufig einem Verwaltungsfachangestellten übertragen, der „eine Affinität zu Computern“ hat. Die Aufgaben werden <em>on top</em> zum Tagesgeschäft erledigt. Die Folgen sind fatal:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Fehlendes Fachwissen:</strong> Es fehlt an Kenntnissen über forensisch sicheres Löschen von Datenträgern, Netzwerksegmentierung oder Intrusion Detection. </li>



<li><strong>Überlastung:</strong> Zwischen Bauanträgen und Passwesen bleibt keine Zeit für Sicherheitsupdates oder Log-Analysen.</li>



<li><strong>Mangelnde Sensibilisierung:</strong> IT-Sicherheit wird als lästiges Hindernis gesehen, nicht als Kernaufgabe.</li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading">Der Faktor Mensch: Sicherheitskultur als Fremdwort</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem ist jedoch nicht rein technischer Natur. Es ist ein kulturelles Versagen, das tief in den Strukturen des öffentlichen Dienstes verankert ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der „Gläserne Bürger“ im Bürgerbüro</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder kennt die Situation: Sie sitzen im Bürgerbüro, ein großer Raum, mehrere Schreibtische. Während Sie Ihr Anliegen vortragen, können Sie problemlos mithören, warum der Herr am Nachbartisch eine Gewerbeuntersagung erhält. Schlimmer noch ist die physische IT-Sicherheit:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Bildschirme sind oft so ausgerichtet, dass Wartende den Inhalt mitlesen können.</li>



<li>Verlassen Mitarbeitende den Platz, wird der PC nicht gesperrt (Windows-Taste + L ist vielen unbekannt).</li>



<li>Bürotüren stehen offen, während sensible Akten auf den Tischen liegen.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Datenschutzbelehrungen finden zwar statt, werden aber oft als bürokratische Pflichtübung wahrgenommen. Es fehlt das Verständnis, dass Datenschutz kein Formular ist, das man abheftet, sondern eine tägliche Praxis. Eine Ausrede die auch gerne genutzt wird ist, dass die Mitarbeitenden ja alle zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Zitate und Expertenmeinungen zur Verwaltungskultur</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Defizite in der digitalen Kompetenz und der Kultur der öffentlichen Verwaltung sind bekannt. In meinem Artikel <em>„Wir brauchen einen Kulturwandel in der Verwaltung“</em> habe ich bereits darauf hingewiesen, dass Technik allein keine Probleme löst, wenn das Mindset fehlt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Es reicht nicht, analoge Prozesse einfach nur digital abzubilden. Wir müssen verstehen, dass Digitalisierung eine Änderung der Arbeitsweise erfordert.&#8220;</em> &gt; (Vgl. <a href="https://blog.grams-it.com/2022/02/28/meine-meinung-spd-digitalsprecher-wir-brauchen-einen-kulturwandel-in-der-verwaltung/">Blog Grams-IT: Kulturwandel in der Verwaltung</a>)</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die starre Haltung, Veränderungen abzuwehren, trägt zur Unsicherheit bei. Der Satz „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist der größte Feind der IT-Sicherheit. Veraltete Prozesse werden beibehalten, weil man sie kennt – auch wenn sie unsicher sind.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Der Digitalisierungskiller Nr. 1 ist die Weigerung, alte Zöpfe abzuschneiden. Fortschritt wird aktiv ausgebremst.&#8220;</em> &gt; (Vgl. <a href="https://blog.grams-it.com/2025/04/27/der-digitalisierungskiller-haben-wir-schon-immer-so-gemacht-wie-die-oeffentliche-verwaltung-fortschritt-ausbremst/">Blog Grams-IT: Der Digitalisierungskiller</a>)</p>
</blockquote>



<h3 class="wp-block-heading">Eine tickende Zeitbombe</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kombination aus veralteter Technik, ungeschultem Personal und einer Kultur der Sorglosigkeit macht kleine Kommunen zum idealen Ziel für Cyberangriffe. Wir stehen hier an einem Scheideweg. Ohne massive Investitionen in Schulung und Professionalisierung (z.B. durch interkommunale Zusammenarbeit bei der IT) steuern wir auf den Kollaps der digitalen Daseinsvorsorge zu.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Der öffentliche Dienst steht am Scheideweg. Es ist eine tickende Zeitbombe, wenn wir Personal und Sicherheit nicht endlich priorisieren.&#8220;</em> &gt; (Vgl. <a href="https://blog.grams-it.com/2025/09/17/die-tickende-zeitbombe-warum-der-oeffentliche-dienst-am-scheideweg-steht/">Blog Grams-IT: Die tickende Zeitbombe</a>)</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Hintergründe zur schleppenden Digitalisierung finden Sie auch in meiner Analyse: <a href="https://blog.grams-it.com/2024/11/30/die-oeffentliche-verwaltung-ein-schlusslicht-in-der-digitalisierung/">Die öffentliche Verwaltung – ein Schlusslicht in der Digitalisierung</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Es muss sich etwas ändern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vorfall in Kipfenberg ist peinlich für die Gemeinde, aber er ist symptomatisch für ganz Deutschland. Solange wir in über 90 % der Kommunen Verwaltungsfachangestellte dazu zwingen, nebenbei IT-Admin zu spielen, werden wir solche Schlagzeilen immer wieder lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was muss passieren?</strong></p>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Professionalisierung:</strong> IT gehört in die Hände von Fachpersonal, notfalls durch Zusammenschluss mehrerer kleiner Gemeinden zu IT-Zweckverbänden.</li>



<li><strong>Schulung:</strong> Datenschutzschulungen dürfen keine Alibi-Veranstaltungen sein.</li>



<li><strong>Mentalitätswandel:</strong> IT-Sicherheit muss Chefsache werden und darf nicht als Kostenfaktor, sondern als Daseinsvorsorge begriffen werden.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Open-Source-Wettbewerb: Warum das die Verwaltung nicht rettet</title>
		<link>https://blog.grams-it.com/2025/09/03/open-source-wettbewerb-warum-das-die-verwaltung-nicht-rettet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Sep 2025 11:25:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p><img width="128" height="128" src="https://blog.grams-it.com/wp-content/uploads/2024/11/government.png" class="attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image" alt="Öffentliche Verwaltung" decoding="async" /></p>Ein kritischer Blick auf eine oft übersehene Realität Open Source gilt als Allheilmittel für viele digitale Probleme. Auch in der öffentlichen Verwaltung wird es als Weg zu mehr Transparenz, Innovation und Unabhängigkeit von großen Tech-Konzernen gesehen. Ein aktueller Wettbewerb soll nun mit Open-Source-Projekten die öffentliche Verwaltung revolutionieren. Doch ist das wirklich die Lösung? Dieser Artikel [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img width="128" height="128" src="https://blog.grams-it.com/wp-content/uploads/2024/11/government.png" class="attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image" alt="Öffentliche Verwaltung" decoding="async" /></p>
<h2 class="wp-block-heading">Ein kritischer Blick auf eine oft übersehene Realität</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Open Source gilt als Allheilmittel für viele digitale Probleme. Auch in der öffentlichen Verwaltung wird es als Weg zu mehr Transparenz, Innovation und Unabhängigkeit von großen Tech-Konzernen gesehen. Ein aktueller Wettbewerb soll nun mit Open-Source-Projekten die öffentliche Verwaltung revolutionieren. Doch ist das wirklich die Lösung? Dieser Artikel beleuchtet, warum der <strong>Open-Source-Wettbewerb Verwaltung</strong> nicht retten wird und welche tiefer liegenden Probleme übersehen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Puzzleteil, das nicht passt: Open Source und fehlende Systemintegration</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Idee, mittels eines Wettbewerbs innovative Open-Source-Lösungen zu finden, klingt auf den ersten Blick verlockend. Das Problem: Die eingereichten Projekte sind oft Insellösungen. Sie sind eigenständige Anwendungen, die eine spezifische Aufgabe lösen – sei es die Meldung von Schlaglöchern oder die Anmeldung für einen Bürgerkurs. Diese Apps haben jedoch kaum einen Einfluss auf die Kernprozesse der Verwaltung, denn sie sind nicht in die bestehenden, komplexen Infrastrukturen integriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die öffentliche Verwaltung ist ein riesiges Netzwerk aus Fachanwendungen, Datenbanken und Altsystemen. Eine neue App, die als hübsche Webanwendung für den Bürger fungiert, kann die Prozesse im Hintergrund nicht beschleunigen, wenn sie nicht mit den Systemen kommuniziert, die tagtäglich genutzt werden. Das ist, als würde man einem Radfahrer ein Navigationsgerät für ein Auto geben – es funktioniert, aber es löst nicht die eigentlichen Probleme der Fortbewegung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die wahre Abhängigkeit: Warum Open Source nicht automatisch die Microsoft-Dominanz beendet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eines der Hauptziele von Open-Source-Initiativen in der Verwaltung ist die Loslösung von proprietären Ökosystemen, allen voran von Microsoft. Doch hier liegt ein fundamentales Missverständnis vor. Der Open-Source-Wettbewerb konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Anwendungen, nicht aber auf den Austausch der Basis-Infrastruktur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Realität in den deutschen Kommunen sieht so aus:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der Großteil der Rechner läuft mit Windows.</li>



<li>Das gesamte Applikations-Ökosystem basiert auf Microsoft-Produkten wie Office.</li>



<li>Viele kritische Fachanwendungen, die für die tägliche Arbeit unverzichtbar sind, haben tiefe Abhängigkeiten von proprietären .Net-Frameworks oder spezifischen DLLs.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens wenn wir einen Blick ins Bürgerbüro oder den Bürgerservice werfen, wo Vorgaben und Geräte der Bundesdruckerei zwingend benötigt und genutzt werden, ist die Abhängigkeit unumstößlich vorhanden. Hier muss konzeptionell umgedacht werden. Fachanwendungen müssen komplett neu für Open Source geschrieben werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solange diese grundlegenden Abhängigkeiten bestehen, können auch die besten neuen Open-Source-Anwendungen keine nachhaltige Veränderung herbeiführen. Sie werden entweder nicht genutzt oder müssen aufwändig in eine Systemlandschaft integriert werden, die nicht für sie geschaffen wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verwaltung im Dilemma: Die Herausforderung durch fehlende IT-Kompetenzen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Deutschland hat rund 11.000 Kommunen. Weit über 95 % davon sind Kleinstädte und Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern. In diesen Kommunen ist die IT-Landschaft eine besondere Herausforderung. Oft gibt es keine einzige ausgebildete IT-Fachkraft. Stattdessen sind Verwaltungsfachangestellte für die IT verantwortlich – Menschen, die eigentlich auf andere Aufgaben spezialisiert sind und meist nur Basiskenntnisse im Umgang mit Computern besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Externe Dienstleister werden zwar hinzugezogen, aber ohne einen internen Auftraggeber, der die strategischen Anforderungen definieren kann, sind die Ergebnisse oft unzureichend. Das führt zu einer veralteten und ineffizienten IT-Landschaft. Solange die Kommunen die IT nicht als kritische Infrastruktur begreifen, die Investitionen in Fachpersonal und Ressourcen benötigt, werden weder Open-Source-Wettbewerbe noch andere Initiativen die Situation grundlegend verbessern können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Alte Strukturen, junge Technologie: Wie die Politik die Digitalisierung ausbremst</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das durchschnittliche Alter in kommunalen Gemeindevertretungen und -vorständen nähert sich oft der 70- oder 80-Jahre-Marke. Während das Alter allein keine Aussage über die Kompetenz macht, fehlt es in vielen Fällen an einem tiefgreifenden Verständnis für moderne Technologien und deren Potenzial. Dieses Verständnis ist jedoch essenziell, um die notwendigen finanziellen und strategischen Entscheidungen für eine erfolgreiche Verwaltungsdigitalisierung zu treffen. Ohne diese Weichenstellung von oben bleiben ambitionierte Projekte im Sande stecken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Digitalisierung ist mehr als nur Software: Der Mangel an digitaler Ausbildung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Mitarbeiter in den Verwaltungen haben den Sprung von der Schreibmaschine zum PC ohne ausreichende Schulung gemacht. Die digitale Kompetenz ist in vielen Bereichen erschreckend gering. Es ist keine Seltenheit, dass selbst heute noch grundlegende Aufgaben in Programmen wie Word oder Excel ineffizient ausgeführt werden, weil die Mitarbeiter nie eine systematische Ausbildung erhalten haben. Die Digitalisierung einer Verwaltung beginnt nicht mit dem Einspielen neuer Software, sondern mit der Schulung der Menschen, die diese Software nutzen sollen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Die Illusion des schnellen Erfolgs</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Open-Source-Wettbewerb für eine bessere Verwaltung ist eine noble Idee, die jedoch die Komplexität der Herausforderungen ignoriert. Er liefert Insellösungen, die an den grundlegenden Problemen vorbeigehen, nämlich:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Der fehlenden IT-Integration</strong> in bestehende Systeme.</li>



<li><strong>Der tief verwurzelten Abhängigkeit</strong> von proprietären Ökosystemen.</li>



<li><strong>Dem Mangel an IT-Fachkräften</strong> in der kommunalen Praxis.</li>



<li><strong>Der fehlenden strategischen Führung</strong> durch Politik und Verwaltung.</li>



<li><strong>Der unzureichenden digitalen Ausbildung</strong> des Personals.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ein nachhaltiger Wandel erfordert einen ganzheitlichen Ansatz: mehr Investitionen in qualifiziertes Personal, eine umfassende strategische Planung und die konsequente Schulung der Mitarbeiter. Nur wenn diese Fundamente gelegt sind, kann Open Source sein volles Potenzial in der öffentlichen Verwaltung entfalten.</p>
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